Papst Franziskus und sein Sorgenkind Franz-Peter-Tebatz-van Elst
Papst Franziskus und sein Sorgenkind Franz-Peter Tebartz-van Elst Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Monatelang hielt sich das Bistum Limburg vornehm zurück. Doch jetzt pocht es einem Medienbericht zufolge auf vier Millionen Euro Schadenersatz für die Verschwendungen von Ex-Bischof Tebartz-van Elst. Entscheiden muss der Vatikan.

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Mindestens 31 Millionen Euro hat sich Franz-Peter Tebartz-van Elst die skandalumwitterte Bischofsresidenz auf dem Limburger Domberg kosten lassen: für Privatkapelle, Luxus-Appartement, den legendären Koi-Karpfenteich oder Kunstwerke. Sein Amt ist er deshalb schon losgeworden. Möglicherweise wird der 55-Jährige aber doch noch weiter zur Verantwortung gezogen. Nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung (Donnerstag) drängt das Bistum auf Schadenersatz und beziffert auch die Höhe der Forderung.

"Der vom Papst eingesetzte Administrator Manfred Grothe hat im Vatikan mehrfach die Forderung nach materieller Wiedergutmachung vorgebracht. Jetzt muss der Papst entscheiden", sagte Bistumssprecher Stephan Schnelle dem Blatt. Es geht um mindestens 3,9 Millionen Euro.

Diesen Anteil der Bausumme musste das Bistum seinen jüngsten Bilanzen zufolge wegen der Kostenexplosion beim Bau abschreiben. Mit einer Entscheidung ist laut "Bild" im September zu rechnen. Die Limburger Staatsanwaltschaft hatte nach eigenen Angaben keine Anhaltspunkte dafür gefunden, dass sich Tebartz-van Elst strafbar gemacht hat.

Erst zahlen, dann verabschieden?

Kritiker, auch innerhalb des Priesterrats im Bistum, hatten stets bemängelt, Grothe schone den früheren Bischof zu sehr. So hat der 76-Jährige, der seit einer Woche aus Altersgründen nicht mehr Weihbischof von Paderborn ist, zwar wiederholt auch auf die vermögensrechtliche Verantwortung von Tebartz-van Elst hingewiesen. Er hat es aber bisher abgelehnt, im Namen des  Bistums selbst aktiv gegen seinen skandalösen Amtsbruder vorzugehen und  ein Verfahren vor der "Rota Romana" anzustrengen, dem Gericht des Apostolischen Stuhls in Rom.

Rechtlich wäre das möglich gewesen. Stattdessen ließ Grothe die Akten nach Rom schicken – und verstörte manchen Katholiken mit dem gleichzeitigen Wunsch nach einem standesgemäßen Abschied vom Ex-Bischof in Limburg. Der Interimsleiter des Bistums wollte von Anfang an, dass Rom entscheidet: Wird Tebartz-van Elst von der Amtskirche zur Rechenschaft gezogen und müssen neben ihm auch andere Beteiligte am Bauskandal nachträglich zur Kasse gebeten werden.

"Ich war's nicht"

Der frühere Limburger Bischof hatte wiederholt behauptet, sich um die Finanzen rund um seine teure Residenz nicht gekümmert zu haben. Er verwies vor allem auf seine damalige rechte Hand, Ex-Generalvikar Franz Kaspar, und dessen Zuständigkeit.

Kontrollgremien wie der dreiköpfige Vermögensverwaltungsrat hatten dem Treiben untätig zugeschaut. Man sei getäuscht worden, hatte der inzwischen verstorbene Ex-Staatskanzlei-Chef Jochen Riebel gesagt, der einer der Kontrolleure war.

Üppiges Gehalt

Im Mai 2014 hatte Tebartz-van Elst sein Amt in Limburg als Folge des Bauskandals und anderer Affären verloren. Inzwischen ist er beim Vatikan als Delegat im Päpstlichen Rat für die Neuevangelisierung tätig. Er hat den Rang eines Sekretärs inne und kassiert laut "Bild" insgesamt rund 10.300 Euro im Monat. Das meiste davon fließt als Ruhegehalt aus Limburg. Das sollen knapp 7.000 Euro sein. Grothe hatte angekündigt, Einnahmen des Ex-Bischofs aus dem Vatikan-Job würden mit diesen monatlichen Zahlungen verrechnet. Vergangene Woche hat das Bistum seine aktuelle Vermögensbilanz vorgelegt. Es besitzt Werte von insgesamt 967 Millionen Euro, 58 Millionen Euro mehr als im Jahr zuvor.

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