Marc-Antoine Mathieu
Der begehbare Riesenwirbel lässt die Besucher in Mathieus Werk eintauchen. Bild © picture-alliance/dpa

Das Museum Angewandte Kunst in Frankfurt zeigt eine Schau, die Gehirnwindungen zum Tanzen bringt. Unsere Empfehlung: Einfach den Pfeilen folgen und sich der Comic-Kunst von Marc-Antoine Mathieu hingeben.

Das geht ja schon gut los. Die ersten Schritte in Richtung Ausstellungsraum im Museum Angewandte Kunst in Frankfurt und die Besucher stecken in einem Entscheidungsdilemma. Pfeil geradeaus, Pfeil nach links - ja, was denn nun? Möchten Sie hier weiterlesen oder lieber an dieser Stelle wieder in den Text einsteigen?

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Ein Spaß ohne Anfang und ohne Ende

Alle Wege führen zum Ziel - könnte man meinen. Oder auch in die Gegenrichung. Der französische Zeichner Marc-Antoine Mathieu gilt als innovativster Comic-Künstler seines Landes und wer sich auf seine Bilder und Animationen einlässt, läuft Gefahr, sich in den Motiven zu verlieren.

"Kartografie der Träume" heißt die Schau und so wie Mathieus Werk größtenteils in Schwarz-Weiß gehalten ist, sind auch die Räume gestaltet. Schwarz-Weiß, geradlinig und schnörkellos. Wer bei Comics an quietschbunte Figuren und Sprechblasen denkt, muss für den Genuss von Marc-Antoine Mathieus Arbeiten umdenken. Nicht umsonst wird der 58-Jährige als Philosoph unter den Cartoonisten bezeichnet.

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Eine Figur, die Mathieu immer wieder zeichnet, ist ein Mann mit Hut, langem Mantel und Aktenkoffer. Häufig steht der Herr vor einem Wegweiser. Wegweiser sind gut, scheint er zu denken, weisen sie doch den Weg. Nur die Signale im Mathieus Kosmos sind alles andere als eindeutig, seine Pfeile zeigen nach überall und damit nach nirgendwo.

Der Herr mit Hut befindet sich in einem wilden Pfeilerlei, einem Gebirge aus Wegweisern, hoch, niedrig, breit oder schmal. Man verfolgt den Protagonisten und beginnt unweigerlich nach dem scheinbar richtigen Weg zu suchen. Nicht, dass der Herr sich am Ende noch verläuft. Doch verlaufen? Das würde ja einen korrekten Weg voraussetzen, den Mathieu allerdings nicht liefert.

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Einer seiner weiteren Helden ist Julius Corentin Acquefacque. Sechs Bände der Acquefacque-Reihe "Gefangener der Träume" gibt es bereits und so schräg wie seine Berufswahl - er ist Angestellter im französischen Ministerium für Humor und dort zuständig für Witzbegutachtung - sind auch seine Erlebnisse. Einige davon dürfen die Besucher zumindest in Ansätzen selbst erfahren.

So kommt einem mit 3D-Brille auf der Nase eine griffelige Hand unangenehm nahe. Und wer zu lange vor der 2,5 Meter hohen Buchseite mit integriertem Spiralwirbel steht, wird geradezu magisch in Richtung Strudelinneres gesogen. Kafkaesk - womit man nicht falsch liegt. Denn wer den Namen von Monsieur Acquefacque einmal laut ausspricht und sich dann überlegt, wie das wohl rückwärts klingen mag, könnte ein Aha-Erlebnis haben.

Comic-Land Frankreich präsentiert sich auf der Buchmesse

In der Ausstellung sind neben 50 Originalzeichnungen auch Bronzeplastiken und Animationsfilme zu sehen. Die Schau ist zugleich ein erster Ausblick auf die Frankfurter Buchmesse im Oktober. Ehrengast ist in diesem Jahr Frankreich und auch im französischen Pavillon auf der Buchmesse wird der Comic eine wichtige Rolle spielen.

Mit Frankreich und Comic verbinden viele bislang vor allem "Asterix". Dass die französische Comic-Szene viel mehr zu bieten hat, dafür liefert die Mathieu-Ausstellung einen ersten ausgezeichneten Vorgeschmack.

Weitere Informationen

Kartografie der Träume. Die Kunst des Marc-Antoine Mathieu

Zeitraum: Die Ausstellung ist bis 15. Oktober im Museum Angewandte Kunst zu sehen.
Öffnungszeiten: Di, Do bis So 10 bis 18 Uhr; Mi 10 bis 20 Uhr
Eintritt: Neun Euro, ermäßigt 4,50 Euro; Kinder und Jugendliche zahlen nichts
Adresse: Museum Angewandte Kunst, Schaumainkai 17, 60594 Frankfurt am Main

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