Ermittler am Tatort in Dreieich
Schüsse auf Flüchtlingsunterkunft: Ermittler am Tatort in Dreieich Bild © picture-alliance/dpa

Bei Schüssen auf eine Flüchtlingsunterkunft in Dreieich ist in der Nacht zum Montag ein schlafender Mann verletzt worden. Die Staatsanwaltschaft spricht von einem "gezielten Angriff". Polizei und Landeskriminalamt ermitteln mit einem Großaufgebot.

Gegen 2.30 Uhr am Montagmorgen waren mehrere Schüsse auf die Asylbewerberunterkunft in Dreieich-Dreieichenhain (Offenbach) abgegeben worden. Über nähere Hintergründe und das Motiv der Tat ist noch nichts bekannt.

Ein 23-jähriger Mann sei leicht verletzt worden, habe das Krankenhaus aber nach kurzer Behandlung wieder verlassen können, erklärte ein Polizeisprecher hessenschau.de. Der hinter dem Fenster schlafende Mann war von einem Schuss am Bein getroffen worden. Ob sich der Getroffene allein in dem Zimmer aufhielt, war unklar.

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Ein 27 Jahre alter Syrer, der ebenfalls in dem Heim wohnt, sagte hessenschau.de, eine vermummte Gestalt habe gezielt sechs bis sieben Mal mit einer Handfeuerwaffe geschossen.

Staatsanwaltschaft: "Gezielter Angriff" - Politik zeigt sich entsetzt

"Das war ein gezielter Angriff, durch den für die Bewohner der Unterkunft eine hohe Gefahr ausging", erklärte Nina Reininger, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Darmstadt. Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) erklärte auf Twitter, man dürfe nicht zusehen, wie sich die Spirale der Gewalt weiterdrehe. Der Rechtsstaat dürfe und werde das nicht hinnehmen.

Das beschossene Flüchtlingsheim liegt im Ortsteil Dreieichenhain
Das beschossene Flüchtlingsheim liegt im Ortsteil Dreieichenhain Bild © hessenschau.de

Der hessische Innenminister Peter Beuth (CDU) sagte, auch wenn die Hintergründe noch unklar seien, werde man Gewalt gegen Schutzsuchende im Land nicht dulden. SPD-Landeschef Thorsten Schäfer-Gümbel sprach von einem feigen Angriff. "Die Menschen, die solche Taten verüben, greifen nicht nur die Flüchtenden an, sondern uns alle und unsere gemeinsamen Werte", sagte er. Auch die Grünen zeigten sich entsetzt. "Der Vorfall muss schnellstens aufgeklärt werden", forderte Vize-Fraktionschefin Martina Feldmayer.

Der Linken-Abgeordnete Herman Schaus sprach von einem "Mordversuch". FDP-Fraktionschef Florian Rentsch nannten den "Schutz von Flüchtlingen, die in unser Land kommen, um Gewalt und Verfolgung zu entkommen, eine zentrale moralische Pflicht unserer Gesellschaft".

Innenminister Beuth: "Feige Tat"

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Ermittler stehen vor der von Schüssen getroffenen Fensterfront.

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Auf ein Fenster des Gebäudes waren mehrere Schüsse abgegeben worden, dabei wurde der schlafende Bewohner getroffen und leicht verletzt. Zur Art der Munition oder einem möglichen fremdenfeindlichen Hintergrund wollte sich die Polizei nicht äußern. "Es kann alles sein, wir ermitteln in alle Richtungen", sagte ein Sprecher. Das Polizeipräsidium Südosthessen hat laut Innenminister Beuth eine "Besondere Aufbauorganisation" eingerichtet und arbeitet mit einem 90-köpfigen Team an der Aufklärung der "feigen Tat". Auch das Landeskriminalamt sei in die Ermittlungen eingebunden.

Unterkunft beherbergt 30 Flüchtlinge

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In der Unterkunft wohnen nach Auskunft der Stadt Dreieich derzeit 30 Flüchtlinge. Die Stadtspitze zeigte sich vom Angriff entsetzt. In dem von den Schüssen betroffenen Gebäudeteil seien 15 Männer untergebracht, 14 Syrer und ein Afghane, sagte eine Sprecherin. In dem anderen Gebäudeteil leben vier Familien.

Insgesamt leben in Dreieich 430 Flüchtlinge (Stand 31. Dezember). Es gebe zwölf größere Unterkünfte für jeweils 15 bis 30 Flüchtlinge und 50 kleinere Einheiten für jeweils eine bis sieben Personen. In der Stadt sei es bisher nicht zu Angriffen oder Missfallensbekundungen gegen Asylbewerber gekommen, sagte die Stadtsprecherin. Im Gegenteil: Es gebe eine Willkommenskultur mit einem großen ehrenamtlichen Netzwerk.

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Am Montag versammelten sich rund 250 Einwohner zu einer Mahnwache in der Altstadt von Dreieichenhain. Einige von ihnen zogen am Abend weiter, um an der betroffenen Flüchtlingsunterkunft ihre Solidarität auszudrücken. Für kommenden Samstag soll zudem eine Demonstration gegen Fremdenfeindlichkeit organisiert werden.

Im April 2015 waren in Hofheim (Main-Taunus) mehrere Schüsse mit einer Gaspistole auf eine Asylbewerberunterkunft abgegeben worden. Die Staatsanwaltschaft erhob deswegen im November Anklage gegen einen 20 Jahre alten mutmaßlichen NPD-Sympathisanten.

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