Der geplante Eingang zum MOMEM und der Eingang zum Kindermuseum.
Noch ist das Kindermuseum an der Hauptwache (r.). Ab 2018 soll dort das MOMEM, das "Museum Of Modern Electronic Music" die Räume und den Vorplatz bespielen. Bild © Atelier Markgraph/ Katrin Kimpel (hr)

DJ-Workshops, Filme, Partys: An der Frankfurter Hauptwache entsteht das weltweit erste Techno-Museum. Die Stadt spendiert dem MOMEM, dem "Museum Of Modern Electronic Music", einen großzügigen Außenbereich - und hübscht so gleichzeitig die Hauptwache auf.

Techno statt Kinder - wo sich derzeit noch kleine Museumsbesucher tummeln, soll demnächst ein Techno-Museum entstehen. Wenn Ende 2016 das Frankfurter Kindermuseum in den Neubau des Historischen Museums am Römer zieht, werden die Räume für das "Museum Of Modern Electronic Music" (MOMEM) umgebaut. Der Platz an der Hauptwache soll dann neu gestaltet werden. Anfang 2018 wird das MOMEM eröffnen.

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Momem Modell

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Direktor des MOMEM wird Alex Azary. Der Verleger, Produzent und DJ beeinflusst die Frankfurter Musikszene seit Jahrzehnten. Künstlerischer Schirmherr ist der Schweizer Weltstar Dieter Meier, Konzeptkünstler und Teil des legendären Pop-Duos "Yello".

Die Idee

Im Jahr 2010 erhielt der Frankfurter DJ Andreas Tomalla (Talla 2XLC) die Ehrenplakette der Stadt Frankfurt für seine musikalischen Verdienste. Daraufhin erhielt er 2011 eine Einladung des Goethe-Instituts, in einigen ehemaligen Sowjetrepubliken an Universitäten Vorträge über die "History of Techno“ zu halten.

Andreas Tomalla
Andreas Tomalla erhält 2010 die Ehrenplakette der Stadt Frankfurt Bild © picture-alliance/dpa

Das Thema stieß auf großes Interesse und so kam der Dozent Tomalla auf die Idee, dass die Welt ein Museum für elektronische Musik brauchen könnte. Tomalla versuchte den Frankfurter Musikverleger Azary dafür zu gewinnen. "Ich war zunächst nicht sehr begeistert“, sagte Azary hessenschau.de. Museum und elektronische Musik, das passte für ihn nicht zusammen. Eine Recherche habe dann aber ergeben, dass es weltweit für viele Musikstile Museen gibt – Reggae, Punk, Heavy Metal, Grunge - aber nicht für elektronische Musik und Club-Kultur. "Dieser Aspekt hat mich dann doch gereizt, mal genauer über das Thema nachzudenken und ein Konzept mit Talla zu entwickeln."

Das Konzept

"Das MOMEM wird kein Museum im herkömmlichen Sinn", so das Credo des künftigen Direktors Azary. Natürlich werde es auch Ausstellungsexponate geben, die nach Themen wie Mode, Instrumente, Design und Technik präsentiert werden. Geplant sind aber auch Workshops mit internationalen DJs wie DJ Hell, Seminare, Lesungen, Filmabende und Partys.

Zitat
„Es wird immer weiter gehen/ Musik als Träger von Ideen.“ Zitat von Kraftwerk (Music Non Stop)
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Das MOMEM will auch im Nachtleben präsent sein. "Unser Publikum soll nicht nur einmal kommen, sondern immer wieder, am besten mehrmals wöchentlich." Der künstlerische Anspruch ist hoch. "Das ist mehr als Underground-Party. Die elektronische Musik und die Szene haben es verdient, museal und kulturell aufbereitet präsentiert zu werden."

