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Auf Facebook reagierte einer der Rapper auf den Polizeieinsatz. Bild © Collage Screenshots/Facebook

Der sogenannte Boxclub "Osmanen Germania" hat in Dietzenbach einen Großeinsatz ausgelöst. Die rockerähnliche Gruppe wollte ein Musikvideo drehen. Die Polizei stoppte den Dreh. Der Einsatz zeigt, wie ernst sie die Gruppe nimmt.

Dietzenbach, Spessartviertel, Sonntag, 13.20 Uhr. Auf einer Kontrollfahrt fällt einer Polizeistreife eine Ansammlung von Kuttenträgern auf. Die Köpfe der "Osmanen Germania", Mehmet B. und Selcuk S., haben rund 80 Mann um sich geschart, um gemeinsam mit zwei Rappern ein neues Musikvideo zu drehen. Doch die Polizei kommt ihnen in die Quere. Weitere Kräfte werden hinzugezogen und der Videodreh beendet. Sehr zum Ärger der Beteiligten.

Um 15.21 Uhr postet Kamber B., einer der beteiligten Rapper, auf Facebook: "Scheisse Dreh geplatz! mindestens 40 Mannschaftswagen stürmten unser dreh (…) und erteilten stadtverbot und drehverbot!"

Ob tatsächlich so viele Mannschaftswagen im Einsatz waren, will das zuständige Polizeipräsidium Südosthessen mit Sitz in Offenbach aus taktischen Gründen nicht verraten. Allerdings sei das Mobile Einsatzkommando entgegen anderslautender Berichte nicht im Einsatz gewesen, wohl aber die Bereitschaftspolizei. Diese kontrollierte die Personalien der Osmanen, erteilte Platzverweise und sammelte "einige wenige nach dem Waffengesetz verbotene Gegenstände" ein. "Aber alles nur Ordnungswidrigkeiten", heißt es aus der Pressestelle. Keine große Sache also?

Boxclub auf Expansionskurs

Immerhin: Der Einsatz zeigt, wie ernst die Polizei die "Osmanen Germania" nimmt. Seit der sogenannte Boxclub seinen rasanten Expansionskurs eingeschlagen hat, sind nicht nur die hessischen Beamten alarmiert. Über 20 Ortsgruppen (Charter) der Osmanen haben sich innerhalb weniger Monate in mehreren Bundesländern gegründet, Tendenz steigend. Und auch im Ausland sind die "Osmanen Germania" bereits aktiv, in Schweden etwa, in der Schweiz, in Österreich oder der Türkei.

Und weil niemand so richtig weiß, welches Ziel die Osmanen verfolgen, beginnen auch besorgte Politiker, Fragen zu stellen. In Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen zum Beispiel war die aus Hessen gelenkte Expansion der "Osmanen Germania" vergangene Woche Thema in den Landtagen.

Osmanen-Song sorgt für Aufregung

Die Befürchtungen sind immer die gleichen: Es ist die Sorge, dass die Osmanen die einschlägigen Rockerclubs wie Hells Angels und Bandidos nicht nur kopieren – in ihren internen Strukturen oder durch das Tragen von Kutten – sondern, dass sie auch die Geschäftsfelder der Rocker im Blick haben, etwa die Türsteherszene. Damit würden neue Konflikte im Milieu drohen.

Nachgewiesen hat das den Osmanen noch niemand. Glaubwürdig entkräften aber konnten sie es bisher auch nicht. Das liegt auch an ihren Musikvideos, wie sie jetzt wieder eines in Dietzenbach drehen wollten.

Denn Cemo R., der zweite beteiligte Rapper, sorgte schon einmal mit einem Song über die "Osmanen Germania" für großes Aufsehen. Die "Osmanen Germania" seien "Krieger, die keine Angst haben, für ihre Brüder eine Kugel zu fangen", heißt es darin unter anderem. Und: "Wir kommen und erobern das ganze Land." Auch dieses Video war in Hessen gedreht worden, allerdings nicht in Dietzenbach, sondern vor einer Shisha-Bar in Rodgau.

Geht es um Gewalt oder um Kunst?

Für die Polizei sind die martialischen Bilder solcher Videos und die mit Gewaltandrohungen gespickten Texte Teil der Inszenierung und Machtdemonstration der Osmanen. Sie wertet sie daher als klaren Hinweis auf die wahren Ziele der Gruppierung. Und die hätten wenig mit Boxen zu tun.

Rapper R. dagegen betont, seine Videos dienten "rein der Unterhaltung" und hätten"mit der Realität nichts zu tun." Im Rap sei der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Mit anderen Worten: Es gehe nicht um Gewalt, sondern um Kunst.

Die Polizei hat sich von dieser Argumentation bisher nicht überzeugen lassen. Es ist deshalb zu erwarten, dass die Beamten auch weitere Drehversuche und Aufmärsche der Osmanen strikt kontrollieren und möglichst verhindern werden. Daran ändert auch nichts, dass Osmanen-Führer Selcuk S. auf Facebook beteuert: "Wir sind unschuldig!".

Auch Rapper Kamber B. lässt sich von den Maßnahmen offenbar nicht abschrecken: "Wir haben trotzdem gefilmt und ein fettes Video gedreht, diese erscheint ende März!" schreibt er auf Facebook wenige Stunden nach Drehabbruch. Danach folgt eine wüste Beschimpfung der Polizei.

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