Filmteam am Set
Filmteam am Set: Hedi Kriegeskotte und Jörg Schüttauf als Honeckers, in der Mitte Regisseurin Franziska Meletzky Bild © Bella Halben

DDR-Flaggen auf dem Frankfurter Campus Westend, Erich und Margot Honecker auf einem Sofa in Erlensee - was nach einer verrückten Reise in die Ost-Vergangenheit aussah, waren Dreharbeiten zur neuen Kinokomödie "Vorwärts immer!". Im Herbst kommt die Satire in die Kinos.

Passanten im Westend reiben sich verwundert die Augen. Schwarz-rot-goldene Fahnen mit Hammer und Zirkel wehen vor dem IG-Farben-Haus. Eine Limousine fährt vor, Erich Honecker steigt aus. Erst bei näherem Hinsehen erkennt man, dass es sich in Wahrheit um den Schauspieler Jörg Schüttauf handelt.

Vom "Tatort" ins Zentralkomitee

In seinem neuesten Kinofilm spielt Schüttauf, der jahrelang als Kriminalhauptkommissar Friedrich Dellwo im hr-Tatort ermittelte, einen Schauspieler, der dem Ex-Staatschef der DDR verblüffend ähnlich sieht. "Vorwärts immer!" heißt die Komödie, in der Schüttauf als Ost-Berliner Theatermime Otto Wolf versucht, im Oktober 1989 den Schießbefehl in Leipzig zu stoppen.

Denn Wolfs Tochter Anne, gespielt von "Türkisch für Anfänger"-Star Josefine Preuß, befindet sich dort gerade auf einer Demonstration, um sich einen Westpass zu besorgen. Als Honecker verkleidet marschiert ihr Vater schnurstracks ins Zentralkomitee. Bei seinem Versuch, ein Blutbad zu verhindern, kommt er auch der echten Margot Honecker (Hedi Kriegskotte) näher.

DDR-Flair in Industriebrache Phrix in Hattersheim

"Vorwärts immer!" ist eine Produktion der Münchener Crazy Film in Koproduktion mit der ARD Degeto. Gedreht wurde die von Franziska Meletzky inszenierte Satire auf die letzten Tage der DDR nicht nur in Berlin und Bayern, sondern auch an verschiedenen Plätzen in Hessen. "Weil sie am ehesten die DDR 1989 wiedergeben konnten", begründet Produzent Philipp Weinges die Wahl der Drehorte.

Unter anderem hatte es den Location-Scouts die Architektur des imposanten IG-Farben-Hauses angetan. Fündig wurden sie aber auch im Frankfurter Ostpark sowie in Hattersheim. Die dortige Industriebrache Phrix schien den Machern besonders geeignet, das Flair der DDR Ende der 1980er Jahre zu reproduzieren. Einstellungen gab es außerdem in einem Studio in Hanau.

Hirschgeweihe und Schwarzweißfotos

Dreh- und Angelpunkt aber war das Wohnhaus der Honeckers. Das tatsächlich in der Waldsiedlung Wandlitz bei Berlin befindliche Gebäude wurde für den Film kurzerhand nach Erlensee (Main-Kinzig) verlegt. Dazu wurde ein Haus auf dem ehemaligen US-Fliegerhorst komplett umgestaltet, wie Weinges verrät.

Hirschgeweihe an der Wand, daneben Schwarzweiß-Fotos von Honecker auf der Jagd, dazu Tapeten, Gardinen und ein Mobiliar, das eher an die 1960er Jahre erinnert - für Darsteller und Crew wurde der Dreh zu einer Reise in die Vergangenheit.

Land gibt 600.000 Euro

Finanziert wurde der Film auch mit hessischen Geldern. Die landeseigene Hessen Invest Film fördert das Projekt mit 600.000 Euro. Die Dreharbeiten in Hessen nahmen insgesamt 16 Tage in Anspruch. Anfang dieser Woche fiel die letzte Klappe. Der Film geht nun in die Postproduktion und wird im Herbst in deutschen Kinos zu sehen sein.

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