Eine Hand hält einen so genannten Keyless-Go-Schlüssel vor einem Auto
Gegen Autodiebstahl gibt es kein sicheres System. Bild © Colourbox.de

Diebesbanden klauen jetzt Autos sozusagen im Vorbeigehen. Mithilfe eines Verstärkers verlängern sie die Funksignale eines "keyless-go"-Sensors vom Haus des Besitzers zum Auto. Schon 80 Luxuskarossen verschwanden im Raum Offenbach und Hanau.

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Praktisch, diese neuen "Keyless-go"-Systeme. Man muss sein Auto gar nicht mehr aufschließen, sondern sich mit einem Sensor nur noch dem Fahrzeug nähern - schon macht es "klack", und die Wagentür ist geöffnet. Im Fahrzeug drückt man einen Knopf, der Motor startet und man kann sofort losfahren.

Signal wird einfach verlängert

Praktisch finden das System offenbar auch organisierte Autoknackerbanden, wie die Polizei in Offenbach jetzt mitgeteilt hat. In den zurückliegenden Monaten sei es zu einer Serie von Diebstählen gekommen, bei der die Täter vorzugsweise Luxuswagen bestimmter Bauarten entwendet hätten. Dabei machten sie sich das "Keyless-go"-System auf raffinierte Weise zunutze.

Funksignal verstärken
Mit einem Verstärker verlängern die Diebe das "Keyless-go"-Signal vom Haus des Autobesitzers zu dessen Wagen. Bild © hessenschau.de

Die Diebe verlängern das schwache Signal des Sensors, der sich etwa im Haus des Autobesitzers befindet, mittels eines Verstärkers bis zum Wagen und öffnen so dessen Tür. Allein im Main-Kinzig-Kreis sowie in Stadt und Kreis Offenbach wurden wahrscheinlich auf diese Weise rund 80 Autos im vergangenen halben Jahr entwendet, wie Polizeisprecher Ingbert Zacharias vom Polizeipräsidium Südosthessen am Donnerstag mitteilte. Der Schaden geht in die Millionen.

Ausgefeilte Elektronik

"An dem Auto sehen Sie keine Spur, das erschwert natürlich die Fahndung", sagte Zacharias. Ein Auto mit Bruch- und Kratzspuren falle dem geschulten Auge schon mal eher auf. Dennoch konnten einige der Fahrzeuge kurz nach dem Diebstahl nahe der polnischen oder tschechischen Grenze gesichtet werden. Zwei mutmaßliche Täter wurden festgenommen.

Bei der Technik, die die Täter verwenden, soll es sich um eine hochwertige und ausgefeilte Elektronik handeln. Von der Tat selbst bekommen die Besitzer in der Regel nichts mit. "Das geht ganz leise vor sich", sagte Zacharias. Meist werde der Verlust erst am Folgetag festgestellt.

Doch dann ist das Fahrzeug in der Regel schon weit weg. Nach Auskunft der Polizei sind die meisten Tatorte verkehrsgünstig gelegen, sprich: in Autobahnnähe. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Täter gut organisiert sind und das Diebesgut auf schnellstem Wege nach Osteuropa bringen.

Ist denn sowas versichert?

Für die beschriebenen Fälle gelten nach Auskunft des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) die gleichen Bedingungen wie für andere Autodiebstähle. Abgedeckt seien sie über die Kasko-Versicherung, sagte Verbandssprecherin Una Großmann. Vorausgesetzt, das Fahrzeug ist nicht wieder auffindbar. Eine Sonderregleung gibt es nicht.

Wie die Hersteller reagieren wollen, ist noch unklar. Ein großer Autobauer aus München verwies am Donnerstag auf Nachfrage von hessenschau.de auf den Verband der Automobilindustrie. Dort hieß es, man wolle sich zunächst abstimmen und zu einem späteren Zeitpunkt zu dem Sachverhalt äußern.

Was können Sie tun?

Wie kann man sich vor solchen Diebstählen schützen? "Stellen Sie Ihr Auto in die Garage und schließen Sie sie ab", empfiehlt Zacharias als wirksamste Methode. Wer keine Garage hat, der sollte auf jeden Fall verhindern, dass zwischen Sensor und Auto eine Funkverbindung hergestellt werden kann. Der Sensor sollte also nicht direkt am Hauseingang platziert werden. Je weiter er vom Auto entfernt ist, desto besser.

Zusätzlich sollte er gegen Funkwellen abgeschirmt werden. Dazu kann nach Auskunft des Polizeisprechers ein so genannter Keysafe verwendet werden, ein Schlüsseltresor aus Metall. Ebenso wirksam sind Schlüsselmäppchen mit einer speziellen Sicherheitsfolie. Zu guter Letzt erfüllt auch einfache Alufolie ihren Zweck, in die der Sensor eingewickelt wird. Das sieht nicht schön aus, wirkt aber, wie der Polizist sagt.

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