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"Auf Funksprüche nicht mehr reagiert" - der Pilot dieses Helikopters hat am Sonntag für Aufregung bei der Deutschen Flugsicherheit gesorgt. Bild © hr

Der Verstoß eines Helikopter-Piloten gegen ein Flugverbot über der Frankfurter City könnte ein teures Nachspiel haben. Mehrere Linienmaschinen am Flughafen mussten umgeleitet werden, die Behörden ermitteln in dem ungewöhnlichen Fall.

Der Helikopter hatte am Sonntagmorgen ein zweieinhalb Tonnen schweres Notstromaggregat auf den Taunusturm in der Frankfurter Innenstadt gebracht. Viele Schaulustige fanden sich ein, um den Coup auf dem 170 Meter hohen Bürogebäude zu beobachten. Wie sich später herausstellte, war die Aktion noch wesentlich spektakulärer als gedacht: Sie wurde gegen die ausdrücklichen Anweisungen der Deutschen Flugsicherung (DFS) durchgeführt.

"Wegen Nebels wurde dem Piloten des Transporthubschraubers die Freigabe für den Flug in die Innenstadt untersagt", bestätigte eine DFS-Sprecherin am Montag einen Bericht der "Frankfurter Neue Presse" und anderer Medien. Der Pilot habe sich nicht an die Anweisung gehalten. "Er hat sich der Anordnung der Fluglotsen widersetzt und auf Funksprüche nicht mehr reagiert", sagte die Sprecherin.

Flugzeuge mussten umgeleitet werden

Kontrollzone Flughafen Frankfurt
Bild © hessenschau.de

Um eine Kollision mit anderen Flugzeugen zu vermeiden, habe man Maschinen, die ursprünglich vom Flughafen aus in östlicher Richtung starten sollten, auf die Startbahn West umgeleitet. Deswegen sei es in der Zeit von 10.26 Uhr bis 11.06 Uhr zu Verspätungen gekommen – so lange hielt sich der Helikopter trotz Verbots in der genehmigungspflichtigen Frankfurter Kontrollzone auf. Dann kehrte er zu seinem Landeplatz in Reichelsheim zurück. Wie viele Flüge insgesamt von der Aktion betroffen waren, konnte die Sprecherin am Montag noch nicht sagen. Die Untersuchungen dauerten noch an.

Vergleichbare Fälle extrem selten

Weitere Informationen

Was ist eine Kontrollzone?

Kontrollzonen sind fest definierte Bereiche, die meist in der unmittelbaren Umgebung eines Flughafens oder –platzes liegen. Weil hier in der Regel besonders viel Flugverkehr herrscht, darf die Kontrollzone nur mit der Genehmigung der Flugsicherung beflogen werden.

Ende der weiteren Informationen

Dass ein Pilot die Anweisungen der Lotsen ignoriere und einfach ohne Erlaubnis in die Kontrollzone fliege, sei extrem selten, so die Sprecherin: "Wir können uns an lediglich zwei vergleichbare Fälle erinnern."  So sei vor mehr als zehn Jahren der Pilot einer Privatmaschine ohne Erlaubnis in den südlichen Teil der Kontrollzone im Bereich der Startbahn West geflogen.

Aus Sicherheitsgründen musste damals eine Lufthansa-Maschine ihren Start abbrechen.  Im Januar 2003 wurde ein Sportflugzeug entwendet, dessen Pilot sich nach eigenen Angaben ins damalige EZB-Gebäude in der City stürzen wollte. Während seines Irrflugs über der Innenstadt wurde der Flugverkehr über Frankfurt komplett eingestellt.

Enttäuschung bei den Organisatoren

Bei den Organisatoren des Flugs, der Deutschen Helikopter Agentur, klingt man angesichts der ungeahnten Folgen des Aufsehen erregenden Helikopterflugs enttäuscht. "Wir sind verwundert“, sagt Geschäftsführer Adam Mikulski. Er selbst habe im Nachhinein aus Medienberichten von dem Vorfall erfahren, jedoch weder von der DFS oder dem Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung offiziell davon Kenntnis erhalten.

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zum Video Helikopter fliegt Notstromaggregat auf das Dach des Taunusturms

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Warum der Pilot die DFS-Anweisungen ignoriert habe, wisse er nicht. Aber: "Der Pilot ist verantwortlich, sich so zu verhalten, wie die DSF es vorschreibt – anscheinend hat er es nicht getan."  Die Agentur habe den Helikopter gestellt und die Organisation übernommen, sagte Mikulski. Der Pilot gehöre zur Fluggesellschaft UTair mit Sitz in der Slowakei.

Auf eben diesen Piloten könnte jetzt noch einiges zukommen, wie das zuständige Bundesamt hessenschau.de mitteilte. Ein Flug in die Kontrollzone ohne Freigabe sei eine Ordnungswidrigkeit, die mit einem Bußgeld bis zu 50.000 Euro bestraft werden könne.

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