Richter, Angeklagte und Verteidiger im Hanauer Doppelmord-Prozess
Richter, Angeklagte und Verteidiger im Hanauer Doppelmord-Prozess Bild © hr

Sie haben ein Ehepaar aus Maintal getötet und die Leichen unter dem Mist verscharrt. Trotzdem sprach das Landgericht Hanau einen Vater und seinen Sohn am Mittwoch frei. Das führte zu Empörung im Gerichtssaal.

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Ein Jahr ist es her, dass ein Streit um Mietschulden für eine Pferde-Ranch in Maintal (Main-Kinzig) tödlich endete. Nun ist der Prozess um den Tod eines 57 Jahre alten Mannes und seiner gleichaltrigen Frau vor dem Landgericht Hanau zu Ende gegangen - mit einem Freispruch für die beiden Angeklagten. Für Sohn und Tochter der Getöteten war der Urteilsspruch ein Schock: Noch während der Vorsitzende Richter die Entscheidung begründete, stürmten sie aus dem Saal.

Kurz kehrte die Tochter zurück, rief dem Richter zu, sein Urteil sei eine "Schande". Dann lief sie erneut hinaus. Zuschauer, die im Saal blieben, protestierten lautstark mit Zwischenrufen wie "Mörder" oder "Skandal". Das Gericht unterbrach die Urteilsbegründung und rief Polizisten herbei, um die Lage zu beruhigen. "Ein Urteil, das man nicht nachvollziehen kann", sagte der Anwalt der Nebenklage der hessenschau. Ebenso wie die Staatsanwaltschaft kündigte er an, in Revision gehen zu wollen.

"Die Wahrheit kennen nur die Angeklagten"

Dann befasst sich der Bundesgerichtshof mit dem Fall. Die Anklage ist nach wie vor überzeugt, dass die beiden Freigesprochenen schuldig sind: der Vater des Mordes, sein Sohn des Totschlags. Doch nach Auffassung des Gerichts hat die Staatsanwaltschaft ihre Anklage nicht beweisen und der Prozess die Aussagen der beiden Beschuldigten nicht widerlegen können. Vater und Sohn hatten nicht bestritten, das Ehepaar getötet zu haben. Sie beriefen sich aber auf Notwehr.

"Im Zweifel für den Angeklagten" - diesen Rechtsgrundsatz wiederholte der Richter in seiner Urteilsbegründung mehr als einmal. Was tatsächlich geschehen sei, wüssten noch immer nur die beiden Männer. "Es gab keine unmittelbaren Tatzeugen, aber es ist ausgeschlossen, jemanden aufgrund bloßer Spekulationen zu verurteilen.", sagte der Richter.

17 Stiche, Schüsse von hinten

Der Sohn sei zudem nur vermindert schuldfähig. Der 30-Jährige hatte ausgesagt, der Vermieter sei mit dem Messer auf ihn losgegangen. Seine Version: Weil er um sein Leben fürchten musste, stach er selbst immer wieder zu. 17 Stiche wies die Leiche auf.

Die Kammer billigte ihm Notwehr zu - und dem Vater Nothilfe. Der Mann war laut Verteidigung eingeschritten, als die Frau seinen Sohn mit einem Beil attackierte. Er erschoss sie aus zwei Metern Entfernung. Was nach Ansicht der Nebenklage entschieden gegen die Notwehr-These spricht: Zwei Schüsse hätten die Frau von hinten getroffen.

Messerstiche und Pistolenschüsse

Die Tochter der Getöteten hatte ihre Eltern im vergangenen Sommer bei der Polizei als vermisst gemeldet. Der Wagen der beiden Opfer wurde rasch gefunden, die Leichen dagegen erst nach langer Suche. Ein Einsatz von Tauchern im Main blieb ergebnislos. Dann folgte die schreckliche Entdeckung auf dem Gelände einer Pferde-Ranch: Die Vermissten waren tot, die Leichen vergraben worden.

Die Spurenermittler fanden heraus: Die Toten hatten erst unter einem Sandhaufen gelegen, wurden dann neben einer Gartenhütte vergraben. Darüber türmten die nun Freigesprochenen einen Misthaufen auf. Sie erklärten das mit der Angst, niemand werde ihnen eine Notwehrhandlung glauben.

Für den Vater hatte die Staatsanwaltschaft lebenslange, für den eingeschränkt schuldfähigen Sohn siebeneinhalb Jahre Haft beantragt. Durchgesetzt hat sich nun vorerst die Verteidigung mit ihrem Plädoyer für Freisprüche.

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