Unfallflucht Fahrerflucht Beule an Auto
Eine Beule - und vom Täter keine Spur. Fahrerflucht hat im vergangenen Jahr in Hessen zugenommen. (Symbolbild). Bild © Imago

Autofahrer geben nach Unfällen immer öfter einfach Gas: Die Zahl der Unfallfluchten ist in Hessen ständig gestiegen, im vergangenen Jahr auf mehr als 100 Fälle pro Tag. Auch wenn Menschen verletzt werden, fahren viele einfach weiter.

  • 41.744 Unfallfluchten listet der Verkehrsbericht Hessen des Landespolizeipräsidiums für 2016  auf - im Schnitt 114 Fälle pro Tag.
  • Bei fast jedem dritten Unfall haben sich die Verursacher 2016 einfach aus dem Staub gemacht.
  • Die Zahl der Unfallfluchten ist in den vergangen Jahren ständig gestiegen: seit 2012 um 7,4 Prozent.

Die Polizei veröffentlicht täglich Dutzende Fahrerflucht-Meldungen in ihren Presseberichten. Ein aktuelles Beispiel vom Polizeipräsidium Südosthessen: "Die Polizei fahndet derzeit nach einem Autofahrer, der bei einem Unfall einen Radfahrer verletzte und dennoch unerlaubt davon fuhr. Der 40 Jahre alte Hanauer war kurz nach 18 Uhr mit seinem Mountainbike (…) unterwegs, als plötzlich vor ihm ein Auto aus einer Parklücke fuhr. Der Radler stieß gegen den Wagen und kam zu Sturz. Hierbei zog sich der 40-Jährige Verletzungen (...) zu."

Fälle wie diese halten die Polizei auf Trab: Pro Tag registrierten die Beamten 2016 in ganz Hessen im Schnitt 114 Fahrerflucht-Fälle - der Verkehrsbericht Hessen weist 41.744 Fälle (Sach-und Personenschäden) für 2016 aus, bei rund 141.000 Unfällen insgesamt. Ein Plus von 3,9 Prozent zum Vorjahr. Seit 2012 (38.869) ist die Zahl der Fahrerfluchten sogar um 7,4 Prozent gestiegen.

Externer Inhalt Ende des externen Inhalts

Zu 95 Prozent Blechschäden

Auch wenn es sich zu 95 Prozent um Blechschäden handelt - häufig sind die Unfälle so dreist, dass auch hessenschau.de darüber berichtet. Wie Anfang Mai, als ein Unfallfahrer nahe der hessischen Landesgrenze in Bayern einem Helfer das Auto geklaut hatte und damit einfach wegfuhr. Auch der Fall eines betrunkenen Autofahrers, der bei Daupthetal (Marburg-Biedenkopf) in einen Linienbus gekracht war und dann zu Fuß flüchtete, hatte Anfang des Monats für Aufsehen gesorgt.

"Normalerweise handelt es sich um Parkrempeleien. Ganz typisch ist, dass etwa beim Aus- oder Einparken ein Auto touchiert und dann einfach weggefahren wird", erklärt eine Sprecherin der Polizei Frankfurt. Aber: Knapp 1.900 Mal wurden im vergangenen Jahr Menschen verletzt - und die Unfallverursacher sind auch dann weitergefahren.

Starke Zunahme in Nordhessen

Allein im Bereich des Polizeipräsidiums Frankfurt ist die Zahl der Autofahrer, die nach einem Unfall die Flucht ergreifen, in den vergangenen zehn Jahren um 14 Prozent gestiegen, von 5.385 Fällen im Jahr 2006 auf 6.160 Fahrerfluchten im vergangenen Jahr – im Schnitt 17 Anzeigen pro Tag.

Besonders stark sind die Fahrerfluchten im Bereich des Polizeipräsidium Nordhessen gestiegen: Von 4.794 (2012) auf 5.240 (2016) – plus 9 Prozent.

