Grimmwelt
Stimmen, die aus den Lautsprechern in der Dornröschenhecke tönen, sorgen für einen wohligen Gruseleffekt. Bild © picture-alliance/dpa

Schimpfwörter tauschen, durch Dornenhecken gehen und Originalschriften bestaunen: Die Grimmwelt in Kassel hat in ihrem ersten Jahr doppelt so viele Besucher wie erhofft angezogen. Und im kommenden Jahr soll sie ein Spielort der documenta werden.

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Fast 160.000 Besucher haben die Grimmwelt im ersten Jahr besucht. Das ist ein Grund zur Freude, die Zielvorgabe war gerade mal halb so groß. "Wir werden unsere Zielvorgabe nun erhöhen auf 100.000 Besucher pro Kalenderjahr", sagte Grimmwelt-Geschäftsführerin Susanne Völker am Montag zu hessenschau.de. Man wolle realistisch bleiben, vielleicht habe ja auch die Anfangsneugier im ersten Jahr die Zahlen so hochschnellen lassen. Kassels Oberbürgermeister und Kulturdezernent Bertram Hilgen (SPD) verriet zum Geburtstag, dass die Grimmwelt auch ein Spielort für die documenta 14 im kommenden Jahr sein soll, Details dazu gab er allerdings nicht preis.

Künftig noch mehr auf Kinder eingehen

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Tatsache ist, dass das Museum sehr gut angenommen wird. "Sowohl die Architektur als auch die Ausstellung an sich sorgen für viel Begeisterung. Unser Gästebuch ist zu drei Vierteln mit positiven Kommentaren gefüllt", so die Geschäftsführerin.

Grimmwelt Kassel
Hexenhaus Bild © Grimmwelt Kassel, Nikolaus Frank

Und das andere Viertel? Was ist die Kritik? "Manchen ist die Ausstellung nicht wissenschaftlich genug, den anderen zu wissenschaftlich. Manchen ist es zu modern, den anderen nicht modern genug. Das ist sehr vielschichtig", sagte Völker. Häufiger werde allerdings angesprochen, dass die Ausstellung für Kinder nicht ansprechend genug sei. Die Kritik ist angekommen: So wird es demnächst beispielsweise einen Rundgang extra für Kinder geben. Die "Weltreise" führt Kinder mit einem Quiz und einem "Reisepass" durch die Ausstellung. "Das macht sicher auch dem einen oder anderen Erwachsenen Spaß", ist Völker überzeugt.

Museums-App in zehn Sprachen bedient internationale Gäste

Offenbar nutzen auch viele Menschen, die sich real auf Reisen befinden, das Angebot der Grimmwelt. Von den 160.000 Besuchern kamen rund die Hälfte aus Kassel und Umgebung, ein Viertel aus dem Rest Deutschlands und ein Viertel aus dem Ausland.

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BESUCHERINFORMATION:
Grimmwelt Kassel
Weinbergstraße 21, Kassel
Öffnungszeiten: Di-So 10-18 Uhr, Fr 10-20 Uhr
Eintritt: Erwachsene 8 Euro, ermäßigt 6 Euro, Kinder bis 6 Jahren frei

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Wie kommen die klar, in einer Ausstellung, die sich hauptsächlich mit Sprache beschäftigt, und zwar mit der deutschen? "Die Ausstellung ist insgesamt zweisprachig Deutsch und Englisch. Und es gibt eine App, die insgesamt zehn weitere Sprachen anbietet, außerdem eine Präsentation in einfacher Sprache und eine Führung in Gebärdensprache."

Schimpfworte und Originalschriften fesseln viele Besucher

Grimmwelt Kassel
Weltdokumentenerbe Kinder- und Hausmärchen Bild © Grimmwelt Kassel, Nikolaus Frank

Als ein Highlight für nationale wie internationale Besucher haben sich die Handexemplare der Kinder- und Hausmärchen entpuppt, die zum Unesco-Weltdokumentenerbe zählen. Auch Rumpelstilzchen in 23 Sprachen und fünf Dialekten fesselt offenbar die Besucher. "Das schauen sich viele tatsächlich vom Anfang bis zum Ende an", berichtet Völker.

Und auch das Fluchen scheint vielen Besuchern zu gefallen: Die Schimpfwort-Tauschmaschine fordert die Gäste auf, ein Schimpfwort zu rufen und ruft prompt ein zweihundert Jahre altes Schmähwort aus dem Deutschen Wörterbuch der Grimms zurück. So geht etwa "Lügenpresse" rein und raus kommt "Sackesel". "Diese Station sorgt immer für viel Heiterkeit."

"Mehr als nur Märchenonkel"

Grimmwelt Kassel
"Spieglein, Spieglein an der Wand ..."-Installation zum Märchen Schneewittchen Bild © Grimmwelt Kassel, Nikolaus Frank

Die Grimmwelt ist kein Erlebnismuseum in eigentlichen Sinn und es geht bei weitem nicht nur um Hänsel und Gretel und die anderen Märchen. Es gibt zwar auch einen interaktiven Bereich. Hier sind es Bilder und Installationen, eine begehbare Dornenhecke, ein sprechender Spiegel oder das Hänsel-und-Gretel-Häuschen, die den Besucher unterhalten. "Die Grimms waren aber viel mehr als nur Märchenonkel", so Völker.

Und so liegt der Schwerpunkt des Museums auf den Brüdern als Wissenschaftler. Sie galten schon zu Lebzeiten als große Sprachgelehrte und werden heute als Begründer der Germanistik verehrt. Auch politisch waren sie sehr engagiert. Es geht um Sprache, zeigt die Grimms als akribische Sammler von Wörtern, die das Deutsche Wörterbuch "erfunden" haben. Künftig will das Museum noch stärker auf die Bandbreite des Grimmschen Schaffens aufmerksam machen. Im November soll die dritte Sonderausstellung eröffnet werden. "Es wird etwas für die ganze Familie und märchenhaft", verspricht Völker.

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