Intercontinental Hotel Frankfurt
Im Intercontinental Hotel in Frankfurt wurde eine 41-Jährige bei einer Teufelsaustreibung getötet. Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Urteil im Prozess um eine tödliche Teufelsaustreibung in einem Frankfurter Hotel: Die Hauptangeklagte ist zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Vier Mitangeklagte erhielten Bewährungsstrafen.

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Im Prozess um eine Teufelsaustreibung mit tödlichem Ende hat das Landgericht Frankfurt am Montag die 44 Jahre alte Cousine des Opfers zu sechs Jahren Haft verurteilt.

Das Gericht verhängte die Strafe wegen Körperverletzung mit Todesfolge. Die vier mitangeklagten Mitglieder einer südkoreanischen Familie wurden zu Bewährungsstrafen zwischen eineinhalb und zwei Jahren verurteilt.

Nach Auffassung der Jugendstrafkammer trug vor allem die 44 Jahre alte Hauptangeklagte die Verantwortung für die Tat. "Sie war die Erwachsene in der Gruppe und bestimmte das Geschehen", sagte der Vorsitzende Richter Ulrich Erlbruch. "Darüber hinaus hatte sie nach zwei vorausgegangenen Teufelsaustreibungen die entsprechende Erfahrung und musste als gelernte Krankenschwester auch von der Gefährlichkeit ihres Handels wissen."

Richter: Tragisches Geschehen

Bereits in der vergangenen Woche war die Staatsanwaltschaft vom ursprünglichen Vorwurf des gemeinschaftlichen Mordes abgerückt. Der Vorsitzende Richter sagte am Montag, das zu Prozessbeginn in Medien gezeichnete Bild der Angeklagten als "grausame Folterer" habe sich nicht als richtig erwiesen.

Die Angeklagten hätten aus einer spirituellen Überzeugung heraus gehandelt und im Glauben, ihre 41 Jahre alte Verwandte von einem Dämonen heilen zu können. Der Richter sprach von einem "emotional außergewöhnlichen dynamischen Geschehen mit tragischen Zügen".

Kleiderbügel in den Mund gesteckt

Die 41 Jahre alte Frau war im Dezember 2015 tot in einem Zimmer des Frankfurter Hotels Intercontinental entdeckt worden. Zuvor sollen ihre Verwandten eine Teufelsaustreibung versucht haben. Dabei hatte die 44-Jährige in dem Hotelzimmer dem 41-jährigen Opfer zunächst ein Handtuch und später einen Kleiderbügel in den Mund gesteckt, an dem die Frau qualvoll erstickte. 

"Mit dem Tuch sollte vor allem verhindert werden, dass die Schreie des Opfers nach draußen gelangten", sagte Erlbruch. "Ohne ihre entscheidende Rolle wäre es nicht zu dem schrecklichen Geschehen gekommen". Das Gericht blieb hinter dem Antrag der Staatsanwaltschaft zurück. Erlbruch nannte die "religiöse, spirituelle Verblendung" als Grund dafür.

Staatsanwalt hatte acht Jahre Haft gefordert

Die Staatsanwaltschaft hatte acht Jahre Gefängnis für die Hauptangeklagte gefordert. Die Frau habe sich "angemaßt, über Leben und Tod anderer zu entscheiden", hatte Staatsanwältin Nadja Böttinger in ihrem Plädoyer gesagt.

Sie unterstellte aber keine Tötungsabsicht mehr und verlangte eine Verurteilung wegen Körperverletzung mit Todesfolge.

Prozess seit Oktober

Für einen 22 Jahre alten Mitangeklagten hatte die Anklage vier Jahre Haft gefordert, für seine 19 Jahre alte Schwester drei Jahre Jugendstrafe. Im Fall der zwei mit jeweils 16 Jahren jüngsten der insgesamt fünf Angeklagten aus Korea - darunter der Sohn des Opfers - hatte sich die Staatsanwaltschaft für Jugendstrafen von jeweils zwei Jahren auf Bewährung ausgesprochen.

Die Koreaner waren im Herbst 2015 nach Deutschland gekommen, um hier ein Restaurant zu eröffnen. In ihrem Mietshaus im hessischen Sulzbach fühlten sie sich vom Teufel und von Dämonen verfolgt, schließlich siedelten sie in das Frankfurter Hotel über. Dort kam es bereits in der ersten Nacht zu der tödlichen Teufelsaustreibung.

Die Verteidiger hatten in vier Fällen Bewährungsstrafen und für den 16-jährigen Sohn des Opfers einen Freispruch gefordert. Die fünf koreanischen Angeklagten standen seit Oktober vor Gericht.

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