Frankfurter Feuerwehr
Frankfurter Feuerwehr: Fakten gegen Aufgeregtheit Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Die Frankfurter Feuerwehr setzt auf Twitter, um in Echtzeit über Einsätze zu informieren. Ein Testalarm bestätigte den gewünschten Schneeballeffekt. Ein Problem aber bleibt: Twitter weckt niemand auf.

  • Die Frankfurter Feuerwehr setzt Twitter ein, um Journalisten und andere Multiplikatoren sowie Bürger schnell und zeitgleich zu informieren.
  • Ein von Wissenschaftlern begleiteter Test belegte den gewünschten Schneeballeffekt für Warnmeldungen auf Twitter.
  • Die Feuerwehr prüft auch, ob ein Alarm über Smartphone-Apps sinnvoll wäre oder es wieder flächendeckend Sirenen geben soll.

Mit dem Bürger von heute ist das so eine Sache: Durch einen einfachen Alarm per Sirene lässt er sich kaum noch aus der Ruhe bringen. "Deswegen unterbricht der Bürger nicht sein Leben", sagt der Kommunikationschef der Frankfurter Feuerwehr, Markus Röck. Andererseits will der Bürger sofort alle Fragen von der Obrigkeit beantwortet haben, wenn er sich denn mal sorgt.

Seit zudem die halbe Stadt mobil und ständig online scheint, gilt für die Feuerwehr: "Neben der realen Lage haben wir immer auch eine virtuelle Lage." Bürger und Journalisten suchen im Internet nach Neuigkeiten, sobald es irgendwo qualmt . Für Röck ist klar: Will er Feuer in der Gerüchteküche löschen, braucht er "einen starken Kanal, der schnell für alle funktioniert".

Fakten gegen Aufgeregtheit

Röck und sein Team haben deshalb die Suche nach diesem Kanal begonnen. Eine Antwort auf die neue virtuelle Lage gibt die Frankfurter Feuerwehr seit Oktober 2014 auf Twitter. Mit einem Twitter-Marathon machte sie ihren Account im März bekannt. Heute folgen dem Twitter-Kanal fast 10.000 Nutzer.

Nicht zuletzt die Anschläge in Paris und die Terror-Einsätze in Brüssel hätten gezeigt, wie wichtig es auch für die Einsatzkräfte sei, in den sozialen Medien präsent zu sein – und der Aufgeregtheit Fakten entgegenzusetzen, sagt Röck. Zuletzt nutzte die Polizei in München vor allem Twitter für die Terrorwarnung in der Silvesternacht.

Bereits im April schickte die Feuerwehr einen Testwarnungs-Tweet in die Welt, um zu schauen, wie er sich verbreitet. Eine Messung mit Hilfe der Uni Stuttgart belegte, dass der erhoffte Schneeballeffekt eintrat. Das Ergebnis stellte die Feuerwehr im Dezember im zuständigen Ausschuss der Stadt vor.

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Auf der Suche nach dem Weckeffekt

Röck attestiert dem Kurznachrichtendienst eine Reihe von Vorteilen: Twitter erlaubt in kurzem Takt viele Informationen, die jedermann zeitgleich ohne Freischaltung einsehen kann – Journalisten ebenso wie Bürger oder Behörden. Und Twitter erlaubt Rückfragen. Die klassische Pressemeldung dagegen ist langsam und erreicht nur einen ausgewählten Verteiler.

Einen Nachteil aber hat Twitter: Niemand wird von einem Tweet aus dem Schlaf gerissen. "Es gibt keinen Weckeffekt", sagt Röck. Das fällt weniger ins Gewicht, wenn es um die angekündigte Entschärfung einer Weltkriegsbombe geht – aber doch, wenn vor akuten Gefahren für die Gesundheit gewarnt wird.

Die Feuerwehr überlegt darum, ob es nicht sinnvoll sein könnte, wieder Sirenen aufzustellen. Derzeit stehen die nur noch bei Chemie-Betrieben in Griesheim, Fechenheim und Höchst. Ohne Zusatzinfos funktioniere das aber nicht, die Menschen würden die Signale nicht mehr kennen, sagt Röck. Die Erfahrung: Kein Wochenmarkt würde abgebrochen, nur weil die Sirene heult.

Von Warn-App verabschiedet

Von der Warn-App Katwarn fürs Smartphone hat sich die Frankfurter Feuerwehr wieder verabschiedet. Sie alarmiert zwar per Push-Meldung auf dem Handy, allerdings mit so vagen Informationen, dass die Welle an Nachfragen bei der Feuerwehr stets die Telefone lahmlegte. Bliebe als Möglichkeit die ähnliche Nina-App des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Hier aber ist der lokale Einfluss begrenzt.

Einen fixen Zeitplan für eine Empfehlung an die Stadtpolitik gibt es noch nicht. "Was kostet das, was ist realistisch, was akzeptieren die Menschen", nennt Röck als Fragen. Klar ist, dass die Entscheidung sitzen muss. Denn ein Weckeffekt-System, das sich ständig ändert, würde mehr verwirren als helfen.

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