Nach dem Haftbefehl gegen eine Klinik-Mitarbeiterin wegen versuchten Totschlags untersucht die Staatsanwaltschaft einen weiteren Fall. Am Freitag wurde die Leiche eines im Dezember gestorbenen Babys exhumiert. Die Frau könnte auch diesem Kind Medikamente verabreicht haben.

Frühchen
Ein zu früh geborenes Baby in einem Inkubator. (Archivbild) Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Die Staatsanwaltschaft Marburg prüft im Fall einer Mitarbeiterin des Universitätsklinikums Gießen-Marburg, die ein Frühchen auf der Intensivstation mit einem Narkosemittel beinahe umgebracht haben soll, weitere Verdachtsfälle. Im Zusammenhang mit Ermittlungen wegen des versuchten Tötungsdelikts wurde am Freitag die Leiche eines im Dezember auf der Frühchenstation gestorbenen Babys exhumiert, wie Staatsanwaltschaft und Polizei am Freitag mitteilten.

Es bestehe der Verdacht, "dass es auch in diesem Fall zu einer missbräuchlichen Medikamentenvergabe durch die Beschuldigte gekommen sein könnte", sagte am Freitag die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Marburg, Ute Sehlbach-Schellenber. Durch eine Obduktion solle geklärt werden, "ob der Verdacht eines vollendeten Tötungsdelikts bestätigt werden kann". Die Staatsanwaltschaft wies darauf hin, dass die dafür notwendigen gerichtsmedizinischen Untersuchungen einige Zeit in Anspruch nehmen werden.

Frau arbeitete mehrere Jahre auf der Station

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Zudem werden nach Angaben der Oberstaatsanwältin weitere mögliche Verdachtsfälle geprüft. Dazu sollen Akten durchgearbeitet und frühere Patienten beziehungsweise deren Angehörige befragt werden. Die Tatverdächtige sei weiterhin nicht geständig. Zu ihrer Identität machte die Sprecherin keine näheren Angaben. Die Krankenschwester habe mehrere Jahre auf der Station gearbeitet.

Bei dem ersten Fall - einem 30 Tage alten Baby - hatten Untersuchungen den Verdacht des Medikamentenmissbrauchs ergeben. Es gehe um zwei Narkosemittel, die we der verordnet noch im Behandlungsplan vermerkt wurden, hatte die Staatsanwaltschaftssprecherin am Montag gesagt.

"Konsequente und umfassende Aufklärung in unserem Interesse"

Nach Angaben der Uniklinik geht es dem Baby nach zwischenzeitlicher Verschlechterung wieder gut. Bleibende Schäden seien aus jetziger medizinischer Sicht nicht zu erwarten. Dem Bericht der Bild-Zeitung zufolge war das Mädchen auf die Intensivstation gekommen und musste wiederbelebt werden.

Das Universitätsklinikum erklärte am Freitag, das Krankenhaus unterstütze die Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln: "Eine konsequente und umfassende Aufklärung des Falls ist in unserem Interesse."

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