Historische Ansicht der Frankfurter Zeil um 1905
Blick auf den Tatort: Die Frankfurter Zeil in einer Aufnahme von 1905 Bild © picture-alliance/dpa

Bittere Not neben Luxus, Kinderhandel, ruppige Polizisten und das Ringen von Frauen um Anerkennung: In einer Neuauflage schildert Nikola Hahn einen historischen Mord und das Leben in der Frankfurter Altstadt um 1900.

Leser lieben Kriminalgeschichten. Noch größer ist ihr Interesse, wenn - wohlgemerkt fiktive - Verbrecher in ihrer eigenen Heimatregion wüten. Entsprechend gut laufen bei hessischen Lesern Romane, die in Hessen spielen. In einer losen Serie stellt hessenschau.de aktuelle Krimis mit regionalem Bezug vor.

Die Geschichte:

Am 26. Februar 1904 wird am helllichten Tag der Frankfurter Klavierfabrikant Hermann Lichtenstein in seinem Geschäft auf der Zeil erschlagen. Ein Raubmord, "der mit frechster Verwegenheit im belebtesten Teil der Stadt zur Zeit des stärksten Verkehrs verübt worden ist", wie die Frankfurter Zeitung berichtet. Polizeirat Burkhard Franck ist zutiefst besorgt, denn Lichtenstein war ein prominentes Mitglied der Frankfurter Stadtgesellschaft. Der reale historische Fall ist hier aber nur ein Handlungsstrang.

Nikola Hahn "Die Farbe von Kristall" Cover
Bild © Thoni-Verlag

Zur gleichen Zeit beginnt die junge Laura Rothe ihren Dienst als Polizeiassistentin bei der Sittenpolizei. Sie gerät an einen Vorgesetzten, der bereits morgens betrunken ist und die Meinung des Polizeirats teilt: "… dass die schmutzigen Dinge, mit denen wir uns von Berufs wegen täglich befassen müssen, der weiblichen Natur ganz und gar zuwiderlaufen." Laura, die zuvor als Krankenpflegerin gearbeitet hat, weiß freilich, dass Frauen in städtischen Krankenhäusern täglich in Schmutz und Elend arbeiten, ohne dass ein Mann daran Anstoß nähme. Sie kommt in ihrem neuen Beruf auch mit Kinderhandel in Berührung: Kinder werden über Zeitungsannoncen angeboten und gesucht.

Zurück zum Mord: Bald sind die Tatverdächtigen gefunden. Beschuldigt werden der 27-jährige Metzger Oskar Bruno Groß und der zwei Jahre jüngere Pferdeknecht August Heinrich Friedrich Stafforst. Beide werden am 19. Mai 1904 zum Tode verurteilt.

Kurzkritik:

"Die Farbe von Kristall" ist ein sorgfältig recherchierter Krimi, der neben der Mordgeschichte die Lebensbedingungen von Arm und Reich, von rechtschaffenen Bürgern und in allen Schichten zu findenden Kriminellen um 1900 sehr lebendig darstellt. Nikola Hahn hat ein verzwicktes Panorama mit vielen Figuren und Fällen entworfen. Man liest einen spannenden und gleichzeitig sehr lehrreichen Krimi.

Die Erstausgabe erschien bereits 2002. Die neue Version hat Nikola Hahn mit Zitaten aus der damaligen Frankfurter Zeitung, aus Originalbriefen und anderen Dokumenten angereichert. Bilder des alten Frankfurts runden das schön gestaltete, zweispaltig gesetzte Buch ab.

Die Autorin:

Nikola Hahn
Kommissarin, Autorin und Verlegerin Nikola Hahn Bild © privat

Nikola Hahn ist vom Fach: Seit 1984 gehört sie der hessischen Polizei an. Jahrelang arbeitete sie in der Mordkommission, heute ist sie unter anderm in der Fortbildung der hessischen Schutz- und Kriminalpolizei tätig. Daneben ließ sie sich in belletristischem und journalistischem Schreiben ausbilden. Sie arbeitete mehrere Jahre als Lokaljournalistin und in der Redaktion der Hessischen Polizeirundschau. Bevor sie ihren eigenen Thoni-Verlag gründete, hatte sie drei Romane in Publikumsverlagen veröffentlicht, die eine Gesamtauflage von mehr als 350.000 Exemplaren erreichten.

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