Nach einer Auseinandersetzung in einer Frankfurter U-Bahn-Station ist ein Polizist in zweiter Instanz vom Vorwurf der Körperverletzung freigesprochen worden. Ganz ungeschoren ließ das Landgericht den Beamten aber nicht davonkommen.

Ein hessischer Polizist in Uniform
Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Der Fall Derege Wevelsiep hatte hohe Wellen geschlagen. Im Oktober 2012 war es in einer Frankfurter U-Bahn-Station im Rahmen einer Fahrkartenkontrolle zu einem Streit gekommen, in dessen Verlauf ein Polizist den Deutsch-Äthiopier geschlagen haben soll. Vom Amtsgericht Frankfurt war der Beamte daraufhin wegen Körperverletzung im Amt zu einer Geldstrafe von 8.400 Euro verurteilt worden.

Dieses Urteil hob das Frankfurter Landgericht nun am Dienstag in zweiter Instanz wieder auf. Es lasse sich nicht beweisen, dass der Angeklagte zugeschlagen habe, erklärte Richterin Beate Menhofer-Woitaschek. Wegen Beleidigung - er habe Wevelsiep "Dummschwätzer" oder "dummer Schwätzer" genannt - muss der Polizist allerdings eine Geldstrafe von 1.400 Euro zahlen. Zudem trägt er zu einem Viertel die Verfahrenskosten.

Kritik an Zeugen

Als Begründung für die Abmilderung des Urteils diente dem Gericht vor allem ein medizinisches Gutachten. Die von Wevelsiep erlittene Risswunde oberhalb der Augenbraue sei demnach wohl nicht durch einen Faustschlag, sondern eher beim unsanften Einsteigen in den Streifenwagen zustande gekommen, heißt es darin.

Kritik übte die Richterin indes sowohl der Unverhältnismäßigkeit einer vorläufigen Festnahme Wevelsieps als auch am Aussageverhalten der Fahrkartenkontrolleure und der als Zeugen geladenen Polizisten. In "falsch verstandener Kollegialität und falschem Rechtsverständnis" hätten sie auffällig versucht, den Angeklagten zu entlasten, indem sie entweder angaben, nichts bemerkt zu haben, oder sich nicht erinnern zu können.

Gegen das Urteil des Landgerichts ist eine Revision möglich. "Wir halten das Ergebnis für überraschend und prüfen Rechtsmittel", sagte Anwalt Sven Adam.

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