Nächtlicher Wald bei Gedern
Nicht jeder Waldspaziergang endet friedlich - auf jeden Fall für ein Ehepaar am Hoherodskopf. Bild © picture-alliance/dpa

Kennen Sie Oberhessen? Falls nicht, bietet Bernd Köstering mit seinen launigen Kurzkrimis dazu Gelegenheit: elf Orte, elf Morde. Die Geschichtensammlung ist auch ein Reiseführer mit vielen Freizeittipps.

Leser lieben Kriminalgeschichten. Noch größer ist ihr Interesse, wenn - wohlgemerkt fiktive - Verbrecher in ihrer eigenen Heimatregion wüten. Entsprechend gut laufen bei hessischen Lesern Romane, die in Hessen spielen. In einer losen Serie stellt hessenschau.de aktuelle Krimis mit regionalem Bezug vor.

Der Inhalt:

Was ist überhaupt Oberhessen? Da gebe es viele Definitionen, sagt Bernd Köstering: "Da ich in Gießen aufgewachsen bin, zur Schule gegangen und dort studiert habe, habe ich einfach Orte, die in meiner Jugend eine wichtige Rolle gespielt haben wie zum Beispiel Wetzlar und Marburg, mit reingenommen, obwohl viele sagen würden, na ja, ob das zu Oberhessen gehört, großes Fragezeichen."

Und so lässt Köstering seine Kurzkrimis in vielen Orten spielen, darunter Friedberg, Bad Nauheim, Gedern und Bad Salzhausen (alle Wetterau). Das Markenzeichen all seiner Geschichten beschreibt er so: "Ich habe versucht, die hessische Lebensart mit reinzubringen."

Videobeitrag

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zum Video Bernd Köstering liest aus "Mörderisches Oberhessen"

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Das zeigt sich zum Beispiel an einem mysteriösen Todesfall: In den lauschigen Tälern des Vogelsberg kommt doch tatsächlich einer ums Leben wegen eines Rezepts. Für "Beulches und Spitzbouwe", eine Spezialität der Region, deren Zutaten so geheimgehalten werden wie das Erfolgsrezept eines Sternekochs. Doch ging es wirklich darum?

Buchcover
Bild © Gmeiner Verlag

In der Büdinger Geschichte kampiert eine Familie aus Kirgisistan vor dem Jerusalemer Tor, sehr zum Missfallen der "Bürger für Büdingen", die da gleich "den Anfängen wehren" wollen. Diese Fremden haben sogar vor, am Büdinger Triathlon teilzunehmen, eine Vorstellung, die Missfallen erregt. Eines Tages ist die Familie einfach weg, geblieben ist nur ein Brief an den Vorsitzenden der "Bürger für Büdingen". Und der bekommt eine derbe Lektion zu spüren.

Diese Geschichte lehnt sich an einen realen Vorfall an, wie Köstering sagt: "Ich habe einen Zeitungsartikel gefunden: Da haben sich Büdinger Bürger darüber beschwert, dass ein Flüchtling an ihrem Marathon, an ihrem Marathon!!!, teilnehmen wollte. So ist dann die Büdinger Geschichte entstanden."

Weitere Informationen

Maislabyrinth und Lesung

Maislabyrinth:
Lindenhof
Familie Weisel
Zum Stock 2
35423 Lich-Eberstadt

Bernd Köstering liest aus "Mörderisches Oberhessen"
Samstag, 15.07.2017, 20 Uhr

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Verbunden mit einem ungewöhnlichen Freizeittipp ist die Geschichte aus Lich, in der Anatomie-Studenten aus Marburg eine Aufgabe lösen müssen: Plastikknochen finden, die ihr Professor zuvor vergraben hat. Aber sie finden mehr als nur das, und das ist gruselig. Der Ort: ein Maislabyrinth. Das gibt es wirklich: alle zwei Jahre auf dem Lindenhof der Familie Meisel in Lich-Eberstadt.

Kurzkritik:

Das Konzept des Kurzgeschichten-Bandes überzeugt. Nicht nur Mord und Totschlag werden hier kurz und kurzweilig serviert, sondern auch 125 Freizeittipps für die Region, liebevoll vom Autor ausgesucht und beschrieben. "Mörderisches Oberhessen" gehört zu einer Reihe des Gmeiner Verlags: "Das Konzept ist, eine Region auf eine ganz andere Art zu entdecken", informiert Verlagssprecherin Petra Wendler. Das funktioniert. 

Der Autor:

Bernd Köstering ist 1954 im thüringischen Weimar geboren und in Gießen aufgewachsen. Er ist von Haus aus Medizintechnik-Ingenieur und arbeitet im Bereich der Ultraschalldiagnostik. Zum Schreiben kam er durch eine Herzoperation im Jahr 2005: "Ich bin auf der Intensivstation wieder aufgewacht", sagt er. "Ich dachte: Jetzt wird es Zeit, dir zu überlegen, ob du noch irgendetwas auf der Platte hast, was du schon immer mal machen wolltest. Und wenn ja, dann mach das jetzt."

Bernd Köstering
Bernd Köstering auf der Leipziger Buchmesse 2017 Bild © Laura Rodriguez

Gesagt, getan: Noch während der Reha fing er an zu schreiben. Dann dauerte es noch ein bisschen, bis er am letzten Buchmesse-Tag in Frankfurt sich getraute, den Gmeiner-Verlag anzusprechen. Und der zeigte Interesse. Mittlerweile hat Köstering acht Bücher bei Gmeiner veröffentlicht, davon drei Krimis, die in seiner Geburtsstadt Weimar spielen und in denen Stücke von Goethe eine entscheidende Rolle spielen.

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