Museum barrierefrei
Frankfurt geht voran: Museen sollen baulich und inhaltlich barrierefrei werden. Bild © picture-alliance/dpa

Museumsrundgänge für Blinde, Literatur in einfacher Sprache – auch Kultur kann barrierefrei erlebt werden. Frankfurt will hier mit Hilfe des Landes Hürden für Menschen mit Behinderungen abbauen. Den Anfang machen zwei Museen.

Das Historische Museum und das Literaturhaus in Frankfurt sind Teil der "Modellregion Inklusion“. Zu ihr gehören Projekte, die behinderten Menschen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen oder vereinfachen sollen.

Im Fall Frankfurt heißt das, dass die Stadt mit dem Land Hessen eine Zielvereinbarung unterzeichnet hat und sich darin der Barrierefreiheit im Bereich Museen und Kultur verpflichtet.

Audiorundgang, Videotour und leichte Sprache

Das Historische Museum wird komplett neu gestaltet und baulich barrierefrei geplant. Für Blinde soll es einen Audiorundgang als Online-App geben. Ebenfalls als App ist eine Videotour in Gebärdensprache für Gehörlose geplant. Und für die Besucher, denen Museumstexte oft zu komplex sind, ist eine Tour in leichter Sprache im Angebot.

Auch das Literaturhaus setzt auf leichte Sprache. Nun sollen aber nicht Goethe und Co. sprachlich abgespeckt werden, sondern es soll eine "ganz neue ungewohnte Ästhetik" geschaffen werden, so der Leiter des Literaturhauses, Hauke Hückstedt.

"Wir wollen Autoren aus der Region dazu bringen, ganz neue Texte zu schreiben, nach Regeln, die sie hier gemeinsam mit uns zuvor erarbeitet haben". Das Konzept laute nicht Literatur minus Ästhetik, sondern Neuland mit einer neuen Ästhetik zu betreten.

Selbstbestimmte Teilhabe als Ziel

"Wenn das fertig ist, sollen sich alle Museen in Hessen daran orientieren können und von den Erfahrungen des Historischen Museums und des Literaturhauses profitieren können“, sagt Winfried Kron, im hessischen Sozialministerium zuständig für die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention.

"Es gibt bereits zwölf 'Modellregionen Inklusion' in Hessen, jede widmet sich einem anderen Thema“, erklärt Kron. In Frankfurt habe man den Schwerpunkt auf die Kultur gelegt. Mit dem Museumsufer und der insgesamt hohen Museumsdichte sei Frankfurt die ideale Stadt, um Vorreiter beim Thema Inklusion und Kultur zu werden.

"Die Kulturangebote werden so beschaffen, dass Menschen mit Behinderung sie sich eigenständig erschließen können. Eine selbstbestimmte Teilhabe ist das Ziel."

50.000 Euro pro Jahr und Modellregion

Die Modellregionen werden vom Land Hessen jährlich mit 50.000 Euro unterstützt. In Frankfurt bedeutet das, dass die Stadt das Geld zunächst in die beiden Projekte Historisches Museum und Literaturhaus steckt. Nach und nach sollen dann in den kommenden zwei Jahren auch die anderen Museen mit an den Tisch geholt werden.

Das Land überprüft in regelmäßigen Abständen, ob die Zielvereinbarung auch wirklich umgesetzt wird, das nächste Mal im Oktober. Am Ende sollen in ganz Hessen die Museen von den Erfahrungen profitieren und sich mit insgesamt deutlich weniger Barrieren präsentieren, als es derzeit der Fall ist.

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