Polizisten am Herborner Bahnhof
Polizisten stehen am Herborner Bahnhof, wo ein Beamter erstochen wurde. Bild © picture-alliance/dpa

Zwei Monate nach dem tödlichen Messerangriff eines 27-Jährigen auf einen Polizisten in Herborn ist Anklage erhoben worden. Die Anklageschrift umfasst 72 Seiten und schildert die laut Polizei "unfassbare Tat" detailliert.

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Nach dem Messerangriff eines 27-Jährigen auf zwei Polizisten am Herborner Bahnhof an Heiligabend, bei dem ein 46-Jähriger starb und sein ein Jahr älterer Kollege schwere Verletzungen erlitt, ist Anklage erhoben worden. Dem Landgericht in Limburg liegt die 72-seitige Anklageschrift der Wetzlarer Staatsanwaltschaft seit Dienstag vor, wie Landeskriminalamt und Polizei am Freitag mitteilten.

Sicherungsverwahrung kommt in Betracht

Sie wirft dem bereits vor der Tat mehrfach inhaftierten Mann aus Dillenburg Mord, versuchten Mord sowie unter anderem gefährliche Körperverletzung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte vor. Nach Angaben von Staatsanwalt Dominik Mies kommt in Betracht, den mutmaßlichen Polizistenmörder in Sicherungsverwahrung unterzubringen. Einen Termin für die Hauptverhandlung gibt es noch nicht.

Die Anklageschrift fasst die Ergebnisse der Vernehmungen und die Auswertung von Spuren sowie der Überwachungskamera-Aufnahmen aus dem Zug zusammen. Sie enthält Details zu der nach Angaben der Polizei "unfassbaren Tat" am Morgen des 24. Dezember.

"Die beiden Polizisten kämpften um ihr Leben"

Die beiden Polizisten wurden gegen 7 Uhr zu einem Routineeinsatz gerufen. Der Zugbegleiter eines Regionalexpresses hatte um Unterstützung gebeten, weil ein Fahrgast kein Ticket vorweisen konnte und sich weigerte, seine Personalien zu nennen.

Nachdem der 46 Jahre alte Polizist den Zug betrat, stieß ihn der 27-Jährige laut Staatsanwaltschaft sofort weg, zog ein Messer und stach sieben Mal in Schulter und Hals des Polizisten. Auch auf den zu Hilfe eilenden Kollegen habe der mutmaßliche Täter sofort eingestochen und ihn an Oberkörper und Oberarm getroffen. "Die beiden Polizisten kämpften um ihr  Leben", heißt es in der Mitteilung der Ermittler.

Mit Schüssen aus Dienstpistole weitere Angriffe gestoppt

Letztlich habe es der 46-Jährige geschafft, aus seiner Dienstpistole zwei Schüsse auf den Angreifer abzugeben. Damit seien weitere, vermutlich tödliche Messerangriffe des 27-Jährigen auf den 47-Jährigen gestoppt worden. Von zwei Kugeln getroffen sei der Messerstecher verletzt zusammengebrochen. Der 46 Jahre alte Polizist starb noch auf dem Bahnsteig.

Erste Ermittlungen nach der Tat hatten ergeben, dass der 27-Jährige alkoholisiert war. Die Staatsanwaltschaft bezweifelt aber, dass die gemessenen 1,6 Promille ausschlaggebend für die Tat waren.

Hilfsangebote für Familie des Getöteten

Zur Trauerfeier für den getöteten Polizisten kamen mehr als 1.000 Menschen. Im Polizeipräsidium Mittelhessen gingen zahlreiche Hilfsangebote für seine Familie ein. Drei Euro jeder Eintrittskarte bei der Partie des TSV Steinbach gegen Hessen Kassel am Freitagabend wollen die Steinbacher den Hinterbliebenen spenden.

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