Olcun Tan - Ausschnitt aus "The Revenant"
Olcun Tan - Ausschnitt aus "The Revenant" Bild © Olcun Tan, Secret Lab

Der Leonardo-DiCaprio-Film "The Revenant" hat in der Nacht in Los Angeles gleich drei Oscars abgeräumt. Einen großen Anteil am Erfolg des Wildnis-Dramas hat ein Visual-Effects-Künstler aus Frankfurt. hessenschau.de hat mit ihm gesprochen.

Rund 800 Millionen Menschen weltweit haben in der Nacht die Oscar-Verleihung verfolgt. Zu den großen Gewinnern zählt mit drei Trophäen "The Revenant". Mit dem bildgewaltigen Abenteuerepos konnte sich Leonardo DiCaprio als Hauptdarsteller den ersten Oscar seiner Karriere sichern. Der Mexikaner Alejandro González Iñárritu wurde zum zweiten Mal in Folge als bester Regisseur ausgezeichnet.  Außerdem gab es den dritten Oscar hintereinander für den Kameramann Emmanuel Lubezki.

Alle sprechen nun über die Oscar-Gewinner. Einen großen Anteil an ihrem Erfolg haben aber auch jene, die im Hintergrund die Fäden in den Händen halten. Einer davon: Der Frankfurter Bub Olcun Tan. Er hat dazu beigetragen, dass Leonardo DiCaprio und das eisige Abenteuerdrama "The Revenant - Der Rückkehrer" schon vor der Verleihung der große Oscar-Anwärter war.

Mit dem BMX-Rad durch Rödelheim gefahren

Tan war schon an vielen internationalen Filmprojekten beteiligt, hat Kontakt zu den Größen des Filmgeschäftes und doch hört man ihm so etwas wie Nostalgie an, wenn er über Heimatstadt spricht. "Ich bin in Frankfurt geboren und aufgewachsen. Ich weiß noch genau, wie ich mit meinem BMX-Rad durch Rödelheim gefahren bin", sagt er hessenschau.de. Wie er zum Film kam? "Als ich 1994 im Fernsehen den Harlekin im Clip von Sven Väths 'The Beauty and the Beast' sah, wusste ich sofort: Das will ich auch machen", erinnert sich der Sohn türkischer Einwanderer.

So sieht es aus, wenn DiCaprio während der Dreharbeiten schießt - und so spektakulär sieht der Schuss im Film aus.
So sieht es aus, wenn DiCaprio während der Dreharbeiten schießt - und so spektakulär sieht der Schuss im Film aus. Bild © Olcun Tan, Secret Lab

Und so machte Tan seine ersten 3D-Versuche am Computer. "Eine Ausbildung zum 3D-Grafiker gab es damals noch nicht." Später heuerte er bei "Das Werk" an, einer Kreativschmiede, die als Vorreiter für digitale Bildbearbeitung gilt. Dort lernte er das Handwerkszeug. "Ich war damals wahrscheinlich der jüngste 3D-Grafiker in Deutschland."

Schon bald wurde eine Filmproduktion in London auf ihn aufmerksam und engagierte ihn mit gerade einmal Mitte 20 als Supervisor für Visuelle Effekte an zwei Harry Potter-Filmen. Er arbeitet bei "Lara Croft: Tomb Raider" und "Black Hawk Down" und vielen anderen Filmen mit. Jeffrey Katzenberg, amerikanischer Filmproduzent und Mitbegründer von DreamWorks, holt ihn nach Los Angeles. "Ich wurde im wahrsten Sinne des Wortes nach Amerika verschifft und musste meinen Arbeitsvertrag bei Katzenberg persönlich unterschreiben."

Digitale Diät für DiCaprio

2006 gründet er sein eigenes Unternehmen für Spezialeffekte in Kalifornien: "Gradient Effects". Sein jüngstes Werk: "The Revenant". Unter dem Projektnamen "Secret Lab" hat Tan 33 Minuten des 156 Minuten langen Films digital nachbearbeitet. Seine Nachbearbeitungen lassen DiCaprio im Überlebenskampf zunehmend abgemagerter aussehen. "Wir wissen doch, dass ein Schauspieler, der sich körperlich abmüht, oft mit einem Oscar belohnt wird", kommentiert Tan.

Links: Die roten runden Objekte sind digitale geometrische Modelle von Schneeflocken, die dann vom Computer (Licht, Schatten und Materialeigenschaften) berechnet werden. Der getarnte Mann in der Mitte hält übrigens das Pferd fest, damit es beim Drehen nicht abhaut. Rechts: So sieht der Zuschauer die Szene im fertigen Film.
Links: Die roten runden Objekte sind digitale geometrische Modelle von Schneeflocken, die dann vom Computer (Licht, Schatten und Materialeigenschaften) berechnet werden. Der getarnte Mann in der Mitte hält übrigens das Pferd fest, damit es beim Drehen nicht abhaut. Rechts: So sieht der Zuschauer die Szene im fertigen Film. Bild © Olcun Tan, Secret Lab

Körperveränderungen, die einen Schauspieler dünner, dicker, jünger oder älter aussehen lassen, seien sehr anspruchsvoll, so Tan. "Es ist leicht, einen Schauspieler dünn zu machen wenn er sich nicht bewegt. Aber Bewegungen sind dreidimensional und komplex." DiCaprio hat mittlerweile auch im richtigen Leben abgenommen. "Wahrscheinlich haben wir ihn dazu animiert. Bei uns hat er gesehen, wie er aussehen könnte mit weniger Gewicht", lacht Tan.

Einen guten Effekt bemerkt der Zuschauer nicht

Auch die Indianerattacke zu Beginn des Films ist komplett digital hergestellt. "Mit echten Pfeilen wäre das doch viel zu gefährlich." Selbst die herausragenden und vielgelobten Landschaftsaufnahmen, Himmel, Wolken, Sonnenstrahlen, Schnee - alles wurde nachträglich bearbeitet. Dass die digitalen Effekte so gut funktionieren, liegt daran, dass man sie nicht bemerkt. Sie fügen sich optimal in die Landschaftsaufnahmen ein, wirken natürlich und nicht künstlich. "Werden Effekte falsch oder übertrieben eingesetzt, merkt das der Zuschauer sofort", sagt Tan.

Im Gespräch mit Olcun Tan merkt man, dass seine Reise von Frankfurt nach Los Angeles noch nicht zu Ende ist. Vielleicht kehrt er zurück. "Noch sind alle Projekte hier in Kalifornien. Aber ich habe in Frankfurt eine kleine Zweigstelle und will irgendwann zurück. In Frankfurt sind alle meine Kindheitserinnerungen."

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