Lichter Filmfest
Szene aus Sung-Hyung Chos Film "Meine Brüder und Schwestern im Norden". Bild © Kundschafter Filmproduktion

Was tut sich im hessischen Film? Darauf blickt ab Dienstag das Lichter Filmfest in Frankfurt. Schwerpunktthema sind Grenzen - gleich am Eröffnungsabend werden die nach Nordkorea überwunden. Festivaldirektor Schubert erklärt, warum er um diesen Film wie ein Löwe gekämpft hat.

Am Dienstagabend beginnt das 9. Lichter Filmfest in Frankfurt mit der Weltpremiere von Sung-Hyung Chos Nordkorea-Porträt "Meine Brüder und Schwestern im Norden". Als erste Südkoreanerin überhaupt durfte die in Usingen (Hochtaunus) lebende Filmemacherin in dem abgeschotteten Staat drehen.

Das Festival wirbt in seinem regionalen Programm mit zwei weiteren Weltpremieren: Thomas Carlés Dokumentation über das Sterben seiner eigenen Eltern ("Lisbeths letzte Reise") und Lilo Mangelsdorffs Film "Unterwegs in der Musik" über die Darmstädter Komponistin Barbara Heller. Das internationale Programm hat in diesem Jahr den Schwerpunkt Grenzen, von den 13 Filmen laufen vier zum ersten Mal in Deutschland. Zum Thema wird es auch Vorträge und einen interdisziplinären Kongress geben.

Weitere Informationen

Programm

25 Filme von hessischen Regisseuren oder aus hessischer (Ko-)Produktion laufen beim 9. Lichter-Festival, 29. März bis 3. April. Dazu kommen Kurzfilme sowie 13 internationale Filme und ein umfangreiches Begleitprogramm zum diesjährigen Schwerpunktthema Grenzen. Zum genauen Programm geht's hier. Die Schirmherrschaft hat dieses Mal Regisseur Edgar Reitz ("Heimat") übernommen. In der Preisjury sitzt neben anderen Schauspieler Stipe Erceg.

Ende der weiteren Informationen

hessenschau.de: Herr Schubert, der diesjährige Lichter-Eröffnungsfilm verspricht einen einmaligen Blick nach Nordkorea. Warum zeigt ihn Sung-Hyung Cho ausgerechnet in Frankfurt?

Gregor Maria Schubert: Es war nicht leicht, die Weltpremiere von "Meine Brüder und Schwestern im Norden" zu bekommen. Ich habe um ihn auch echt gekämpft wie ein Löwe. Zugute kam uns, dass er von der Berlinale abgelehnt wurde. Der Film passt wunderbar zu Lichter: Er hat allen, die ihn bisher gesehen haben, super gefallen und schlägt toll die Brücke zwischen unserer regionalen Werkschau und dem internationalen Programm. Außerdem liefen bei uns schon einige Filme von Sung-Hyung Cho. Mit "Endstation der Sehnsüchte" gewann sie auch schon mal den Lichter-Wettbewerb.

hessenschau.de: Auf welchen Film freuen Sie sich persönlich?

Schubert: Auf "Lotte", das Debüt von Julius Schultheiß. Der Regisseur kommt aus Marburg, hat in Kassel an der Kunsthochschule studiert und seinen Film rein privat finanziert: indem er seine Ersparnisse plünderte und den fehlenden Betrag per Crowdfunding auftrieb. "Lotte" war das Highlight in der Berlinale-Sektion Perspektive Deutsches Kino. Die Hauptrolle spielt Karin Hanczewski, eine der neuen "Tatort"-Kommissarinnen in Dresden.

hessenschau.de: Neu für Lichter ist - mal wieder - das Festivalzentrum. Sie waren schon im inzwischen abgerissenen Turmpalast, im Metropolis, im Cantate-Saal. Dieses Mal machen Sie halt im Künstlerhaus Mousonturm.

Schubert: Der Mousonturm hat sich schon beim Reflecta Filmfestival und beim japanischen Filmfestival Nippon bewährt. Wir haben dort eine große Leinwand und gute Technik, und eigentlich passt es für uns krass gut mit zwei Kinosälen, dem Festivalzentrum und Räumen für das Begleitprogramm unter einem Dach.

hessenschau.de: Können Sie nächstes Jahr wieder dort sein?

Lichter Filmfest
Lichter-Filmfest-Direktor Gregor Maria Schubert. Bild © Mara Monetti

Schubert: Das ist natürlich noch unklar. Aber es wird ein zehntes Lichter Filmfest geben im kommenden Jahr, das muss einfach sein. Leider stehen wir jedes Mal wieder vor der offenen Raumfrage. Wir fordern ja schon lange von der Stadt ein Festivalzentrum, vielleicht nicht nur für Filme, sondern für digitale Kultur allgemein. Aber das hat eher, wenn überhaupt, eine Perspektive 2030.

hessenschau.de: Streben Sie mehr als die 12.000 Besucher aus dem vergangenen Jahr an?

Schubert: Ich glaube nicht, dass wir das toppen können. Dieses Jahr haben wir zum Beispiel gar keine große Party. Dafür haben wir keinen passenden Ort gefunden.

hessenschau.de: Das internationale Programm zum Thema Grenzen hätten Sie nicht passender planen können.

Schubert: Das ist gar nicht wegen der Diskussion um Flüchtlinge entstanden. Wir haben seit zwei Jahren daran gearbeitet, aber auch schon damals gab es die Prognose, dass Kriege und Klimawandel Migrantenströme hervorbringen werden. Aber wir merken schon auch, dass der Schwerpunkt wegen der aktuellen Lage viel mehr Aufmerksamkeit erfährt als frühere Schwerpunkte. Wir wollen damit unseren Beitrag zur Debatte leisten so wie mit unserem monatlichen Kinoprogramm für Flüchtlinge im Galluszentrum.

Das könnte Sie auch interessieren

Zum Seitenanfang