Bildkombination Radrennen Spurensicherung
Rechts: Ermittler sichern Beweise in der Wohnung des Verdächtigen Bild © picture-alliance/dpa

Der mutmaßlich geplante Anschlag auf den Frankfurter Radklassiker am 1. Mai wird ab Januar am Landgericht verhandelt. Der Prozess gegen Halil D. aus Oberursel steht unter ungewöhnlichen Vorzeichen: Die Richter sind sich sicherer als die Staatsanwaltschaft, was der 35-Jährige mit seiner Rohrbombe vorhatte.

Angeklagt ist Halil D. wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat, Verstoß gegen das Waffen- und Sprengstoffgesetz sowie Urkundenfälschung. Fahnder hatten in seiner Wohnung eine einsatzbereite Rohrbombe, Waffen, Munition und für den Bau von Bomben geeignete Chemikalien gefunden.

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Damit soll der 35-Jährige einen Anschlag auf das Radrennen "Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt" am 1. Mai geplant haben. Das Rennen war wegen der Terrorgefahr kurzfristig abgesagt worden. Die Staatsanwaltschaft beim Landgericht Frankfurt legte sich nicht auf ein konkretes Anschlagsziel fest. Sie spricht mittlerweile nur noch von einer Großveranstaltung, die attackiert werden sollte.

Rennstrecke ausspioniert

Ungewöhnlich ist, dass das Landgericht diese Sache schon vor dem auf den 21. Januar terminierten Prozessbeginn anders sieht, wie hr-iNFO aus Justizkreisen erfuhr. Das Gericht beharrt in seinem Eröffnungsbeschluss darauf, es gebe sehr wohl konkrete Anhaltspunkte dafür, dass der Angeklagte es auf das Radrennen abgesehen hatte. Im Gegensatz zur Anklagebehörde hatte schon das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt sehr wohl deutliche Hinweise darauf erkannt, dass beim Rennen eine Bombe explodieren sollte. Dafür sprächen unter anderem bei dem Mann gefundene Bastelanleitungen für Bomben sowie die Tatsache, dass er die Rennstrecke habe ausspähen wollen.

Bei einer Verurteilung drohen dem Angeklagten bis zu zehn Jahre Haft. Auch seine 34 Jahre alte Ehefrau war vorübergehend in U-Haft genommen worden. Sie wurde aber wegen nicht ausreichender Verdachtsmomente wieder auf freien Fuß gesetzt.

Chemikalien in Baumarkt gekauft

Auf die Spur des mutmaßlichen Islamisten waren die Ermittler durch den Hinweis einer Frankfurter Baumarkt-Mitarbeiterin gekommen. Der Verdächtige hatte unter Angabe falscher Personalien drei Liter der Chemikalie Wasserstoffperoxid gekauft. Die Angestellte informierte daraufhin die Polizei.

Über Videoaufnahmen konnte der Mann identifiziert werden. Als sich im Laufe von Observationen die Verdachtsmomente gegen ihn erhärteten, griffen die Fahnder Ende April schließlich zu und nahmen ihn fest.

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