Bauarbeiter errichten Gerüst für "Bücher-Tempel" für documenta 14 vor dem Museum Fridericianum in Kassel
Bauarbeiter errichten das Gerüst für den Bücher-Tempel zur documenta 14 vor dem Museum Fridericianum. Bild © Michael Przibilla (hr)

documenta-Besucher kommen seit Samstag auf ihre Kosten - in Athen. In der documenta-Stadt Kassel wird die Weltkunstausstellung noch aufgebaut. Doch auch da gibt's schon was zu sehen.

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Zuschauer bei den ersten Aufbauarbeiten für die documenta 14 am Kasseler Friedrichsplatz

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zum Audio Der Aufbau zur documenta 14 in Kassel hat begonnen

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Auf dem Friedrichsplatz im Zentrum Kassels, direkt vor der Schauseite des Museums Fridericianum, wächst mit erstaunlicher Geschwindigkeit ein Stahlgerüst in den Himmel. Behelmte Bauarbeiter montieren in schwindelerregender Höhe Meter um Meter. Der Klang ihrer Hammerschläge tönt weit in die Fußgängerzone. An der Absperrung beobachten viele Zaungäste sichtlich beeindruckt den Baufortschritt.

An der Stelle entsteht ein documenta-Kunstwerk - vermutlich das größte der diesjährigen, insgesamt 14. Auflage der Weltkunstschau (d14). Die argentinische Künstlerin Marta Minujin will auf dem Friedrichsplatz ein Wahrzeichen Athens nachbilden: den Parthenon, den berühmtesten antiken Tempel auf der Akropolis. Und zwar im Maßstab 1:1.

Mahnmal für Meinungsfreiheit

Wie d14-Geschäftsführerin Annette Kuhlenkampf erläutert, werden die Wände später mit Büchern aus aller Welt gefüllt, die der Zensur zum Opfer fielen oder irgendwann einmal verboten waren. Minujin plant ein Mahnmal für Meinungsfreiheit und Demokratie. Dafür werden seit Wochen eifrig Bücher gesammelt, auch in Kassel. Mindestens 55.000 werden gebraucht. 35.000 sind nach Angaben der Organisatoren bereits zusammen gekommen.

Das Arbeitsmotto der d14 lautet: Von Athen lernen. Der Bücher-Tempel auf dem Friedrichsplatz schafft eine sichtbare Verbindung zur griechischen Hauptstadt, dem zweiten und gleichberechtigten Standort der diesjährigen documenta.

Gleichberechtigte Ausstellungsorte

Dass in Kassel jetzt die ersten Außenkunstwerke errichtet werden, tröstet seine Bürger darüber hinweg, dass sie sich die Weltkunstschau diesmal mit einer anderen Stadt teilen müssen und – zumindest zeitlich – sogar das Nachsehen haben. Andererseits gewöhnen sie sich langsam daran: 2012 gab es Außenposten in Kabul und Kanada, 2002 mehrere Plattformen in aller Welt.

Nicht nur vor dem Fridericianum, auch nebenan vor der documenta-Halle entsteht inzwischen ein Außenkunstwerk der d14. Dort ist allerdings noch unklar, wie es am Ende aussehen wird. Konkreter ist bereits das documenta-Kunstwerk, das den nahe gelegenen Königsplatz zieren soll. Dort, mitten auf der Kasseler Einkaufsmeile, wächst derzeit ein 16 Meter hoher Obelisk in den Himmel.

Hilgen: Kassel profitiert von Athen

Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD), zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der documenta GmbH, ist derweil nach Athen gereist, um dort die erste Etappe der d14 zu eröffnen. Kurz vor dem Abflug gab sich Hilgen im Gespräch mit hr-iNFO zuversichtlich, dass das Konzept mit dem Doppelstandort funktioniert. Anfangs sei er noch skeptisch gewesen, räumte Hilgen ein.

Mittlerweile sei er aber sicher, dass sich der frühe Start in Athen auch auf Kassel positiv auswirken wird. Schließlich sei schon jetzt ein großes Interesse in der Stadt zu spüren. Hilgen: "Kassel profitiert von Athen, und das werden wir dann ab 10. Juni in unserer Stadt sehen."

Bis dahin wird jeden Tag in Kassel ein bisschen mehr von der documenta und ihren Außenkunstwerken zu sehen sein. Dazu gehört auch, dass gelegentlich weißer Rauch aufsteigt: aus dem Turm am Museum Fridericianum, dem Kasseler Hauptstandort der documenta. Das erinnert an das Signal nach einer erfolgreichen Papstwahl, ist aber natürlich der Testlauf für ein weiteres Kunstwerk der d14.

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