Der müde Tod
Fritz Langs tauchte die Szenen seines Films "Der müde Tod" nach expressionistischer Manier in knallige Farben. Bild © Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung (Wiesbaden)

Rund 80 Jahre lang konnten Filmfreunde Fritz Langs "Der müde Tod" nur schwarz-weiß sehen. Dabei hatte der Meisterregisseur dieses Werk betont farbig gestaltet. Die Murnau-Stiftung hat nun die Originalfassung restauriert. Premiere ist am Freitag auf der Berlinale.

Die Restauratoren der Wiesbadener Murnau-Stiftung haben Fritz Langs berühmtesten Film "Metropolis" zu möglichst originalgetreuer Pracht verholfen. Sie haben sein zweiteiliges Epos "Die Nibelungen" in jahrelanger Kleinarbeit so gut wie möglich wiederhergestellt. Nun lassen sie mit "Der müde Tod" einen weiteren seiner Stummfilme aus den 1920er Jahren in buchstäblich neuem Licht erscheinen.

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Im Kino und im TV

Die restaurierte und wieder eingefärbte Fassung von Fritz Langs "Der müde Tod" feiert Premiere auf der Berlinale in der Reihe "Classics" am 12. Februar, 17 Uhr, und 18. Februar, 14 Uhr, sowie im Fernsehsender Arte am 15. Februar, 23.55 Uhr.

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Der Film aus Langs Frühwerk lag bislang mehr schlecht als recht erhalten vor und lediglich in Schwarz-Weiß-Kopien. 1921 kam die Geschichte einer jungen Frau, die ihren verstorbenen Geliebten aus dem Reich des Todes zurückholen möchte, freilich bunt in die Kinos - lange vor der Erfindung des Farbfilms. Der Regisseur hatte die Schwarz-Weiß-Bilder mittels Virage oder Tonung eingefärbt (zum genauen Verfahren siehe das "Lexikon der Filmbegriffe").

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"Der müde Tod" in der restaurierten Fassung der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung leuchtet nun wieder in den alten Farben. Seit den 1920er, 1930er Jahren konnte niemand mehr den Film so sehen. Manche Szenen des Films sind in leuchtendem Orange gehalten, andere in Gelb, Nachtszenen in Blau, die Schlusssbilder vom brennenden Siechenhaus in Rot. Expressionismus pur.

Zugleich, erläutert die Restauratorin Anke Wilkening von der Murnau-Stiftung, gliederten die Färbungen den Film: "Dadurch wird man die Tageszeiten nun endlich wieder nachvollziehen können. Sie spielen für die Struktur des Films eine große Rolle, da sie in den Versen aufgegriffen werden."

Nachtszenen waren nicht erkennbar

Anke Wilkening
Anke Wilkening von der Murnau-Stiftung in Wiesbaden leitete die Restaurierung des Fritz-Lang-Klassikers. Bild © Uwe Dettmar

So findet die Suche nach dem Geliebten in der Nacht statt. In den Schwarz-Weiß-Kopien wirkten die - mangels technischer Möglichkeiten damals bei Tag gedrehten - Nachtaufnahmen aber viel zu hell. Entsprechend werden die Szenen nun in blau viragierten Bildern gezeigt. "Diese Färbung war ein wesentlicher Bestandteil der Filmsprache: Es wurden dramatische Akzente gesetzt", erläutert Wilkening.

Im Zuge der Recherchen für die Restaurierung wurden auch einige der fehlenden Zwischentitel gefunden. Sie wurden wieder zwischen die Spielszenen montiert. Manche jedoch sind nach wie vor verschollen.

Weltumspannende Puzzlearbeit

Das Team der Murnau-Stiftung arbeitete von der Recherche bis zur Fertigstellung rund ein Jahr an der Restaurierung. Als hilfreich erwiesen sich frühe Kopien aus dem Bestand der Cinémathèque de Toulouse und des Museum of Modern Art in New York. Weitere Quellen zur Abfolge der Episoden im Film und zum Verfahren der Einfärbung fanden die Filmfachleute in Prag, Brüssel und beim Gosfilmofond of Russia in Moskau.

Eine Restaurierung eines solch frühen Films ist schließlich immer auch eine weltumspannende Puzzlearbeit. Die daraus entstandene digitale Fassung nutzt heutigen und kommenden Generationen, wie Restauratorin Anke Wilkening sagt: Die in den 1990er Jahren entstandene Überarbeitung genüge mangels ausreichender Auflösung für Fernsehen, Kino und BluRay nicht mehr. Und vor allem: Sie ist bloß schwarz-weiß.

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