Schuljunge mit Schulranzen
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Ein schlafender Sechsjähriger ist in Homberg (Efze) in einem Schulbus vergessen und eingeschlossen worden. Fahrer und Busunternehmen drohen ernste Konsequenzen.

Wie jeden Tag ist der sechs Jahre alte Fynn-Luca nach der Schule in Homberg (Efze) in den Bus gestiegen, um nach Hause zu fahren. Doch am vergangenen Freitag endete seine Fahrt nicht im rund drei Kilometer entfernten Dorf Mörshausen, sondern auf dem Stellplatz des Busses im Industriegebiet der Schwalm-Eder-Kreisstadt.

Der Junge bemerkte dies, als er völlig allein im Bus aufgewacht ist. Der Fahrer hatte offenbar entgegen der Vorschriften vor dem Aussteigen den Bus nicht mehr kontrolliert. Und so waren die Türen auch verschlossen.

Busschlüssel gefunden, Tür geöffnet

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Doch zu seinem Glück fand der Sechsjährige in einem Fach die Busschlüssel, wie er der HNA berichtete. Nachdem er mit einem Knopf die vordere Tür geöffnete habe, sei er ausgestiegen und über einen Zaun geklettert und so schließlich zu einer Spedition gelangt.

Für die besorgten Eltern kam dann die erlösende Nachricht, dass ihr Sohn gefunden wurde. Sie hatten ihn bereits gesucht und informierten umgehend die Schule und das Busunternehmen Bonte, das für die betroffene Linienstrecke beauftragt ist. Zudem erstatteten die Eltern Anzeige bei der Polizei.

Polizei: "Busfahrer handelte nicht vorsätzlich"

Nach derzeitigem Ermittlungsstand habe der Busfahrer den Jungen nicht vorsätzlich im Bus zurückgelassen, sagte Polizeisprecher Markus Brettschneider am Montag zu hessenschau.de. Vermutlich habe der Mann vergessen, das Fahrzeug zu kontrollieren. "Deshalb wird nicht wegen des Verdachts der Freiheitsberaubung ermittelt, wie es zunächst hieß."

Am Montag sollten der Junge und der Fahrer vernommen werden. Anschließend werde der Fall der Staatsanwaltschaft übergeben. Ob es dann zu einem Verfahren gegen den Busfahrer kommen werde, sei noch offen.

Verträge mit Busunternehmen werden geprüft

Schwalm-Eder-Landrat Winfried Becker (SPD) ist dennoch empört. "So etwas darf nicht passieren. Die Fahrer müssen den Bus nach dem Abstellen noch mal kontrollieren, erst recht wenn sie Schüler gefahren haben", sagte er am Montag zu hessenschau.de.

Das Busunternehmen Bonte fahre mit vier Fahrzeugen im Landkreis. Die Auftragsgesellschaft Nahverkehr Schwalm-Eder (NSE) werde am Montag kommender Woche darüber beraten, ob die Verträge vorzeitig gekündigt werden.

Zweiter Vorfall mit selber Busfirma

Besonders ärgerlich sei, dass es bereits der zweite Vorfall innerhalb kurzer Zeit gewesen sei. Ein anderer Busfahrer habe vor kurzem ein Kind während der Fahrt auf dem Armaturenbrett sitzen lassen. "Wir werden so was nicht dulden", sagte Becker.

Nach Angaben des Landrats hat das Busunternehmen bereits erste Konsequenzen gezogen. "Beide Fahrer werden nicht mehr im Landkreis eingesetzt", sagte Becker. Zudem habe sich die Firma bei der Familie und beim Landrat selbst entschuldigt. "Man bedauere, dass ein schlafendes Schulkind im Bus übersehen wurde", teilte das Unternehmen mit.

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