Justizia
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In einem Zelt am Gardasee hatte ein 19-Jähriger Sex mit einer 16-Jährigen. Vor siebeneinhalb Jahren war das. Jetzt steht der Mann in Limburg vor Gericht – wegen Vergewaltigung einer Urlaubsbekanntschaft.

Der Fall, der seit Donnerstag die 1. große Jugendstrafkammer am Landgericht Limburg beschäftigt, hatte sich im Sommer des Jahres 2008 abgespielt. Aktenkundig wurde er erst 2014: Da traf eine junge Frau auf einer Straße in Mainz zufällig einen Mann aus Herborn wieder, von dem sie später bei der Polizei aussagte, er habe sie damals auf einem Campingplatz am Gardasee vergewaltigt.

Vergewaltigung oder einvernehmlicher Sex?

Die Staatsanwaltschaft glaubt der Frau. Eine mögliche Erklärung für die späte Strafanzeige: Das unerwartete Wiedersehen mit dem Mann weckte die traumatischen Erinnerungen an die Vergewaltigung in Italien – und den Willen, alles doch noch anzuzeigen.

Der 27 Jahre alte Mann, der inzwischen Polizeibeamter ist, bestritt zum Prozessauftakt den Vorwurf, er habe die Frau auf einer Luftmatratze zum Sex gezwungen. Sie sei völlig einverstanden gewesen, sagte er.

Schwierige Beweisführung - wer sagt die Wahrheit?

Das Gericht steht so lange Zeit nach der Tat vor einer schweren Aufgabe: Es gibt keine Beweise, keine direkten Zeugen. Die Staatsanwaltschaft hält das mutmaßliche Opfer für glaubwürdig und weist vor allem auf eine Belastungszeugin hin: eine Freundin, der die Frau unmittelbar nach der Vergewaltigung genau das Gleiche berichtet habe, wie Jahre später den Ermittlern. Demnach hatte die seinerzeit 16-Jährige im Zelt unmissverständlich klargemacht, dass sie keinen Sex will.

Vom Richter befragt, sagte der Angeklagte, er könne sich den Vorwurf nur als Folge einer Verhütungspanne erklären, die beide psychisch belastet habe. Denn er sei damals in Panik geraten und aus dem Zelt gerannt, als ein Kondom geplatzt sei. Im Einvernehmen mit dem Mädchen habe er am nächsten Tag ein Rezept für die "Pille danach“ besorgt, die sie auch eingenommen habe.

Auschluss aus dem Polizeidienst droht

Die Limburger Jugendkammer verhandelt den Fall, weil der Angeklagte zum Zeitpunkt der angeklagten Tat noch Heranwachsender war. Dem Mann droht bei einer Verurteilung neben einer Haftstrafe auch der Ausschluss aus dem Polizeidienst. Verjährt wären die Vorwürfe erst nach 20 Jahren gewesen. Das Gericht hat bis Ende März fünf weitere Verhandlungstage angesetzt.

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