Marcel Verhoff
Rechtsmediziner Marcel Verhoff Bild © picture-alliance/dpa

Wenn Krimiautoren auf der Suche nach dem perfekten Verbrechen sind, fragen sie oft echte Rechtsmediziner zu echten Kriminalfällen. Ein Frankfurter Wissenschaftler hilft - und muss die Autoren nicht selten enttäuschen.

Wenn Rechtsmediziner Marcel Verhoff Krimiautoren berät, dann endet das nicht immer zufriedenstellend für die Schriftsteller: "Ein Autor wollte mal über jemanden schreiben, der vor vielen Jahren in einem Ferienhaus eingemauert worden ist", erzählt er. "Der stellte sich dann vor, dass das Skelett noch in Ketten an der Wand zu sehen ist. Ich musste ihm aber sagen: Da finden wir nur noch einen Haufen Knochen, denn das Skelett hält nicht mehr zusammen, wenn alles drumherum verwest ist."

Verhoff ist Chef der Rechtsmedizin am Uni-Klinikum Frankfurt und aus dem Kachelmann- oder Tugce-Prozess als Sachverständiger bekannt. Eigentlich kann er sich über Arbeit nicht beklagen. Dennoch nimmt sich der 45 Jahre alte Professor Zeit, Krimiautoren oder TV-Drehbuchschreiber zu beraten. Anfragen gibt es genug, denn das Interesse an der Forensik ist im modernen Krimi beträchtlich gewachsen.

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"Ich finde es wichtig, dass wissenschaftlich fundierte Informationen weitergeben werden", sagt Verhoff zu seinem Hobby. "Wenn das mit einer spannenden Geschichte zusammenkommt, umso besser." Interessant findet er zum Beispiel den neuen Frankfurter Flughafenkrimi von Jakob Stein. Darin geht es um eine in einem Container gefundene Leiche, die bei hochsommerlichen Temperaturen verwest. Damit sich das alles authentisch liest, hat der Krimischreiber vorher Verhoff konsultiert.

"Krimis nicht so spannend"

Wer nun vermutet, dass jemand wie Verhoff von Jugend an Krimis verschlungen hat, liegt falsch. "Wenn man beruflich sehr häufig damit zu tun hat, dann ist das Lesen von Krimis auch nicht mehr so spannend", sagt er nüchtern. Doch es gibt Autoren, die ihm trotzdem gefallen: der Frankfurter Autor Jan Seghers zum Beispiel, dessen Marthaler-Krimis auch schon verfilmt wurden. Und Verhoff ist ein Fan von Kathy Reichs, einer forensischen US-Anthropologin, die in ihren Krimis ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse verarbeitet.

An eine Krimi-Kurzgeschichte hat sich auch Verhoff schon mal gewagt. Allerdings unter Pseudonym. Über weitere Projekte will er nichts sagen, bislang fehlte ihm die Zeit. "Ich habe ein paar Geschichten im Kopf", verrät er immerhin. Seine Arbeit fließe dabei natürlich ein, allerdings nicht aus den in der Öffentlichkeit oft bekannten Fällen. Die seien wissenschaftlich oft gar nicht so spannend, sagt er.

Eintracht statt Fernsehen

Mit den zahllosen TV-Krimiserien kann Verhoff - von der gelegentlichen wissenschaftlichen Unterstützung mal abgesehen - nicht viel anfangen. "Ich schaue kein Fernsehen", sagt der Wissenschaftler. Daher ist ihm auch der wohl bekannteste TV-Rechtsmediziner, der von Jan Josef Liefers verkörperte Professor Karl-Friedrich Boerne im Münsteraner "Tatort", nicht näher vertraut.

Stattdessen entflieht Verhoff lieber am Samstag seinem Schreibtisch und fährt vom Institut mit der Straßenbahn einige Stationen weiter, um ein Bundesligaspiel der Eintracht zu sehen. Auch das kann ja mal zu einer Art Krimi werden.

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