Pelz Ermittler der Pelz Polizei auf der Zeil
Die "Pelz Ermittler" Michael Seitz (li.) und Jennifer Schöpf auf der Frankfurter Zeil. Bild © Sophia Averesch (hessenschau.de)

Sie sind flauschig, halten warm und sehen winterlich aus: Fellbommeln an Mützen, Pelzkragen an Winterjacken. Doch die modewussten Trägerinnen und Träger können es dieser Tage mit selbsternannten "Pelz Ermittlern" zu tun bekommen.

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Ihr Outfit erinnert entfernt an die blau-schwarzen Uniformen der Stadtpolizei, ein Abzeichen in Stern-Form prangt auf dem Stoff der Jacke am linken Oberarm. Michael Seitz und Jennifer Schöpf gehen die Frankfurter Zeil auf und ab, ihr Blick filtert die Menschenmengen auf der Einkaufsmeile. Die Mitarbeiter des "Deutschen Tierschutzbüros" fühlen sich "auf Streife": Sie suchen keine Taschendiebe, sondern Pelzträger.

Seitz und Schöpf nennen sich "Pelz Ermittler", vom früher verwendeten Label "Pelz Polizei" sind sie vorsorglich abgerückt, denn das hatte schon einmal Ärger eingebracht. Schon aus der Ferne erkennen sie ihre Delinquenten - meist am wuscheligem Fellkragen der Jacke oder der flauschigen Pelzbommel der Mütze.

"Weißt du, dass du Marderhund trägst?"

"Ich sehe, Sie tragen gerade Pelz" oder "Weißt du, dass das echtes Fell an deiner Jacke ist?" - so lautet meist die Ansprache an Passanten. Auf der Zeil ist die 20-jährige Vanessa nun ins Visier der "Ermittler" geraten. Sie trägt einen breiten Fellkragen an der Kapuze ihrer grünen Winterjacke. "Das ist Marderhund", rügt Schöpf: "Weißt du, dass du Marderhund trägst?"

Die 20-Jährige zeigt sich geschockt: "Ich wusste nicht, dass das Hund ist. Ich habe selber einen Hund und bin großer Tierfan. Es ist wohl Zeit für eine neue Jacke ohne Fell." Gerade der Marderhund, eine Wildhundart aus China, werde besonders oft für Jackenkragen verwendet, weiß Tierschützerin Jennifer Schöpf.

Pelz Polzei ermittelt auf Frankfurter Zeil
Die 20-jährige Vanessa trägt einen echten Pelzkragen - vom Fell eines Marderhundes. Jetzt ist sie geschockt. Bild © Sophia Averesch (hessenschau.de)

Deutsches Tierschutzbüro will Passanten aufklären

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Pelz Ermittler touren durch Deutschland

Die "Pelz Ermittler" touren durch ganz Deutschland mit der Straßenkampagne. Frankfurt war am Mittwoch die 31. Station, am Freitag sollten sich Pelzträger in Kassel warm anziehen.

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Um mit Menschen zu sprechen - dafür sind die "Pelz Ermittler" auf der Straße. Mit der Aktion "Pelz Polizei fahndet!" möchten sie darüber aufklären, wie viel Tierleid hinter Echtpelz-Bekleidung stecke. "Wir sprechen von einer Million Tiere pro Jahr, die für die Pelzindustrie sterben. Und der Trend ist steigend", klagt die 28-jährige Schöpf, die Tierschutz als Hauptberuf betreibt.

Das "Deutsche Tierschutzbüro" will mit der Kampagne Menschen zu bewussten Kaufentscheidungen motivieren - Kunden sollen Echtpelz von Kunstfell unterscheiden können. So lasse sich vermeiden, dass versehentlich Echtpelz gekauft werde, erläutert Schöpf.

Bei ihrer "Streife" gehen sie direkt auf Pelz- und Kunstfellträger zu. Ob es echtes Fell ist, ist den "Ermittlern" dabei zunächst einmal gleichgültig: "Man ist immer ein modisches Aushängeschild. Wenn man Pelz oder Kunstfell trägt, wird Pelz nie aus dem Straßenbild verschwinden. Man regt Nachkäufe an und produziert dadurch mehr Tierleid", postulieren die Tierschützer. Ihr Wunsch: Gar kein Fell mehr an Bekleidungen.

