Sanel M. mit seinem Verteidiger an einem früheren Prozesstag im Gerichtssaal
Verhandlung im Sommer 2015 vor dem Landgericht Darmstadt. Bild © picture-alliance/dpa

Der Prozess um den gewaltsamen Tod der Studentin Tugce Albayrak wird nicht neu aufgerollt. Das Urteil gegen den Schläger Sanel M. ist rechtskräftig. Der Bundesgerichtshof lehnte einen Antrag auf Revision ab.

"Die Revision wird als unbegründet verworfen", heißt es in dem Beschluss des Bundesgerichtshofs. Die Staatsanwaltschaft Offenbach und die Verteidigung von Sanel M. bestätigten den Beschluss dem hr. Die Nachprüfung des Urteils gegen Sanel M. habe "keine Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten ergeben", heißt es in dem Schreiben vom 13. Januar dieses Jahres. Die Verteidiger von Sanel M. haben ihr Ziel damit verfehlt, der Prozess wird nicht neu aufgerollt.

Zuvor hatten schon Freunde und Bekannte auf Facebook über den Gerichtsbeschluss im Fall Tugce berichtet.

Sanel M: "Schlimmer Fehler"

Das Landgericht Darmstadt hatte den damals 18-Jährigen am 16. Juni 2015 wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu einer Jugendstrafe von drei Jahren ohne Bewährung verurteilt. "Wer so heftig zuschlägt, will eine Körperverletzung", begründete der Vorsitzende Richter im Sommer die Entscheidung. Den Tod von Tugce Albayrak habe er aber sicher nicht beabsichtigt. Sanel M. sei "kein Killer, Totschläger oder Koma-Schläger".

Der heute 19-Jährige hatte Tugce Albayrak im November 2014 auf dem Parkplatz eines Fast-Food-Restaurants in Offenbach so geschlagen, dass sie stürzte und auf den Kopf fiel. Die junge Frau aus Gelnhausen (Main-Kinzig) lag im Koma und starb später im Krankenhaus an den Verletzungen. Am 28. November, ihrem 23. Geburtstag, hatten die Ärzte die lebenserhaltenden Maschinen abgestellt. Sanel M. hatte vor Gericht vom "schlimmsten Fehler" seines Lebens gesprochen und sich mehrfach bei der Familie des Opfers entschuldigt.

Diskussion über Jugendkriminalität – Symbolfigur für Zivilcourage

Tugce Albayrak war in der Toilette des Restaurants zwei Mädchen, die von mehreren Männern belästigt worden waren, zu Hilfe geeilt. Später eskalierten die Auseinandersetzungen auf dem Parkplatz, es kam zu wechselseitigen Beleidigungen, in deren Folge die junge Frau geschlagen wurde.

Der Fall hatte in Deutschland eine lang anhaltende Diskussion um Jugendkriminalität entfacht. Tugce Albayrak wurde in diesem Zusammenhang zu einer Symbolfigur für Zivilcourage.

Hunderte von Menschen veranstalteten an mehreren Orten Schweigemärsche und Mahnwachen für Tugce. Auch an der Universität in Gießen trafen sich Freunde und Kommilitonen der verstorbenen Studentin zum Gedenken – dort wurde auch ein Gedenkstein errichtet. Bundespräsident Joachim Gauck hatte zunächst sogar eine posthume Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an die Verstorbene erwogen, sich später aber dagegen entschieden.

Beweismittel in der Öffentlichkeit

Im Zuge der Diskussion wurde aber auch vor einer Vorverurteilung des damals Tatverdächtigen gewarnt. Im Rahmen der Ermittlungen waren Beweismittel wie ein Video an die Öffentlichkeit gelangt. In diesem Zusammenhang wurde auch die Rolle der Medien kritisiert.

Das könnte Sie auch interessieren

Zum Seitenanfang