Die Künstlerin Romana Menze-Kuhn mit ihrem Kunstwerk in der Mannheimer Philippuskirche
Die Künstlerin Romana Menze-Kuhn mit ihrem Kunstwerk in der Mannheimer Philippuskirche Bild © picture-alliance/dpa

Ist das Kunst - oder kann das weg? Die Putzfrau einer Ausstellung entschied sich für die Mülltonne. Die falsche Entscheidung. Die betroffene Eschborner Künstlerin reagierte entsetzt - und integrierte die Zerstörung kurzerhand in ihr Werk.

Zu bizarren Formen waren die goldfarbenen Rettungsfolien auf dem Fußboden der Mannheimer Philippuskirche gefaltet. Das muss weg, dachte sich wohl die Reinigungskraft und räumte gründlich auf. Teile des Kunstwerks landeten im Müll.

"Entsetzt und empört"

"Ich war entsetzt und empört", sagte die Eschborner Künstlerin Romana Menze-Kuhn am Mittwochabend zu hessenschau.de. Die Installation "Behausung 6/2016" ist seit Mitte Januar in der Kirche ausstellt. Bei der Arbeit geht es um Menschen in Not auf der Suche nach einer Unterkunft.

Ihr sei schnell klar gewesen, dass sich die Installation nicht reparieren ließ, sagte Menze-Kuhn. Deshalb habe sie die Mülltonne mit den abgerissenen Folien nun in ihr Werk integriert. "Damit ist eine neue Installation entstanden." Die Arbeit trägt jetzt den Namen 6a/2016.

"Ich finde das schon sehr respektlos"

Mehrere goldene Rettungsfolien in einer Kirche
So sah das Werk vor dem Eingreifen der Putzfrau aus. Bild © Romana Menze-Kuhn

Verstehen kann die Künstlerin den Vorfall nicht. Schließlich sei das Werk mit den auf dem Boden festgeklebten Folien als Einheit deutlich zu erkennen gewesen. Tatsächlich habe die Putzfrau zugegeben, dass sie schon ihre Schwierigkeiten bei der Beseitigung des Werks gehabt habe. "Ich finde das schon sehr respektlos. Man kann über Kunst denken wie man will, aber so etwas ist schon sehr empörend", so Menze-Kuhn.


Auch Pfarrer Gerd Frey-Seufert betonte, die Installation sei klar als Gesamtensemble zu erkennen gewesen. Die Reinigungsfirma sei informiert gewesen. Für die Putzfrau soll der Vorfall nach Frey-Seuferts Wunsch aber keine weiteren Folgen haben. "Das ist ihr peinlich genug."

Putzfrauen als Kunstzerstörer

Menze-Kuhn findet sich nun in einer Reihe mit namhaften Künstlern, deren Werke ebenfalls der Ignoranz zum Opfer fielen. Joseph Beuys traf es gleich zweimal: 1973 wurde eine mit Mullbinden und Heftpflaster versehene Badewanne in Leverkusen bei einem lustigen Abend zum Spülen von Gläsern missbraucht, und 1986 verschwand seine berühmte Fettecke in der Düsseldorfer Kunstakademie im Putzeimer des Hausmeisters. In einem Dortmunder Museum schrubbte 2011 eine Putzfrau eine Gummiwanne sauber und beschädigte damit ein Werk von Martin Kippenberger.

Keine Reinigungskolonne, sondern ein Unwetter zerstörte 2007 bei der Documenta in Kassel einen zwölf Meter hohen Turm des chinesischen Künstlers Ai Weiwei aus alten Türen und Fenstern. Der nahm es damals allerdings ganz entspannt und stellte fest: "Das ist besser als vorher."

Die Ausstellung in der Mannheimer Philippuskirche ist noch bis zum 14. Februar zu sehen.

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