Giacometti Nauman
Alberto Giacometti "Tète sur tige", 1947 und Bruce Nauman "Ten Heads Circle/ In and Out", 1990 (Ausschnitt) Bild © Katrin Kimpel (hr)

Gesucht und gefunden: Alberto Giacometti und Bruce Nauman, zwei weltberühmte Künstler, zwei Generationen - und jetzt gemeinsam in der Frankfurter Schirn. Eine Ausstellung, die zusammenbringt, was zunächst nicht zu passen scheint.

Giacometti und Nauman - wie passt das denn zusammen? Zwei verschiedene Generationen, der eine einer der bedeutendsten europäischen Bildhauer der klassischen Moderne, der andere ein Gegenwartskünstler, der mit seinem Werk die Grenzen des klassischen Skulpturbegriffs sprengt.

"Zwei plus zwei gleich sechs oder acht"

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Alberto Giacometti "Le Nez", Bruce Nauman "Raw War"

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In der Schirn in Frankfurt stehen sich also der Schweizer Alberto Giacometti (1901 – 1966) und der US-Amerikaner Bruce Nauman (*1941) gegenüber – und es macht "klick"! "Das ist für mich die absolute Königsklasse im Kuratieren, wenn man so etwas hinbekommt", so der neue Schirn-Direktor Philipp Demandt zu hessenschau.de. Genau dann werde es spannend, wenn man es schaffe, Dinge zusammenzubringen, die zunächst nicht zusammen zu passen scheinen. "Dann wird aus zwei plus zwei eben nicht vier, sondern sechs, oder sogar acht", so die Demandtsche Mathematik.

Die Idee für die Ausstellung geht noch auf den damaligen Schirn-Leiter Max Hollein zurück, der Anfang des Jahres als Direktor der Fine Arts Museums nach San Francisco gewechselt ist. Sein Erbe wird, bei der Langfristigkeit von Ausstellungsplanungen und -umsetzungen noch bis etwa 2019 in der Schirn zu sehen sein. "Ich erbe das gerne", so Demandt. Speziell die von Kuratorin Esther Schlicht entwickelte Giacometti-Nauman-Schau sei phantastisch. "Inzwischen, wenn ich das so sehe, finde ich es absolut nahe liegend, die Verbindung lag eigentlich auf der Hand."

Giacometti und Nauman werfen sich die Bälle zu

Die Ausstellung ist nach Themenbereichen aufgebaut: "Die Leere", "Figur und Raum", "Theater des Absurden", "Objekte der Begierde", "Malerei und Prozess", "Das Maß der Dinge" und "Körper und Fragment". Zu jedem dieser Themengebiete werden Werke der beiden Künstler gezeigt und räumlich wie inhaltlich aufeinander losgelassen. Und es scheint, dass sie tatsächlich eine Beziehung zueinander knüpfen, so als würden sie gemeinsame Sache machen, zusammen spielen oder sich die Bälle gegenseitig zuwerfen.

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Giacometti-Nauman

Zwei Künstler. eine Gegenüberstellung
28. Oktober 2016 bis 22. Januar 2017
Kuratorin: Esther Schlicht
Schirn Kunsthalle Frankfurt

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Tatsächlich haben Giacometti und Nauman sich nie getroffen, Nauman war 25 Jahre alt, als Giacometti starb. Auch hat sich der Jüngere nie explizit auf den Älteren bezogen, doch es gibt ganz offensichtlich zahlreiche Parallelen: Beide haben den Begriff der Plastik in ihrer Zeit revolutioniert, beide vertreten radikale künstlerische Positionen. Im Zentrum des Schaffens beider steht der Mensch, beide gelten als Einzelgänger, die aus einer selbst gewählten Isolation heraus arbeiten.

In der Gegenüberstellung sehen manche Werke Naumans sogar aus wie eine Neuinterpretation eines Giacometti-Motivs. "Aber wir wollen hier nicht Nauman als 'Nachfolger' Giacomettis stilisieren", so Demandt, "es ist einfach so, dass die Schlüsselbegriffe dazu einladen, diese beiden besonderen Künstler zu vergleichen".

Multimedial dazugedacht: Digitorial, Audio-Guide und Soundtrack

Zu der Ausstellung gibt es ein ausführliches multimediales Begleitprogramm. Besonders ein aufwändig produziertes Online-Digitorial gibt die Möglichkeit, einen tiefen Einblick in das Thema zu bekommen. Doch wie ist das gedacht? Erst die Ausstellung genießen, und dann zur Vertiefung das Digitorial "durcharbeiten"? Oder umgekehrt? "Ich persönlich nutze solche Angebote ja zur Nachbearbeitung einer Ausstellung. Aber eigentlich ist es anders herum gedacht: Zum Neugierigmachen und zur Einführung", so Schirn-Leiter Demandt.

Durch die Ausstellung vor Ort kann man sich entweder von einem Audio-Guide begleiten lassen, der von der Schauspielerin Eva Mattes gesprochen wird. Oder - und das ist neu - man wählt den Soundtrack zur Ausstellung. Musik von Arnold Schönberg, John Cage, den Bangels oder Moondog untermalen den Gang durch die Räume.

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