Seit Dienstag früh umkreist ein weiterer Erdbeobachtungssatellit der Esa die Erde. Den Raketenstart feierte die Raumfahrtagentur in Darmstadt mit zahlreichen Social-Media-Nutzern aus aller Welt.

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Mehrere hundert Menschen verfolgten in der Nacht zum Dienstag den Start des Satelliten Sentinel-2B in Französisch-Guyana auf den Leinwänden im Darmstädter Kontrollzentrum. Die Europäische Raumfahrtagentur Esa hatte neben Journalisten auch rund 100 Social-Media-Nutzer eingeladen. Die Twitterer und Blogger waren aus aller Welt nach Hessen gekommen und fütterten den Hashtag #Sentinel2Go mit Inhalten.

Tara Foster reiste eigens aus Australien an, um in Darmstadt dabei zu sein. Die in den USA geborene 36-Jährige ist seit vielen Jahren ein großer Raumfahrtfan. "Mein erster Raketenstart hat mein Leben verändert", sagt sie. Sie war schon bei ähnlichen Events der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa dabei.

Daumen hoch für "Politik der offenen Türen"

Esa Rakete
Zum Satellitenstart lud die Esa 100 "Socials" ins Kontrollzentrum ein. Bild © hessenschau.de / Esa

"Wann immer ich kann, reise ich zu einem Raketenstart"“, sagte Foster. Dass der Start in Wahrheit tausende Kilometer entfernt stattfindet, spielt für sie keine Rolle. Ihr geht es darum, dort zu sein, wo die Fäden zusammenlaufen, die Atmosphäre und die Aufregung hautnah mitzuerleben. Dafür spart sie lange. "Andere fahren zum Superbowl. Das hier ist mein Superbowl."

Paul Davies ist aus London gekommen. "Mir gefällt diese Politik der offenen Türen", sagt der 35 Jahre alte Brite. "Ich finde das auch in bildungspolitischer Hinsicht wichtig." Andere Teilnehmer kommen aus Israel oder Brasilien. Die Esa hatte sie aus knapp 280 Bewerbern ausgewählt.

Hochauflösende Bilder

Dass die Esa Sonden zum Mars schicken und Kometen verfolgen kann, hat sie in der Vergangenheit gezeigt. Mit dem Sentinel-Programm macht sie genau das, was Raumfahrtskeptiker immer wieder fordern: den Blick fest auf irdische Probleme richten.

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"Sentinel-2B" ist der fünfte europäische Erdbeobachtungs-Satellit im All. Um 2.49 Uhr mitteleuropäischer Zeit hob die Vega-Rakete mit dem Satelliten an Bord vom Weltraumbahnhof Kourou ab. Er ergänzt den baugleichen "Sentinel-2A", der bereits im Juni 2015 ins All geschossen worden war.

Mit seinen Multispektralkameras soll das Gespann hochauflösende Bilder von Landmassen, Inseln und Küstengebieten liefern. Die Daten werden über das Internet kostenlos jedermann zur Verfügung gestellt. Damit können nach Angaben der Esa beispielsweise genauere Ernteprognosen erstellt werden.

Landwirte sollen von Raumfahrt profitieren

Esoc-Leiter Rolf Densing überreicht Sabine S. Groth von der hessischen Landesregierung ein Sentinel-Modell.
Esoc-Leiter Rolf Densing überreicht Sabine S. Groth von der hessischen Landesregierung ein Sentinel-Modell. Bild © hessenschau.de

Die Farbanalysen lassen etwa Rückschlüsse auf die Entwicklung der Vegetation zu. "Junge kreative Köpfe können daraus Anwendungen entwickeln", sagt Rolf Densing, Leiter des Satellitenkontrollzentrums Esoc in Darmstadt. So könne eine App einem Landwirt optimale Düngerkombinationen errechnen. Die Satelliten sollen aber auch die Veränderungen der Küstenlinien und die Gewässerverschmutzung im Auge behalten.

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Nach Darmstadt gekommen war auch Astronaut Thomas Reiter, der fleißig Autogramme auf Teddybären schreiben musste. "Das sind schon so ein paar Aspekte des Astronautseins, an die man vorher gar nicht so gedacht hat", sagt der 58-Jährige. Wie ein Popstar fühle er sich trotzdem nicht. Er freut sich vielmehr, dass die Begeisterung für die Raumfahrt auch bei der jüngeren Generation ungebrochen ist.

Zum Abschluss gibt's Sekt und Kuchen. Ich verabschiede mich aus dem #ESOC in Darmstadt. #Sentinel2Go

Eine Stunde nach dem Start in Französisch-Guyana ging in dieser Social-Media-Nacht in Darmstadt das Signal des Satelliten ein. Die Mitteilung von Missionsbetriebsleiter Paolo Ferri aus dem Kontrollraum wurde im Konferenzsaal mit Jubel und Applaus quittiert. Kuchen und Sekt für alle um 4 Uhr morgens - die Uhrzeit war den Teilnehmern jedoch egal.

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