Polizisten durchsuchen auf dem Gelände des Frankfurter Flughafens am Mittwoch einen Mann.
Polizisten durchsuchen auf dem Gelände des Frankfurter Flughafens am Mittwoch einen Mann. Bild © picture-alliance/dpa

Schlag gegen Schwarzarbeit in großem Stil: Mehrere hundert Beamte von Zoll und Polizei haben am Mittwoch Unternehmen am Frankfurter Flughafen durchsucht. Sechs Männer wurden festgenommen. Der Schaden geht in die Millionen.

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Großrazzia am Frankfurter Flughafen: Beamte von Zoll und Polizei haben am frühen Mittwochmorgen Unternehmen durchsucht. Der Einsatz richtete sich nach Angaben des Hauptzollamts Frankfurt gegen Schwarzarbeit bei Gepäckabfertigung und Fracht.

1.200 Beamte durchsuchen 170 Objekte

Ein Spezialeinsatzkommando (SEK) stürmte ein Mehrfamilienhaus in Rüsselsheim. Mitarbeiter von Zoll und Steuerfahndung durchsuchten es.

Spuren des SEK-Zugriffs an einem Privathause in Rüsselsheim.
Spuren des SEK-Zugriffs an einem Privathaus in Rüsselsheim. Bild © picture-alliance/dpa

Durchsuchungen gab es auch an den Flughäfen in Düsseldorf und München sowie in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Insgesamt durchsuchten im Auftrag der Staatsanwaltschaft Darmstadt etwa 1.200 Beamte von Zoll und Polizei 170 Objekte in sieben Bundesländern. Vorausgegangenen waren jahrelange Ermittlungen.

Mindestens 17,6 Millionen Euro Schaden

Sechs Männer im Alter von 26 bis 54 Jahren wurden in Hessen verhaftet, wie die Sonderkommission "Cumulus" beim Hauptzollamt Frankfurt mitteilte. Drei Festnahmen erfolgten in Rüsselsheim, zwei in Frankfurt und eine in Mörfelden. Die Wirtschaftswoche berichtete von einem deutsch-türkischen Netzwerk.

Den sechs Männern und weiteren 23 Beschuldigten wird die Bildung einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen. Sie sollen über ein Firmengeflecht Dienstleistungen im Bereich Gepäckabfertigung und Fracht angeboten, die dabei eingesetzten Beschäftigten aber nicht oder nicht vorschriftsgemäß sozialversichert haben. Auch Lohn- und Umsatzsteuer sollen nicht ordnungsgemäß gezahlt worden sein. Den Schaden bezifferte der Zoll auf mindestens 17,6 Millionen Euro.

Die sechs Hauptbeschuldigten aus der Führungsebene der mutmaßlich kriminellen Vereinigung ließen sich den Angaben zufolge widerstandslos von SEKs verhaften. Bei ihnen wurden Luxusautos und erhebliche Mengen an Bargeld sichergestellt. Bankguthaben wurden eingefroren.

Insgesamt soll es sich um Vermögenswerte in zweistelliger Millionenhöhe handeln. Drei der Männer wurden nach dpa-Informationen noch am Mittwoch dem Haftrichter vorgeführt. Die anderen drei sollen am Donnerstag folgen.

Flughafenbetreiber Fraport soll getäuscht worden sein

Große Generalunternehmer, die mit den Beschuldigten zusammenarbeiteten, und der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport sollen getäuscht worden seien. Ihnen wurde nach den Erkenntnissen der Ermittler vorgegaukelt, die Arbeitnehmer würden ordnungsgemäß beschäftigt.

Ein Fraport-Sprecher betonte, das Unternehmen arbeite eng mit den Behörden zusammen und unterstütze die Ermittlungsarbeit. Auch Räume einer Tochter von Lufthansa Cargo wurden durchsucht. Das Unternehmen ist nicht beschuldigt, sondern Zeuge, wie ein Firmen-Sprecher sagte. Man kooperiere mit den Behörden und habe Informationen zur Verfügung gestellt. Den Angaben zufolge gab es in der Vergangenheit Geschäftsbeziehungen zu einem der verdächtigen Unternehmen. Die Zusammenarbeit sei 2013 beendet worden, sagte der Sprecher.

Cargo-City-Prozess um Schmiergeldzahlungen

Derzeit läuft in Frankfurt ein Prozess um Schmiergeldzahlungen am Flughafen. Der Prozess war vor einer Woche nach dem Unfalltod des Hauptangeklagten fortgesetzt worden. Laut Staatsanwaltschaft hatten der 52-Jährige und ein Makler bei der Grundstücksvergabe des Fracht- und Logistikzentrums Cargo City Süd Schmiergelder in Millionenhöhe gefordert. Die Immobilienentwickler Ardi Goldman aus Frankfurt und Jürgen Harder aus Heidelberg sollen die Schmiergelder bezahlt haben. Goldman bestreitet das, Harder spricht dagegen von einem "großen Fehler".

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