Standbild aus dem Video "The Dust Channel" von Roee Rosen
Standbild aus dem Video "The Dust Channel" von Roee Rosen Bild © Tanja Küchle (hr2-kultur)

Genial böse und unterhaltsam, wie der israelische Künstler Roee Rosen die Liebe zu Reinigungsgeräten und Fremdenangst auf der documenta in Kassel zusammenbringt. Sein Film ist eine Zumutung.

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Standbild aus dem Video "The Dust Channel" von Roee Rosen

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Ein junges Paar liegt im Bett. Zwischen ihnen ein Staubsauger. Aber nicht irgendeiner, es ist dieser besonders effektive, der ohne Beutel auskommt. Das Paar singt: "Sauge, sauge, sauge, steige auf, himmlischer Dyson Seven."

Schnitt: Nahaufnahme: im Klarsichtbauch des Staubsaugers sammelt sich ekliger Schmutz an.

Schnitt: ein Internierungslager in der Negev-Wüste. Hier "sammeln" sich politische Flüchtlinge an, die vom Staat Israel nicht anerkannt und darum lange Zeit hier festgehalten werden.

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Die Kunstwelt schaut auf die documenta in Kassel. hr2-Reporterin Tanja Küchle hat sich auf der Weltkunstausstellung umgesehen. In der Reihe "documenta to go" stellt sie ihre persönlichen Lieblingswerke vor.
Bisher erschienen:

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Schnitt: Das Pärchen singt weiter ungestört sein russisches Libretto - im Bett, am Küchentisch, Zahnpasta sabbernd beim Zähneputzen.

Schnitt: der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hält eine Rede. Er droht, "diese Flüchtlinge" ihrer gerechten "Strafe" zuzuführen.

Schnitt: ein Testzentrum für Staubsauger. Am unteren Rand des Bildes steht: "im Straflager". Die Geräte werden auf Laufbändern durchgerüttelt und aus großer Höhe fallen gelassen.

Schnitt: die Achselhaare der Sopranistin wehen im Wind.

Schnitt: verschiedene Personen befriedigen sich intensiv mit Staubsaugern.

Schnitt: Ein Auge wird zerschnitten, das sich dann doch als Spiegelei entpuppt.

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Bei weitem nicht die einzige gelungene Anspielung auf den surrealistischen Klassiker schlechthin: "Der andalusische Hund" von Luis Buñuel und Salvador Dalí.

Auch der Film "The Dust Channel" im Kasseler Palais Bellevue von Roee Rosen ist surreal. Traumhaft überblendete Spielfilm-Szenen sind hart gegen dokumentarische Fernseh-Bilder montiert.

Dieser Film ist eine schizophrene Zumutung. Phänomenal absurd und witzig. Eine dreiundzwanzigminütige, bissige Collage, in der der israelische Künstler Rassismus und Fremdenangst in all seinen Ausprägungen seziert, bis ins Unterbewusste.

Habe ich vielleicht auch Vorurteile verinnerlicht, die mir gar nicht bewusst sind? Was hat eine Ananas mit dem Lecken von Achselhaaren zu tun? Und wer zappt sich eigentlich durch diesen Schmuddelkanal privater und gesellschaftlicher Abgründe?

Es ist der beutelfreie Dyson Staubsauger selbst. Er hat sich heimlich nachts aus dem Bett geschlichen.

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