Das Graffiti im Osthafen zeigt den toten Aylan
Das Graffiti im Osthafen zeigt den toten Aylan Bild © picture-alliance/dpa

Für die einen ist es Kunst, die aufwühlt, für die anderen einfach nur geschmacklos: Das riesige Graffiti-Bild am Frankfurter Osthafen, das einen toten Flüchtlingsjungen zeigt, sorgt unter den hessenschau.de-Nutzern für Diskussionen.

In den sozialen Netzwerken Facebook und Twitter wird derzeit kontrovers über das Streetart-Graffiti des toten Aylan, dessen Bild Millionen Menschen auf der Welt berührte, diskutiert.

Geschmacklos sei es, finden viele der Kommentatoren, die den hessenschau.de-Beitrag auf Facebook kommentieren. Tanja Kandler etwa schreibt: "Das hat mit 'Kunst' nix zu tun... einfach nur geschmacklos, makaber, unseriös, unsensibel und pietätlos! Es war damals schon unfassbar, dieses Bild überhaupt in den Medien zu zeigen!"

Makaber und unsensibel

Andere Nutzer werfen den Künstlern vor, das Schicksal des Jungen lediglich zur eigenen Profilierung auszuschlachten oder zweifeln am künstlerischen Wert. "Ka So" findet, dass gut gemeint noch lange nicht gut gemacht sei: "Die Intention der Künstler ist sicher ehrenwert und als solche zu würdigen. Aber als Kunstwerk ist das Wandbild doch eher dünn (…) schaut man im Web nach, findet man zahlreiche solcher Wandbilder des toten Jungen. Was den Jungen durch die Massenhaftigkeit der Darstellung fast schon zur makabren Kitsch-Ikone macht."

Kunst, die funktioniert

Da das Graffiti zum Nachdenken anrege, sei es gelungen, meinen andere Nutzer. Damit hätten die Künstler ihr Ziel erreicht. Diese wollten mit ihrer Aktion bezwecken, dass das Schicksal des Jungen und seiner Leidensgenossen nicht in Vergessenheit gerät. Nutzer "brogan astrup" kommentiert bei Twitter: "Kunst, die oeffentlich das Grenzregime zeigt, welches Menschen toetet, kann nicht pietaetlos sein".

Hanno Braun schließlich fasst die Diskussion so zusammen: "Schön, dass die Kunst funktioniert! Das Lernergebnis der einzelnen Rezipienten ist sehr unterschiedlich... aber... für die Diskussion hilfreich. Danke."

"Europa tot - Der Tod und das Geld"

Geschaffen wurde das Kunstwerk von den beiden Graffiti-Künstlern Justus Becker und Oguz Sen. Riesengroß sprühten sie das Bild des toten Aylan an eine Mauer an der Osthafenmole, unweit der Europäischen Zentralbank (EZB). "Europa tot - Der Tod und das Geld" heißt ihr Werk.

"Das Bild hat mich halt sehr bewegt", erklärt Becker seine Wahl des Motivs. "Und ich dachte, es wäre wichtig, das auch mal hierher zu bringen. Weil es die Leute ja erst interessiert, wenn es vor ihrer eigenen Haustür passiert."

Ihre Kommentare Was halten Sie vom Graffiti des toten Aylan?

49 Kommentare

  • Ich finde es gut!
    Vor allem provokant, es zeigt die fehlende Verantwortung des Westens, diese humanitäre Katstrophe ab zu wenden!
    Es ist ein Zeichen für die fehlende Humanität, für die, die den Frieden und die Freiheit suchen, um Leben zu können. wie andere auch, dieses Kind, steht stellvertretend für die, die im Mittelmeer ihr Leben gelassen haben! Weil Krieg und missbrauch von Macht, diese Menschen aus ihrem angestammten Lebensraum verlassen mussten.Was geschieht in der Zukunft wenn 100 Millionen Menschen, aus klimatischen Gründen Afrika verlassen müssen?

  • Ein großes Lob an die Künstler. Mit äuberst unfreundlichen Grüßen an Mario Draghi. Ich hoffe er sieht es jeden Tag, am besten den ganzen Tag

  • Nicht das Graffito ist geschmacklos, unanständig und unsensibel, sondern die maßgeblich von Deutschland mitverantwortete Grenzpolitik, die solche erschütternden Ereignisse und deren Bilder produziert! Da die Mehrheit der Bevölkerung Parteien wählt, die dieses mörderische System aktiv ausbauen, ist es richtig, dem "Souverän" die Folgen seiner Wahl auf unbequeme Weise deutlich zu machen. Nicht nur "die Politiker" von CDUSPDCSUGRÜNENFDPAFD tragen für den grausigen Tod tausender Flüchtlinge die Mitverantwortung - ihre Wählerinnen und Wähler tragen sie auch. Klar, dass das manchem Stammtisch-Empörer unangenehm ist, wenn darauf hingewiesen wird.
    Der schreckliche Tod von Aylan geht auf politische Entscheidungen in Berlin und Brüssel zurück - und die sind veränderbar! Sie müssen dringend geändert werden, damit Aylan wenigstens nicht völlig umsonst gestorben ist, sondern sein Tod eine Wende zu einer humanen, mitmenschlichen und verantwortungsbewussten Politik wird!

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