Auch in Südhessen geben immer öfter Unfallfahrer Gas: Im vergangenen Jahr gab es das laut Polizei 6.408 Mal, 2012 kam das 6.083 Mal vor – plus 5,3 Prozent.

"Egoistischere Grundhaltung"

Nach den Erfahrungen des Verkehrspsychologen Jens Abraham, der in Wiesbaden Verkehrssünder auf die Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) vorbereitet, ist das Motiv für Fahrerflucht eher selten die Angst vor Schadensersatzforderungen. "Oft sind Alkohol und Drogen im Spiel, oder der Fahrer hat keinen Führerschein", erklärt Abraham. Dann sei Fahrerflucht häufig eine Schockreaktion. Manchmal komme es auch vor, dass Menschen den Unfall tatsächlich nicht bemerken - wegen einer Beeinträchtigung, aber auch wegen Alkohol und Drogen.

Durch Gespräche mit seinen Patienten stellt der Verkehrspsychologe aber auch fest, dass Hemmschwellen "ein Stück weit" gesunken sind. "Es gibt schon eine egoistischere Grundhaltung in der Art, dass alles als immer ungerechter wahrgenommen wird", so Abraham. "Dann nehmen sich die Menschen das Recht raus, selber auch ungerecht zu sein."

Unfallflucht - eine Straftat

Dabei ist Unfallflucht kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat. Das Gesetz sieht bis zu drei Jahre Haft für Unfallbeteiligte vor, die sich vom Ort des Geschehens entfernen, ohne dem Geschädigten ihre Personalien zu geben. Auch ein Zettel mit der Adresse an den Scheibenwischer zu klemmen, reiche nicht aus, betont die Polizei Frankfurt.

"Der kann im Regen aufweichen oder weggenommen werden, damit ist dann nicht sichergestellt, wer der Unfallfahrer ist", erklärt eine Sprecherin. Daher rät die Polizei: Wenn der Geschädigte nicht anwesend ist, erstmal  warten. Wenn er nach etwa 20 Minuten nicht auftaucht, sollte man auf jeden Fall die Polizei rufen. 

Ihre Kommentare Fahrerflucht - haben Sie das schon erlebt?

*Pflichtfeld

17 Kommentare

  • 2x in den letzten drei Jahren. Das erste Mal habe ich angezeigt, hatte sogar eine Spiegelabdeckung des Unfallverursachers mitliefern können. Nichts. Das zweite Mal habe ich mir die gute Stunde auf dem Polizeirevier gespart. Da kommt eh nichts bei raus.
    Gestern hat einer mit dem LKW meine Hauswand gerammt und ist da geblieben. Bei dem habe ich mich bedankt. Da der (verdeckte) Schaden sehr groß werden könnte, mußte ich den Unfall polizeilich erfassen lassen. Jetzt bekommt der arme Kerl noch 35,-€ Strafe, weil er ehrlich war. Das gehört abgeschafft.

  • Ich schließe mich dem Standpunkt von Ich im schönen Hessenland an. Das Auto ist ein Heiligtum und bereits kleine Kratzer werden zu Katastrophen erklärt. Das ist irgendwie typisch Deutsch. Die eklatante Fehlentwicklung bei Autos trägt dazu bei, dass die Kosten für Reparaturen explodieren. Etwa lackierte Stoßstangen. Ich kann verstehen, dass bei im Prinzip lächerlich kleinen Schäden die Verursacher sich aus dem Staub machen.

  • Ja und zwar bereits mehrfach. Die Polizei kommt erst nicht bei solchen "Bagatellen" und dann stellt die Amtsanwaltschaft das Verfahren noch ein, weil der Täter es mit seinem großen Jeep vielleicht nicht unbedingt hätte merken können, auch wenn andere Zeugen es deutlich gesehen und gehört haben.
    Was will man dazu noch sagen. Wird doch eh kaum geahndet oder verfolgt.
    Den Ärger hat nur der Geschädigte.

Alle Kommentare laden