Comtesse Noir, Staatstheater Wiesbaden
Theaterpferd "Comtesse Noir" steht im Staatstheater Wiesbaden bei Wagners "Walküre" auf der Bühne. Bild © Karl und Monika Forster

Trockeneis, Lastenaufzug, Leichenteile - die Stute "Comtesse Noir" lässt sich durch nichts erschüttern. Im Staatstheater Wiesbaden steht sie derzeit in Wagners "Walküre" auf der Bühne. Nicht ihr erster Auftritt, sagt ihre Besitzerin im Interview.

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16 Jahre alt ist Comtesse Noir und mit über 13 Jahren Bühnenerfahrung schon längst ein alter Hase. Ohne mit der Wimper zu zucken steht die schwarze Oldenburgstute auf der Bühne im Staatstheater Wiesbaden - derzeit in Wagners Ring des Nibelungen - die Walküre. Comtesse ist "von Natur aus cool" und zeigt somit gänzlich pferdeuntypische Eigenschaften, sagt ihre Besitzerin Kerstin Ocker im hessenschau.de-Interview.

hessenschau.de: Wie kam es dazu, dass die Comtesse Noir auf der Bühne gelandet ist?

Kerstin Ocker: Das Theater suchte ein Pferd für die Bühne. Eine Freundin fragte mich, die kennt den Statisterie-Leiter vom Wiesbadener Staatstheater. Hast Du nicht Lust, mit Deinem Pferd mitzumachen. Ich dachte erst, die veräppeln mich.

hessenschau.de: Welche Anforderungen wurden denn an das Pferd gestellt?

Kerstin Ocker: Es sollte cool sein und Lastenaufzug fahren können. Trude war damals noch ganz jung und gerade erst eingeritten. Ich habe mich dann bereit erklärt, es mit ihr zu versuchen.

hessenschau.de: Trude?

Kerstin Ocker: Comtesses Spitzname! Das kam, weil sie immer so in die Weltgeschichte schaut und so ist, wie sie ist: sehr gelassen und cool. Das passt ja.

hessenschau.de: Wie war der erste Bühnenkontakt?

"Comtesse Noir", Beitzerin Kerstin Ocker
Die Comtesse Noir und ihre Besitzerin Kerstin Ocker aus Walluf (Rheingau-Taunus) teilen ein Hobby: das Theater. Bild © Simone Behse (hr)

Kerstin Ocker: Ich bin mit dem Pferd nach Wiesbaden gefahren, wir kommen zum Lastenaufzug und da ist sie reingelaufen, als hätte sie es schon hundert Mal gemacht. Die ist auf die Bühne gestiefelt und hat getan, als wäre sie da zu Hause. Und so ist das bis heute geblieben. Sie ist das geborene Theaterpferd.

hessenschau.de: Das Pferd lässt sich nicht aus der Ruhe bringen?

Kerstin Ocker: Zum Beispiel bei dem neuen Stück, bei der Walküre. Da wurde bei der Generalprobe Trockeneisnebel auf die Bühne geblasen. Da war ich mir sicher, dass das nicht gut geht. Wenn der Boden nicht mehr sichtbar ist, ist das für ein Pferd eigentlich ein No-Go. Aber die Comtesse ist auf die Bühne marschiert, ohne mit der Wimper zu zucken. Im Theater macht sie hundert Prozent was von ihr verlangt wird.

hessenschau.de: Bühnenhase, Rampensau - ein Pferd mit vielen Gesichtern. Ist das außergewöhnlich?

Kerstin Ocker: Ja, absolut. Sie hat schon drei Stücke gespielt - und das klappt immer. Eigentlich sind Pferde nicht so. Das sind Fluchttiere, scheu und empfindsam. Ich hätte gedacht, sie läuft weg. Aber weit gefehlt. Sie genießt das richtig. Rampenlicht, viele Leute, Applaus… eine Rampensau ist sie auf jeden Fall.

hessenschau.de: Und Sie sitzen immer hinter der Bühne und passen auf?

Kerstin Ocker: Ja, ich bin immer dabei. Wir teilen uns sozusagen ein Hobby.

hessenschau.de: Was macht das Pferd genau auf der Bühne?

Kerstin Ocker: Also Text hat sie keinen. Comtesse steht am Anfang des dritten Aktes während der Ouvertüre ganz alleine auf der Bühne, das Bühnenbild stellt eine Reithalle dar. Dann kommen rund zehn Walküren, eine von ihnen wird auf das Pferd gehoben, und dreht ein paar Runden mit ihr im Trab. Dann wird ihr eine "Leiche" über den Hals und danach eine Tasche mit "Leichenteilen" über die Schulter gehängt. Während sie ihre Runden trabt, werden die Leichenteile durch die Kulisse geschmissen.

hessenschau.de: Gibt es auch Kostüm und Maske für die Comtesse?

Kerstin Ocker: Nein. Das soll ja eine Kriegsszene darstellen. Am besten lässt man die Comtesse so, wie sie immer aussieht: nämlich wie eine Wutz, paniert mit Dreck und Schlamm, so würde sie am allerbesten in das Stück passen, zwischen die ganzen Leichen.

hessenschau.de: Wird die Comtesse reich als Bühnenstar?

Kerstin Ocker: Wenn ich sehe, was Tierverleihe etwa für ein Huhn bekommen, das einmal über die Bühne läuft…. dagegen ist es wenig. Aber es ist nicht für umsonst und hauptsächlich macht uns das einfach einen Riesenspaß. Und die Kosten sind auf jeden Fall gedeckt.

Comtesse Noir, Casper
Theaterpferd "Comtesse Noir" (vorne) mit ihrem Freund, Pferd "Casper" Bild © Simone Behse (hr)

hessenschau.de: Und was macht das Tier, wenn der Vorhang gefallen ist?

Kerstin Ocker: Die Trude ist viel draußen, rennt auf der Weide rum, wälzt sich im Dreck und führt abseits der Bühne ein ziemlich bodenständiges, unglamouröses Leben.

Das Gespräch führte Katrin Kimpel.

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