Die Location

Hauptwache mit MOMEM - vorher und nachher
Vorher - nachher: Die relativ ungenutzte Zwischenebene in der Hauptwache im Herzen Frankfurts wird der Standort des MOMEM. Bild © Katrin Kimpel (hr)/ Atelier Markgraph

Sein Zuhause wird das MOMEM mitten in der Innenstadt haben in der Zwischenebene der Hauptwache, der so genannten Agora. Zwei Jahre hatte die Suche nach einen geeigneten Standort gedauert. Als die Stadt schließlich den kaum genutzten und eigentlich recht tristen Unort an der Hauptwache anbot, sahen die Macher dort ein "Riesen-Potenzial" schlummern. Das MOMEM hat der Stadt daraufhin zusammen mit der Frankfurter Kommunikationsagentur Atelier Markgraph ein Konzept vorgelegt, wie die Agora als Begegnungsort mit Musik und Gastronomie umgestaltet werden kann.

"Das MOMEM bietet nun die Chance, diesem architektonisch ja nicht unspannenden Ort ein völlig neues Aussehen und eine völlig neue Bedeutung zu geben", so Frankfurts Bürgermeister und Planungsdezernent Olaf Cunitz (Grüne). Als zentraler Platz in der Innenstadt sei die Hauptwache sehr wichtig, auch weil "alle Touristen irgendwann dort vorbei kommen", so Cunitz.

Die Stadt

MOMEM Vertragsunterzeichnung
Vertragsunterzeichnung mit der Stadt: Felix Semmelroth, Andreas Tomalla, Olaf Cunitz, Dariush Azary, Alex Azary, Björn Lautenschläger (v.l.n.r.) Bild © MOMEM

Planungsdezernent Cunitz ist begeistert von den Plänen, auch wenn er sich selbst musikalisch eher bei Rock und Heavy Metal verortet. "Wir erhoffen uns eine immense kulturelle Bereicherung durch die Sichtbarmachung einer speziellen Frankfurter Kultur." Das MOMEM soll "ein neuer Identifikationsort für Frankfurt werden, so wie die Oper, das Städel oder das Schauspiel".

Was das Finanzielle angeht: Die Stadt stellt die Räume des ehemaligen Kindermuseums zur Verfügung und gestaltet den Außenbereich neu. "Die Stadt wird auf jeden Fall einen substantiellen Beitrag leisten, dass dieses Projekt realisiert wird", so Cunitz. Nach der Eröffnung soll sich das MOMEM selbst finanzieren, ein entsprechender Businessplan wurde von der Stadt für tragfähig befunden. "Außerdem laufen Gespräche mit Stiftungen, Kulturförderfonds und staatlichen Stellen wie Land, Bund und EU", so Direktor Azary.

Die Schirmherren

Dieter Meier
Dieter Meier, Künstler, Musiker und Teil des legendären Pop-Duos "Yello". Bild © picture-alliance/dpa

Dass das MOMEM auf großes Interesse stößt, zeigt sich auch daran, dass Künstler der Szene sich mit dem Projekt identifizieren. So hat etwa Dieter Meier, Schweizer Konzeptkünstler und mit seiner Popband "Yello" schon in den 1970er-Jahren Pionier der elektronischen Musik, die künstlerische Schirmherrschaft übernommen.

Weitere Schirmherren des MOMEM sind Frankfurts Bürgermeister Cunitz und Kultudezernent Felix Semmelroth (CDU). Die Planung und kreative Ausgestaltung hat das Atelier Markgraph übernommen.

Das Publikum

Ziel der Macher ist es, möglichst ein breites Publikum zu erreichen. Zwar ist elektronische Musik ein Stück weit ein Nischenprodukt. Aber dank elektronischer Dance Music mit Acts wie Skrilllex, David Guetta oder Daft Punk ist das Genre heute so weit verbreitet wie nie zuvor.

Zitat
„Music ist the key to technology.“ Zitat von Brian Eno
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"Die Gefahr, dass das Nische ist, ist quasi weg", so Stefan Weil, Vorstand des Fördervereins "Friends of MOMEM e.V.". Der Verein trägt und finanziert das MOMEM im Vorfeld. Ziel sei es, den Spagat zwischen Kunst und Kommerz, zwischen Mainstream und Nische, zwischen breitem Publikum und Musik-Freak hinzubekommen. "Das wird uns gelingen, das Thema ist vielfältig und so werden auch unsere Gäste und Besucher sein."

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