Hessenpark
Im Hessenpark können Besucher in die hessische Kultur abtauchen Bild © picture-alliance/dpa

Vor einem Jahr wurde das Freilichtmuseum Hessenpark massiv angefeindet, weil es Flüchtlingen freien Eintritt gewährte. Nun ist der Verfasser einer beleidigenden Mail zu einer Geldstrafe verurteilt worden.

Der Rentner aus Rostock (Mecklenburg-Vorpommern) hatte im Februar 2016 in einer Mail an den Hessenpark in Neu-Anspach (Hochtaunus) unter anderem geschrieben, der Geschäftsführer sei ein "Volksverhetzer". Dafür muss der nicht vorbestrafte Mann nach einem Strafbefehl vom Freitag 900 Euro bezahlen (30 Tagessätze). Das entschied das Amtsgericht Bad Homburg.

Die Mail des Rentners gehörte nach Auskunft des Geschäftsführers damals noch zu den harmloseren Schreiben, die der Hessenpark wegen freien Eintritts für Flüchtlinge erhielt. In anderen sei zum Beispiel gedroht worden, Hessenpark-Mitarbeitern etwas anzutun. 

Im Internet war unter anderem auch mit dem Kommentar "Diskriminierung gegen uns Deutsche" ein Foto der Preisliste des Hessenparks veröffentlicht und zu Kommentaren aufgefordert worden. Die schlimmsten Kommentare des damaligen Shitstorms waren später an die Polizei weitergeleitet worden.

Unterstützung überwog Hasskommentare

Es gab aber auch viele positive Zuschriften. Tausende Menschen bewerteten den Hessenpark im Internet positiv, nahmen zu Hasskommentaren Stellung und bestärkten das Museum, sich in seiner Haltung nicht beirren zu lassen.

Auch Vertreter aller hessischen Fraktionen verurteilten die Anfeindungen und stellten sich demonstrativ hinter das Museum. Es dürfe nicht sein, "dass der Hessenpark und seine Mitarbeiter Anfeindungen ausgesetzt werden", betonte unter anderem Aufsichtsratschefin und Finanzstaatssekretärin Bernadette Weyland (CDU). In dem Freilichtmuseum seien Geschichte und Tradition für alle Hessen erlebbar, und deswegen sei es wichtig, dass auch Menschen, die Einwohner dieses Bundeslandes werden wollten, die Ausstellung mit ihren alten Gebäuden und Siedlungsformen besuchen könnten.

Die Zahl der unterstützenden Reaktionen war dem Geschäftsführer des Hessenparks zufolge dreimal höher als die der negativen. Zudem würden seitdem immer mehr Flüchtlinge den Hessenpark besuchen. Auch insgesamt verbuchte das Freilichtmuseum im vergangenen Jahr ein weiteres Besucherplus: 229.000 Besucher wurden 2016 gezählt, sechs Prozent mehr als im Vorjahr. Durch die Presseresonanz sei das Museum weit über die Grenzen Hessens bekannt geworden, begründete der Geschäftsführer.

Sendung: hr-iNFO, 21.4.2017, 17 Uhr

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