Satellit fängt mit Netz Weltraumschrott ein
Netze wären eine Möglichkeit, Weltraumschrott einzufangen Bild © ESA

Schon bald könnten Weltraum-Roboter Satellitenschrott im All einfangen. Die Technologie ist vorhanden, wie eine Fachtagung der ESA in Darmstadt gezeigt hat. Die Finanzierung solcher Aufräum-Missionen ist allerdings unklar.

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Netze, Harpunen, Roboterarme - Raumfahrtingenieure haben sich einiges einfallen lassen, um Weltraumschrott im All einzufangen und zu entsorgen. Die Ideen sind offenbar schon weit gediehen, wie auf der Internationalen Weltraumschrottkonferenz, die von Dienstag bis Freitag bei der Europäischen Raumfahrtagentur ESA in Darmstadt stattfand, deutlich wurde.

Experte: "Einfang-Missionen in greifbarer Nähe"

"Wir konnten Fortschritte erzielen, die solche Missionen in greifbare Nahe rücken", sagte Konferenzleiter Holger Krag am Freitag nach der abschließenden Pressekonferenz. Technologisch könne ein solches Einfangmanöver schon in einigen Jahren getestet werden. Eventuell sei danach auch schon bald ein routinemäßiger Einsatz denkbar.

Eine Schwierigkeit liege darin, die Fangroboter auf die gleiche Bahn wie die Trümmerteile zu bringen. Immerhin bewegen sich diese mit über 20.000 Stundenkilometern um die Erde. Ein einmal eingefangenes Objekt soll dann kontrolliert zum Absturz gebracht werden, ohne Menschen auf der Erde zu gefährden.

Neue Sensoren erfassen kleine Trümmerteile

Größer als die technologische Herausforderung ist die finanzielle. "Das muss ja jemand bezahlen", gab Krag zu bedenken. Der Experte sieht da die Gesetzgeber der Raumfahrtnationen in der Pflicht. Sie müssten Rahmenbedingungen schaffen, die die Betreiber von Satelliten verpflichten, sie auch wieder zu entsorgen.

Große Fortschritte seien bei der Erfassung insbesondere kleiner Schrotteile im All erzielt worden, sagte Krag. Dazu seien neue Sensortechnologien entwickelt worden, die im All einsetzbar seien. Auch bei der wichtigen Beobachtung großer Trümmerteile gebe es Verbesserungen.

Immer mehr Müll im All

Weltraumschrott ist ein wachsendes Problem, dessen Tragweite den Pionieren der Raumfahrt kaum bewusst war. Mittlerweile kreisen über 700.000 Teile von mehr als einem Zentimeter Größe um die Erde. Bei den Geschwindigkeiten, mit denen sie im All unterwegs sind, bedeuten sie eine große Gefahr für die Raumfahrt, weil sie bei einem Aufprall gewaltige Energien freisetzen.

Da es im All immer wieder zur Kollision von Trümmerteilen kommt und diese dabei zerbersten, wächst die Zahl der umherfliegenden Schrottteilchen immer weiter an. Eine Kettenreaktion, die die Raumfahrer Kessler-Syndrom nennen, benannt nach dem US-Astronomen Donald Kessler.

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Alle müssen zusammenarbeiten

ESA-Generaldirektor Johann-Dietrich Wörner sprach von einer globalen Herausforderung. "Es gibt nur einen Weltraum, den wir uns alle teilen." Auf der Konferenz mit rund 400 Teilnehmern aus 21 Ländern wurde deshalb auch eine engere internationale Zusammenarbeit beschlossen.

Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD), die auch die Luft- und Raumfahrtbeauftragte der Bundesregierung ist, sieht beim Thema Weltraumschrott auch Chancen für deutsche Unternehmen. "Die deutsche Wirtschaft ist ja bei solchen Technologieprogrammen immer sehr gut aufgestellt", sagte sie am Rande der Pressekonferenz.

Unternehmen planen tausende neue Satelliten

Ein weiteres Thema bei der viertägigen Fachtagung waren die geplanten Mega-Konstellationen privater Unternehmen. Boeing etwa plant, demnächst knapp 3.000 Satelliten ins All zu bringen, Samsung rund 4.600. Auch Google will ein Satelliten-Netz im Weltraum aufbauen.

Diese Firmen stünden der Problematik sehr interessiert gegenüber, sagte Krag. "Sie wollen nicht diejenigen sein, die den Weltraum verschmutzen." Allerdings müssten sie sich auch darüber klar sein, was auf sie zukommt.

"Momentan schafft es die Raumfahrt, die wir bisher betreiben, nur zu 60 Prozent, alle Vermeidungsstrategien umzusetzen", sagte Krag. Für die privaten Missionen müsse trotz Kostendrucks die Rate bei über 90 Prozent liegen. "Die technologischen Herausforderungen, die nötig sind, um das zu gewährleisten, sind sehr hoch."

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