Pelz Polzei ermittelt auf Frankfurter Zeil
Auch in der Frankfurter Innenstadt sind die "Pelz Ermittler" auf Jagd nach Pelzträgern. Bild © Sophia Averesch (hessenschau.de)

Echtpelz billiger als Kunstfell

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Seit 2016 gibt es das bundesweite Textilkennzeichnungsgesetz. Es besagt, dass Produkte, die "nichttextile Bestandteile tierischen Ursprungs" enthalten, gekennzeichnet werden müssen. Damit sind Pelze, aber auch Daunen oder Leder gemeint. Bei Verstößen gegen die Kennzeichnungspflicht drohen Geldbußen bis 10.000 Euro.

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Der Preis sei mittlerweile kein Indiz mehr, ob es sich um Echt- oder Kunstfell handele, sagt Tierschützerin Schöpf: "Echtpelz ist sogar meist billiger. Die Tiere werden extra in Massenhaltung für die Jacken gezüchtet. Sie leben in kleinen Käfigen und werden oft lebendig gehäutet." Durch die billige Produktion könnte der Handel den Echtpelz billig verkaufen - so günstig, dass die Herstellung von textilem Kunstfell teurer sei.

Auf die gesetzliche Kennzeichnungspflicht könne man sich nicht verlassen, meint Schöpf. Es gebe zu wenig Kontrollen. Händler kämen ihrer Pflicht nicht nach, tierische Bestandteile zu kennzeichnen.

Beschwerden über "Pelz Polizei"

Der Auftritt der Tierschützer hat anderswo schon für Ärger gesorgt. In Bielefeld (Nordrhein-Westfalen) leitete die Polizei ein Strafverfahren gegen die damals noch als "Pelz Polizei" in blauen Uniformen mit einem aufgedruckten Abzeichen aufgetretenen Aktivisten ein. Es bestehe der Verdacht des Missbrauchs von Titeln, Berufsbezeichnungen und Abzeichen, wie es in einer Pressemitteilung heißt. Die Staatsanwaltschaft Bielefeld prüft zur Zeit die Vorwürfe. Ein Ermittlungsverfahren sei aber nicht eingeleitet, wie Staatsanwalt Christopher Mackel sagt: "Wir sind in der Vorermittlungsphase. Wir prüfen, ob es sich um Amtsanmaßung handelt."

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"Scharia-Polizei"

In Wuppertal (Nordrhein-Westfalen) benutzten 2014 Salafisten den Titel "Polizei". Unter dem Namen "Scharia-Polizei" sprachen sie muslimische Bürger vor Spielhallen und Gaststätten an, um sie vom Alkoholverzehr und dem Glücksspiel abzuhalten. Die selbst ernannten Sittenwächter trugen Signalwesten mit der Aufschrit "Shariah Police". Sie wurden wegen Verstoßes gegen das Uniformverbot angeklagt, vom Landgericht allerdings freigesprochen.

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Dem "Deutschen Tierschutzbüro" liegen noch keine offiziellen Beschwerden vor, sagt Sprecher Jan Peifer. Trotzdem haben die Tierschützer ihren Namen gewechselt - aus der "Pelz Polizei" sind die "Pelz Ermittler" geworden. Auch das Abzeichen sieht nun anders aus. "Wir wollen der Diskussion um unseren Namen aus dem Weg gehen. Unser Thema ist 'Pelz: ja oder nein?', nicht 'Polizei: ja oder nein?'", sagt Peifer.

Frankfurter Polizei tolerant

Für die Frankfurter Polizei seien die "Pelz Ermittler" kein Problem, sagt Sprecherin Chantal Emch, zumal sie nicht als "Pelz Polizei" aufgetreten seien. Man sehe auch keinen Anhaltspunkt für einen Verstoß gegen das Uniformverbot: "Das Uniformverbot hat einen nationalsozialistischen Hintergrund. Keine polizeiähnliche Gruppe soll sich dadurch etablieren - wie die Schutzstaffel (SS) im Nationalsozialismus." Bei den "Pelz Ermittlern" handele es sich um eine einmalige Aktion. "Die Tierschützer haben sich außerdem sehr zuvorkommend verhalten", sagt Emch. Rechtliche Schritte wolle man nicht einleiten.

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Wie man Echtpelz erkennt

Um Echtpelz vom Kunstfell zu unterscheiden, kennt Tierschützerin Schöpf kleine Kniffe:

  • 1. Methode: Ins Fell pusten: Wehen die Haare geschmeidig wehen, dann sind es Tierhaare. Kunstpelz ist eher steif.
  • 2. Methode: Die Unterschicht des Fells prüfen: Beim Tierfell gibt es eine helle Lederhaut. Kunstfell hat eine textile Unterschicht.
  • 3. Methode: Haare des Fells anzünden: Riechen die Haare nach Horn oder verbranntem Haar, dann sind es Tierhaare.
  • Die Schritte hat youfm in kurzen Videos zusammengefasst.
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