Der Angeklagte im Rockerprozess ist gut gelaunt
Der Angeklagte Athanasios A. begrüßt seine Rocker-Freunde. Bild © picture-alliance/dpa

Zum Auftakt im Rocker-Prozess hat sich der Angeklagte am Freitag vor dem Landgericht Frankfurt in bester Laune präsentiert. Der erste Zeuge berichtete derweil von Terror-Panik und Angst am Tatort.

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Mit einem Victory-Zeichen hat der Angeklagte Athanasios A. am Freitag seine im Publikum sitzenden Rocker-Kollegen begrüßt. Das Hells-Angels-Mitglied, das am 5. Mai des vergangenen Jahres in der Frankfurter Innenstadt auf den Ex-Rocker Munir H. geschossen und diesen lebensgefährlich verletzt haben soll, präsentierte sich zum Prozess-Auftakt am Frankfurter Landgericht betont locker. Trotz Anklage wegen versuchten Mordes und schwerer Körperverletzung.

Rund ein Jahr nach der Schießerei am Friedrich-Stoltze-Platz wurde der erste Tag der Gerichtsverhandlungen von einem Großaufgebot der Polizei gesichert. Die zur Abwehr möglicher Racheakte im kompletten Gerichtsviertel verteilten Beamten trafen dabei jedoch auf erstaunlich wenige Rocker. Im Gegensatz zu den meisten Prozessen mit Hells-Angels-Beteiligung fand sich am Freitag nur eine Handvoll Kollegen des Angeklagten im Zuschauerbereich ein.

Zeuge berichtet von Terror-Panik

Von dort aus sahen sie einen schweigenden, aber gut gelaunten Angeklagten sowie den ersten Zeugen: Der Polizist, der am Himmelfahrtstag 2016 zuerst am Tatort eingetroffen war, berichtete von den Geschehnissen kurz nach den Schüssen am helllichten Tag. Die Gäste in den umliegenden und vollbesetzten Bars seien - genau wie er - zunächst von einem Terrorangriff ausgegangen und in Panik verfallen. Umgestürzte Tische, zerbrochene Gläser und in alle Richtungen flüchtende Menschen seien die Folge gewesen.

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Der Angeklagte Athanasios A. im Landgericht

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found hr-Gerichtsreporterin: "Der Angeklagte ist Typ Alt-Hippie"

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Dem Angeklagten Athanasios A. wird vorgeworfen, an besagtem Nachmittag gemeinsam mit dem noch immer flüchtigen Miloud A. mehrfach auf Munir H. geschossen zu haben. Alle drei an der Tat beteiligten Personen werden den Frankfurter Hells Angels zugeordnet, das 41 Jahre alte Opfer war nach einer Auseinandersetzung allerdings einige Wochen zuvor aus der Frankfurter Rockergruppe ausgeschlossen worden. Er galt als "out in bad standing" und durfte damit nach Hells-Angels-Regeln angegriffen werden.

Weiterer Mitfahrer verletzt

Laut Anklage schossen der damals 56 Jahre alte Athanasios A. und der 38 Jahre alte Miloud A. aus unmittelbarer Nähe auf einen vorbeifahrenden Geländewagen, in dem Munir H. saß. Ein Schuss landete in der Kopfstütze, ein weiterer verletzte den auf der Rückbank sitzenden 20 Jahre alten Emir H., eine Beifahrerin blieb unverletzt.

Der Angeklagte äußerte sich nach Auskunft von Oberstaatsanwältin Nadja Niesen bisher nicht zu den Vorwürfen. Auch das ist eine Regel der Hells Angels: keine Zusammenarbeit mit den Sicherheitsbehörden und der Justiz. Mehr als 70 Zeugen und fünf Sachverständige sollen deshalb im Prozess gehört werden. Mindestens 16 Verhandlungstage sind bisher terminiert. Enden könnte der Prozess Ende August.

Weitere Informationen

ROCKERGRUPPEN IN HESSEN

Verschiedene Rocker- bzw. rockerähnliche Gruppen sind in Hessen aktiv. Die größte von ihnen ist nach aktuellen Angaben des Landeskriminalamtes (LKA) mit circa 180 Mitgliedern der Gremium MC (Motorradclub). Der Hells Angels MC zählt in Hessen etwa 160 Mitglieder, gefolgt von Outlaws MC (ca. 65) und Bandidos MC (ca. 10). Hinzu kommen die als rockerähnlich eingestuften Osmanen. Sie verfügen in Hessen über zwei Charter: Osmanen Germania BC (Boxclub) mit etwa 100 Mitgliedern und Osmanen BC (ca. 40). Das Hells-Angels-Charter Gießen ist nach den tödlichen Schüssen auf seinen Präsidenten zwar weiter existent, aber über die Aktivitäten der Mitglieder macht das LKA keine Angaben.

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