Filmförderung
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Eine neue Film- und Medien GmbH soll Hessen als Filmland bekannter machen. Junge Talente haben es aber noch schwer, wenn sie hessische Geschichten weltweit erzählen wollen.

Filme machen kostet Geld. Viel Geld, das vor allem junge Nachwuchs-Filmemacher nicht haben. Jakob Zapf ist so ein Nachwuchstalent – sein Abschlussfilm, ein Kurzfilm mit dem Schauspieler Günther Lamprecht in der Hauptrolle war auf vielen Festivals von Hof bis Montreal zu sehen und wurde hoch gelobt. Die Idee für seinen ersten längeren Film hat der 32-jährige Friedberger auch schon – nur fehlt die Finanzierung.

Im Schnitt kostet so ein Erstlingswerk zwischen 600.000 und 900.000 Euro, schätzt Zapf. "Nur so kann der Nachwuchs ausprobieren, ob er in Industriezusammenhängen produzieren kann und ob er dafür geeignet ist, Budgets einzuhalten. Aber dafür muss auch ein Budget vorhanden sein."

Filmemacher
Jakob Zapf (re.) von neoPOL Film mit Schauspieler Günter Lamprecht. Bild © neoPOL Film

Ein ausreichendes Budget für den Nachwuchs fehlt in der hessischen Filmförderung – das kritisiert die "junge Generation hessischer Film". Ein Netzwerk von jungen Filmemachern, dem auch Zapf angehört. Auch Anja Henningsmeyer, Geschäftsführerin der hessischen Film- und Medienakademie, die den Nachwuchs unterstützt, vermisst eine langfristige Förderung. "Wir brauchen einen Fatih Akin von Hessen", sagt sie in Anspielung auf den Filmregisseur und Produzenten aus Hamburg.

Talente sollen nicht abwandern

Junge Talente langfristig fördern, das will auch der Filmproduzent Hans Joachim Mendig. Der Geschäftsführer der neuen hessischen Film und Medien GmbH - ausgestattet vom Land Hessen und dem Hessischen Rundfunk - will schon an den Hochschulen den Nachwuchs beraten und begleiten. Damit die Talente nicht – wie in der Vergangenheit häufig der Fall – aus Hessen abwandern. "Wir werden die Hochschulabsolventen finanziell bei ihren Abschlussfilmen unterstützen, aber auch mit Rat und Tat zur Seite stehen." Die GmbH bündelt alle Fördermittel des Landes und soll Hessen bundesweit als Filmland bekannter machen.

Schwierig nur: mehr Nachwuchsförderung bei gleich bleibendem Budget. Hessen ist bundesweit in der Filmförderung eher hinten dran. Die Summe von 6,7 Millionen Euro im Jahr ist zudem kein reiner Zuschuss - 5 Millionen davon sind Bankdarlehen für wirtschaftlich Erfolg versprechende Filme. Für Newcomer wie Filmemacher Zapf erscheint dieses Geld unerreichbar. "Weil man dafür einen Verleih haben muss, möglicherweise auch jemanden, der die Rechte des Films weltweit vertritt." Dies kann aus Sicht von Zapf ein unbekannter Nachwuchs-Filmemacher kaum leisten.

"Hessische Geschichten weltweit erzählen"

Bisher hätten von dem Bank-Darlehen vor allem große Produktionen profitiert, weiß Karl-Eberhard Schäfer von der Frankfurter Film-Produktion U5. Dies seien "größere Filme, die schon von anderen Förderungen Geld hatten und ihre Finanzierung dann hier in Hessen geschlossen haben." Der Nachteil aus Schäfers Sicht ist, dass für die Infrastruktur in Hessen keine so großen Effekte erzielt worden seien. Sprich: Die Branche vor Ort war kaum mehr an der Produktion beteiligt.

Schäfer ist ein alter Hase in der hessischen Filmbranche. Mehr als 60 Fernsehfilme hat er mit seiner Frankfurter Firma auf den Bildschirm gebracht. Er ist als einziger Branchenvertreter im Aufsichtsrat der neuen Hessen Film und Medien GmbH und setzt sich dafür ein, dass sich mehr Firmen rund um den Film in Hessen ansiedeln können.

Dazu muss aus Sicht der Branche die Darlehen-Förderung in eine Landesförderung umgewandelt werden, damit auch junge Filmemacher wie Zapf von Anfang an in Hessen gefördert und aufgebaut werden. Und dann, glaubt Zapf, könnten hier originär hessische Stoffe entstehen, die auch die Leute ernähren. "Und tolle hessische Geschichten erzählen und zwar der ganzen Welt. Warum nicht?!"

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