"Rahmenbau" am Friedrichsplatz in Kassel
Saehrendt ermittelt: Der "Rahmenbau" in Kassel Bild © hr

"Rahmenbau" - so heißt ein Überbleibsel der documenta 6 in Kassel. Ein riesiger Stahlrahmen am Friedrichsplatz rahmt ein Stück Landschaft ein. Ist das noch Kunst - oder kann das weg? Kunstermittler Saehrendt hat genau hingeschaut.

Zum offiziellen Programm der documenta 6 gehörte 1977 "Landschaft im Dia" der inzwischen aufgelösten österreichischen Architekten- und Künstlergruppe Haus-Rucker-Co. Die Stahlkonstruktion des Kunstwerks wurde auf dem Friedrichsplatz errichtet und sollte den Ausblick vom Friedrichsplatz in die Ferne einrahmen.

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Der Kritiker bevorzugt Goldrahmen

Kunstkritiker Christian Saehrendt hat eine klare Haltung zu dem Werk. "Eine nennenswerte Botschaft kann ich in dem Blechrahmen nicht erkennen". Wenn man schon ein Stück Natur einrahmen wolle, um zu zeigen, dass es etwas besonderes ist, dann böte sich doch besser ein Goldrahmen an.

"Mir wäre es lieber, der Rahmen wäre weg und ich hätte freie Sicht auf die Landschaft", so Saehrendt. Sein Urteil ist klar: "Der 'Rahmenbau' ist Schrott - bitte wegräumen."

Experte Christian Saehrendt

Christian Saehrendt
Christian Saehrendt Bild © hr

Der 1968 in Kassel geborene Kunstkritiker und Publizist Christian Saehrendt hat Freie Kunst, Neueste Geschichte und Europäische Kunstgeschichte in Hamburg, Berlin und Heidelberg studiert. 2002 promovierte er über den Expressionisten Ernst Ludwig Kirchner. Seit 2003 hat er mehrere (populär-) wissenschaftliche Monografien veröffentlicht, die er teilweise in Zusammenarbeit mit dem Autor und Kreativdirektor Steen T. Kittl verfasst hat. Zuletzt rechneten beide in "Ist das Kunst oder kann das weg? Vom wahren Wert der Kunst" (DuMont, 2016) mit dem Kunstbetrieb ab.

Vorsicht Kunstermittlung
Vorsicht Kunstermittlung Bild © hr

Jeder kennt sie, die kuriosen – und häufig sehr amüsanten – Geschichten von Kunstwerken, die nicht als solche erkannt und so zum Opfer übereifriger Putzkräfte wurden. Joseph Beuys‘ berühmt berüchtigte "Fettecke" ist sicherlich das prominenteste Beispiel dafür, was passieren kann, wenn Künstler mit ihren Werken anecken.

Frei nach dem Motto "Ist das Kunst oder kann das weg?" begibt sich der Kunstermittler im hr-fernsehen in "hauptsache kultur" auf die Suche nach Kunstwerken im öffentlichen Raum, die kaum noch als solche wahrgenommen werden. Sie sind teilweise seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil des Stadtbilds und gelten mancherorts als Kuriosum, andernorts als Markenzeichen – und werden doch manchmal übersehen.

Saehrendt hat eine klare Haltung zu diesen Werken. Manche findet er gut, andere Wünscht er direkt auf den Müll.

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1 Kommentar

  • Es gibt echt hässlichere Kunstwerke. Und im Gegensatz zu Fettflecken wird es auch nicht ranzig. Ob es dem Leben huldigt, könnte ich nicht unbedingt interpretieren. Das mag stimmen. Ohne diesen Titel würde ich wohl eher auf "des Pudels Kern" oder "Harter Kern mit weicher Schale" kommen. :-) Ist wahrscheinlich sogar stimmungsabhängig. Ob ein Kunstwerk schmeichelt oder Augenkrebs verursacht, liegt aber doch eher im Geschmack des Betrachters. Und ich finde es ausgesprochen überheblich, wenn jemand sich zum Experten aufschwingt, der selbst nur eingeschränkt kreativ tätig ist - aber gerne alles andere aburteilt. Ich finde, das Kunst zu wenig den Weg zum Menschen findet - weil es vielen Menschen vorenthalten bleibt. Warum ein solches Kunstwerk nicht mal an Orte verlagern, wo man Kunst nicht überdrüssig geworden ist. Idee: Den Plattenbau mal saniert und hübsch im Vorgarten ein Kunstwerk. Oder bleibt Kunst und deren Beurteilung nur dem Geldadel und Bildungseliten vorbehalten. Kunst als Konsum?

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