Städtische Bühnen in Frankfurt
Städtische Bühnen in Frankfurt Bild © picture-alliance/dpa

Geht es nicht ein bisschen billiger? Es geht, sagt ein Experte nach dem Kostenschock über die Sanierungspläne für die Städtischen Bühnen Frankfurts. Seine Variante wäre über 600 Millionen Euro günstiger.

Das 23 Seiten umfassende Papier von Hans-Erhard Haverkampf (SPD) dürfte für reichlich Stoff im Streit über die Sanierung der maroden Städtischen Bühnen in Frankfurt sorgen. Der Mann, der zwölf Jahre lang Baudezernent der Stadt war (1977 bis 1989), spricht sich darin nicht nur für den Erhalt des Theaterkomplexes am Willy-Brandt-Platz aus. Er kommt auch auf eine wesentlich kostengünstigere Lösung als die von der Stadt in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie.

Haverkampfs Gutachten ist ein Gegenentwurf zu der Studie, die drei Varianten vorschlägt: von einer Sanierung im laufenden Betrieb bis zu Abriss und Neubau. Alle drei Varianten sollen weit über 800 Millionen Euro kosten. hessenschau.de erklärt, was die unterschiedlichen Lösungen vorsehen.

Was schlägt Haverkampf vor?

Grundlage für sein Gutachten war die vor ein paar Jahren von der Stadtkämmerei geschätzten Sanierungskosten von rund 123 Millionen Euro. Haverkampf kommt zu dem Ergebnis, dass eine Sanierung der Theaterdoppelanlage aus dem Jahr 1963 während des laufenden Betriebs möglich ist. Kosten würde das demnach rund 234 Millionen Euro, wenn Risikoberechnung und Preissteigerung mit einfließen.

Für den Mehrbedarf an Raum für Technik und Verwaltung schlägt Haverkampf vor, diese Bereiche auszulagern. Die Technik könne in die Tiefgarage der städtischen Parkhausgesellschaft umziehen, wodurch ein Drittel der dortigen Parkplätze wegfielen. Für diese könnte Ersatz in umliegenden Gebäuden geschaffen werden.

Audiobeitrag
startbild-audio-buehnen-ffm

Sie können das Audio zur privaten Nutzung hier herunterladen oder im Systemplayer öffnen.

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Geht es nicht ein bisschen billiger?

Ende des Audiobeitrags

Die Theaterverwaltung könnte in das Gebäude des Regionalcenters der Nassauischen Heimstätte ausgelagert werden. Das Gebäude auf der Südseite gegenüber der Städtischen Bühne könnte gemietet oder gekauft werden. Eine Brücke sollte das Gebäude mit dem Theaterkomplex verbinden. Alternativ könnte die Verwaltung auch in freigewordene Technikräume und in einen Dachaufbau untergebracht werden. Probebühnen würde Haverkampf weiterhin ausgelagert belassen.

Den von der Machbarkeitsstudie vorgeschlagenen Neubau, in den unter anderem Technik und Verwaltung untergebracht werden könnten, lehnt Haverkampf ab. Als Grund nennt er, dass die Statik der unter dem Theaterkomplex verlaufenden U-Bahn-Schächte einem rund 100 Meter hohen Hochhaus nicht standhalten könne.

Was schlägt die Machbarkeitsstudie vor?

Die vor vier Jahren vom Kulturdezernat beauftragte Studie bewertet den aktuellen Zustand des Gebäudes und beinhaltet eine Nutzerbedarfsanalyse sowie drei kalkulierte Varianten zur Neugestaltung und Sanierung des Theaterkomplexes. Die Studie führt zudem eine Liste baulicher, technischer, sicherheitstechnischer, funktionaler und gestalterischer Mängel auf. Wie sehen die drei Lösungsvarianten aus?

Variante 1: Die Theaterdoppelanlage wird bei laufendem Betrieb saniert. Kosten: rund 868 Millionen Euro (inklusive Baukosten, Risikozuschlag und Preissteigerungen), die Dauer beträgt elf Jahre. Diese Variante wurde von den Städtischen Bühnen zunächst bevorzugt.

Variante 2: Während der Sanierungsarbeiten soll der Betrieb zum Teil ausgelagert werden. Diese Variante würde rund 848 Millionen Euro kosten und acht Jahre dauern.

Variante 3: Der letzte Vorschlag sieht Abriss und Neubau vor und veranschlagt dafür rund 888 Millionen Euro - bei einer Dauer von sechs Jahren. Voraussetzung hierfür ist, dass die Spielstätten ausgelagert werden. Vorgesehen ist ein Hochhaus, in dem Proberäume, Verwaltung und Technik untergebracht werden könnten. Laut Nutzerbedarfsanalyse wird für diese Bereiche mehr Raum benötigt.

Wie will die Stadt nun vorgehen?

Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) begrüßte Haverkampfs Gutachten als konstruktiven Vorschlag. Derzeit stehe jedoch die Prüfung der Machbarkeitsstudie im Vordergrund. Hartwig hatte sich für den Verbleib der Städtischen Bühnen am Willy-Brandt-Platz ausgesprochen. Sie plädierte zuletzt für einen Abriss und Neubau, allerdings wesentlich günstiger als in der Machbarkeitsstudie angesetzt. Unterstützt wird sie von Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), der die veranschlagten Kosten ebenfalls als überhöht kritisierte.

Baudezernent Jan Schneider (CDU) will Haverkampfs Gutachten prüfen lassen und in die weiteren Erwägungen mit einbeziehen, sagte sein Sprecher Carsten Bobe am Montag. "Vom Tisch wischen kann man diese Vorschläge nicht. Man muss danach schauen, welche sich umsetzen lassen und welche nicht", sagte Bobe. Die Prüfung der Machbarkeitsstudie sei auch noch im vollen Gange. Das Ziel sei, die darin genannten Kosten zu reduzieren. Schneider hatte zuletzt auch einen Neubau an einem anderen Ort ins Spiel gebracht.

Auch Planungsdezernent Mike Josef (SPD) kündigte an, Haverkampfs Vorschläge im Detail prüfen zu lassen. Er gab zu bedenken, dass in dem Gutachten der Brandschutz und die Versorgungsleitungen nicht ausreichend berücksichtigt worden seien. Die Feuerwehr hatte angekündigt, die Betriebserlaubnis für die Städtischen Bühnen zu entziehen, wenn der Brandschutz nicht bis 2021 erneuert wird. Dementsprechend ist dieses Datum auch als Baubeginn für die Sanierung oder Erneuerung vorgesehen.

Das könnte Sie auch interessieren