Albrecht Dürers "Selbstbildnis im Pelzrock"
Selfie und Selbstvermarktung: Albrecht Dürers "Selbstbildnis im Pelzrock". Ein Ausstellung in Darmstadt offenbart Genie und Geschäftssinn. Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Ein selbstbewusstes Copyright, ein eigener Verlag und emsige "Reisediener" - Albrecht Dürer war nicht nur als Künstler ein Genie. Eine neue Ausstellung in Darmstadt offenbart auch sein Ausnahmetalent als Geschäftsmann.

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Er selbst hat das indische Panzernashorn nie gesehen. Und anatomisch korrekt ist Albrecht Dürers berühmter Holzschnitt "Rhinocerus" auch nicht. Er basiert auf der Skizze eines unbekannten Künstlers und der brieflichen Beschreibung eines Nashorns, das am 20. Mai 1515 als Geschenk eines Sultans in Portugal eintraf.

Doch die Wirkung zeigt, wie der Renaissancekünstler nicht nur mit genialen Würfen wie der Darstellung der "Apokalyptischen Reiter" Geschichte schrieb. Lange prägte sein Nashorn-Stich das Bild, das sich Europa von diesem Tier machte. Bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts ging Dürers Werk in manchen Schulbüchern sogar noch als genaue Abbildung durch.

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Vom 29. Januar bis 24. April ist "Rhinocerus" im Hessischen Landesmuseum in Darmstadt zu sehen - zusammen mit rund 130 weiteren Werken des wohl berühmtesten deutschen Malers. Das Museum hat Holzschnitte, Abzüge von Kupferstichen und einige wertvolle Eisenradierungen aus seinem Magazin geholt.

"Reisediener" verkauften Werk

Für die Schau "Albrecht Dürer. Meisterwerke der Druckgraphik" sollten die Besucher Zeit mitbringen, denn es gibt viel zu entdecken: zum Beispiel, wie Dürer sein künstlerisches Genie mit einem ausgeprägten Geschäftssinn verband. In Zeiten großer politischer und religiöser Umwälzungen sagte ein italienischer Prediger für das Jahr 1500 den Weltuntergang voraus. Daraufhin schuf Dürer sein Druckwerk "Apokalypse", das die berühmten "Vier apokalyptischen Reiter" enthält. Es erschien 1498, Dürer war 27 Jahre alt und hatte sich kurz vorher mit Werkstatt und Verlag in Nürnberg selbständig gemacht.

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Info

Albrecht Dürer, vom 29. Januar bis 24. April
Hessisches Landemuseum Darmstadt, Friedensplatz 1, 64283 Darmstadt

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Das Werk bescherte Dürer lebenslange Einnahmen, auch weil er "Reisediener" beschäftigte, die von Stadt zu Stadt fuhren, um das Druckwerk zu verkaufen. Das Besondere auch: Zum ersten Mal waren die Bilder keine pure Illustration zum Text, sondern eine eigenständige Kunstform. Es war "eine Art früher Comic", scherzt Mechthild Haas, Kuratorin der Ausstellung.

Rätsel aus Kunst und Wissenschaft

Zu entdecken gibt es in Darmstadt außerdem mathematische Rätsel in Dürers Werken - Dürer hat sich intensiv mit Geometrie beschäftigt. Der Kupferstich "Melencolia I" zum Beispiel versammelt Quadrate, Dreiecke und Fünfecke um einen Engel, der über einem (mathematischen?) Problem brütet. Verbindet das Bild Wissenschaft und Kunst? Oder Kunst und Handwerk? Oder Mittelalter und Renaissance? Fragen, die bis heute nicht geklärt sind.

Und es gibt Details zu Dürers Arbeitsweise zu entdecken - wie einen feinen Knick in Dürers "Der Reiter (Ritter, Tod und Teufel)" von 1513. Für den Knick ist nicht etwa ein nachlässiger Museumsmitarbeiter verantwortlich, versichert Kuratorin Haas: "Der Knick ist entstanden, als der Druck frisch aus der Presse kam und Dürer ihn zum Trocknen auf die Wäscheleine gelegt hat."

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Biografie

Dürer kam am 21. Mai 1471 als drittes Kind seiner Eltern zur Welt. Der Sohn eines Goldschmieds erlernte zunächst selbst dieses Handwerk, machte von 1486 bis 1490 aber eine Lehre bei dem Nürnberger Maler und Druckgrafiker Michael Wolgemut (1434 - 1519). 1497 machte sich Dürer selbständig. Als autonomer Künstler gelang es ihm, sich von bürgerlichen Auftraggebern, Kirche und Adel ökonomisch unabhängig zu machen. Da die Porträtmalerei zu wenig einbrachte, verlegte er sich auf neuen Drucktechniken und einen Kunst-Massenmarkt. In seinen Holzschnitten und Radierungen verwirklichte er eigene Vorstellungen, und er revolutionierte den Kupferstich. Dürer machte mehrere künstlerische Reisen. Er wurde europaweit bekannt und gefeiert und verkehrte mit den Mächtigen seiner Zeit auf Augenhöhe. Dürer starb am 6. April 1528, kurz vor seinem siebenundfünfzigsten Geburtstag, wohl an den Folgen eines Fiebers.

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