Hände in Handschellen halten eine Mappe.
Die Hände des Angeklagten beim Prozess vor dem Landgericht Hanau. Bild © picture-alliance/dpa

Er hatte das Gesicht seines Opfers verstümmelt - wollte er sein Opfer sogar essen? Im Hanauer Prozess gegen einen 20-Jährigen äußerte ein Zeuge am Mittwoch den Verdacht des Kannibalismus.

Bislang war bekannt, dass der Angeklagte seinem Opfer in Hals und Augen gestochen und ihm die Ohren abgebissen haben soll. Eine Steigerung der Grausamkeit schien kaum mehr möglich. Doch im Prozess um die Gesichtsverstümmelung von Schlüchtern war am zweiten Verhandlungstag die Rede von Kannibalismus.

Ein Polizist berichtete am Mittwoch als Zeuge am Landgericht Hanau von der Vernehmung des Geschädigten. Dabei habe ihm der schwer misshandelte junge Mann berichtet, dass der Angreifer ihm während der Attacke gesagt habe, dass er sein Fleisch essen werde.

Zweifel am Motiv Geldschulden

Angeklagt wegen versuchten Mordes sowie schwerer und gefährlicher Körperverletzung ist ein heute 20-Jähriger wegen der Bluttat im Oktober 2016. Der damals 18 Jahre alte Geschädigte ist seit dem Überfall in seiner Wohnung blind und von den Wunden für sein Leben gezeichnet. Er hat sich offenbar in die Schweiz abgesetzt und erschien erneut nicht vor Gericht. Nach Angaben der Nebenklage-Anwältin sei es aber gelungen, telefonisch Kontakt zu ihm herzustellen.

Der Angeklagte machte bislang keine Angaben zu den Tatvorwürfen. Die Staatsanwaltschaft geht in ihrer Anklage davon aus, dass der 20-Jährige sein Opfer wegen einer ausstehenden Geldschuld von 50 Euro angegriffen haben könnte. Richterin Susanne Wetzel meldete aber bereits zum Prozessauftakt am Montag Zweifel an diesem Motiv an. Sie sprach von einer "ausgesprochen brutalen und bizarren Tat".

Messer und Gabel am Tatort

Die Aussage des Kriminaloberkommissars richtete am Mittwoch den Verdacht auf Kannibalismus. Denn bereits zum Prozessauftakt hatte ein anderer Polizeibeamter als Zeuge ausgesagt, dass ihm beim Anblick des Misshandelten am Tatort gleich "Gedanken an Kannibalismus und rituelle Handlungsweisen" gekommen seien. Am Tatort wurden unter anderem Messer und eine Gabel gefunden.

Täter und Opfer waren vor einigen Jahren als unbegleitete minderjährige Flüchtlinge nach Deutschland gekommen und hatten sich in einer Jugendhilfeeinrichtung kennengelernt.

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