Das Limburger Rathaus
Hier stiehlt der Fuchs vorerst keine Gans. Bild © Roland Meinecke, GFDL

Die Melodie von "Fuchs, Du hast die Gans gestohlen“ erklingt erst einmal nicht mehr aus dem Türmchen des Limburger Rathauses. Einer veganen Tierschützerin war das Kinderlied auch in der Instrumentalversion zu heftig.

33 Lieder hat das Glockenspiel im Turm des Limburger Rathauses im Repertoire. Die dazugehörigen Weihnachtslieder wie "Stille Nacht“ sind saisonbedingt zurzeit nicht in der Rotation. Auf ein anderes Lied wird vorübergehend auch verzichtet - um die Gefühle einer Veganerin zumindest zeitweise zu schonen. Einen entsprechenden Bericht der Nassauischen Neuen Presse bestätigte ein Sprecher der Stadt am Mittwoch hessenschau.de.

Den Schuss des Jägers in den Ohren

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Es handele sich um keinen Fastnachtsscherz. Die Frau, die gegenüber dem Rathaus arbeitet, hat bei Bürgermeister Marius Hahn (SPD) demnach aus Gründen des Tierschutzes gegen das Erklingen des Kinderlied-Klassikers "Fuchs, Du hast die Gans gestohlen“ protestiert. Der Bürgermeister habe der Limburgerin daraufhin "unspektakulär einen Gefallen erweisen wollen“, zumal sie freundlich angefragt habe.

Es sei nicht der Gans-Diebstahl gewesen, der die Frau an dem Lied geärgert habe. Vielmehr traf sie die im Liedtext geäußerte Drohung:  "Sonst wird dich der Jäger holen, mit dem Schießgewehr ...“ Dass aus dem Turm eine rein instrumentale Version zum Besten gegeben wurde, war offenbar kein Trost.

"Der Hahn ist nicht vegan"

Die Stadt legt Wert auf die Feststellung: Bürgermeister Hahn habe lediglich nett sein wollen und es handele sich um ein vorübergehendes Entgegenkommen – ohne ideologischen Hintergrund.  Beim nächsten Wechsel in der Glockenspiel-Rotation werde "Fuchs, Du hast die Gans gestohlen" wieder aufgenommen.

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Der Text

"Fuchs, du hast die Gans gestohlen, gib sie wieder her!/ Sonst wird dich der Jäger holen, mit dem Schießgewehr.
Eine große, lange Flinte, schießt auf dich den Schrot,/dass dich färbt die rote Tinte und dann bist du tot.
Liebes Füchslein, lass dir raten, sei doch nur kein Dieb. Nimm, du brauchst nicht Gänsebraten, mit der Maus vorlieb.“
Der Liedtext von Ernst Anschütz wurde 1824 unter dem Titel "Warnung" veröffentlicht.

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Der Bürgermeister lässt außerdem ausrichten: Er wundere sich über das mediale Interesse an der "bürgerfreundlichen Änderung". Er selbst hatte die Sache nach Angaben seines Sprechers publik gemacht - bei Auftritten als Büttenredner, wie zuletzt am Mittwoch bei einer Frauenfastnachtsveranstaltung.  "Der Hahn, der Hahn ist nicht vegan und er sagt’s ganz unverhohlen: Fuchs, du hast die Gans gestohlen“, hatte der Politiker mit Blick auf seinen Nachnamen zu der Angelegenheit gereimt.

Wackelt der Husarenmarsch?

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Veganer Protest Limburg

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Die Limburger Stadtverwaltung will ihrem Sprecher zufolge jetzt nicht untersuchen, ob weitere Lieder die Gefühle von Zuhörern verletzen könnten. Zu den jeweils gut einminütigen Melodien, die gespielt werden, gehören mit Blick auf die Partnerstädte sechs Nationalhymnen, Volkslieder wie "Muss I denn“ und "Es klappert die Mühle" oder auch der Husarenmarsch.

Proteste von Atheisten gegen "Wem Gott will rechte Gunst erweisen“ habe es auch noch nicht gegeben, hieß es auf Nachfrage. "Fuchs, Du hast die Gans gestohlen“ war übrigens nicht von Beginn an dabei. Es löste im Rathaus-Glockenspiel "Horch, was kommt von draußen rein“ ab – laut Stadtverwaltung aber nicht, weil es schon gegen dieses Lied Beschwerden gegeben hätte.

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