S&K Gründer verlässt Gericht
Einer der Gründer von S&K (re.) verlässt zusammen mit einem Bekannten das Gerichtsviertel in Frankfurt. Bild © picture-alliance/dpa

Die Gründer der Frankfurter Immobilienfirma S&K haben tausende Anleger geprellt. Dafür müssen sie nun mehrere Jahre in Haft. Zunächst kamen die beiden Hauptangeklagten aber auf freien Fuß.

Videobeitrag

Video

zum Video S&K-Gründer verurteilt

Ende des Videobeitrags

Nach mehr als anderthalb Jahren ist am Mittwoch der Prozess gegen die beiden Gründer des Frankfurter Immobilienunternehmens S&K zu Ende gegangen. Das Landgericht Frankfurt verurteilte Stephan S. und Jonas K. am Mittwoch wegen Untreue zu je achteinhalb Jahren Haft und blieb damit am unteren Rand der zuvor erzielten Absprache zwischen Staatsanwaltschaft, Gericht und Verteidigung.

Angeklagte auf freiem Fuß

Die Anklage hatte den Vorwurf des schweren und bandenmäßigen Betrugs fallengelassen, nachdem die Angeklagten die ihnen ebenfalls zur Last gelegte Untreue gestanden hatten. Der Schadensrahmen reduzierte sich so von 240 Millionen auf 90 Millionen Euro, da Anklagevorwürfe teilweise eingestellt wurden. Zwei Mittäter wurden ebenfalls nach Absprachen zu sechs und viereinhalb Jahren Haft verurteilt. Einer war schon auf freiem Fuß, der andere wurde am Mittwoch ebenfalls frei gelassen.

Das Gericht setzte auf Antrag der Staatsanwaltschaft die Angeklagten nach mehr als vier Jahren Untersuchungshaft zunächst auf freien Fuß. S. und K. müssen ihre Reststrafen später antreten. Über eine mögliche Aussetzung der Haft nach der Hälfte oder zwei Dritteln der Zeit entscheidet später ein anderes Gericht.

Richter: "Das letzte Hemd hat keine Taschen"

Der Vorsitzende Richter Alexander El Duwaik skizzierte am Mittwoch noch einmal die ungewöhnlichen Dimensionen des seit September 2015 laufenden S&K-Verfahrens, bei dem allein die Verlesung des 1.200-seitigen Anklagesatzes fast drei Monate in Anspruch genommen hatte.

Erst als sich nach über einem Jahr Verhandlung Gespräche zwischen den Verfahrensbeteiligten angedeutet hätten, sei "der Wagen der Justiz in Gang gesetzt worden und am Ende schneller gefahren als ein Lamborghini", sagte der Richter mit Blick auf die Verfahrensbeschleunigung der vergangenen Monate.

Den geschäftlichen Aktivitäten der S&K-Gründer zollte der Richter grundsätzlich Anerkennung. Es sei schon "ganz ordentlich" gewesen, "was da auf die Beine gestellt" worden sei. Nur: Am Ende sei alles "aus dem Ruder gelaufen". Statussymbole wie teure Autos oder ein aufwendiger Lebensstil seien "nicht alles im Leben", sagte der Richter den recht entspannt blickenden Angeklagten: "Das letzte Hemd hat keine Taschen. Wenn es anders wäre, wäre die Gier ja noch größer".

11.000 Anleger betrogen

Die Angeklagten waren im Februar 2013 nach einer Großrazzia in Haft genommen worden. Sie sollen rund um S&K ein Firmengeflecht aufgebaut haben, mit dem rund 11.000 Anleger um Millionen Euro gebracht wurden. An die 25 Millionen Euro, die noch vorhanden sind, fließen nach dem Urteil nicht in die Staatskasse, sondern stehen für die Schadenswidergutmachung zur Verfügung.

Der Betrugsvorwurf wurde allerdings vom Gericht nicht aufgeklärt, weil das eine weitere jahrelange Beweisaufnahme bedeutet hätte. Der Prozess zog sich auch so schon über 110 Verhandlungstage.

In ihren Geständnissen zum Prozessende hatten sich die beiden Hauptangeklagten entschuldigt und ihr Verhalten als gierig und schäbig bezeichnet. Der Vorsitzende Richter lobte die Geständnisse als glaubhaft und werthaltig. Die Angeklagten hätten mehr erzählt als nötig.

Geständnisse wirkten strafmildernd

Die Geständnisse der vier Angeklagten und deren fehlende Vorstrafen wurden strafmildernd angerechnet. Strafverschärfend wurde unter anderem die "große kriminelle Energie" der Angeklagten gewertet. Persönlich sollen sich die Hauptangeklagten um insgesamt 5,7 Millionen Euro bereichert haben. Mit dem Geld finanzierten sie ihren eigenen Angaben zufolge ihren aufwendigen Lebenswandel mit Autos, Häusern und exzessiven Partys.

Die Staatsanwaltschaft zeigte sich erleichtert über den Abschluss des Großverfahrens, aber auch zurückhaltend über die Strafmaße: "Eine Neun vor dem Komma wäre uns bei den Hauptangeklagten sicher lieber gewesen", sagte Staatsanwalt Dennis Bodenbenner. Man werde über das weitere Vorgehen beraten. Die Verteidiger gaben sich nach der Urteilsverkündung zufrieden - die Strafen entsprechen weitgehend ihren Anträgen.

Das könnte Sie auch interessieren