Ein Polizist untersucht ein Einschussloch an der Unterkunft in Dreieich
Ein Polizist untersucht ein Einschussloch an der Unterkunft in Dreieich Bild © picture-alliance/dpa

Der Bürgermeister von Dreieich und sein Stellvertreter sind entsetzt über die Schüsse auf eine Flüchtlingsunterkunft. Sozialarbeiter kümmern sich um die verunsicherten Heimbewohner. Der verletzte 23-Jährige konnte die Klinik verlassen.

Dreieichs Bürgermeister Dieter Zimmer (SPD) spricht im Gespräch mit hessenschau.de von einem"entsetzlichen Geschehen", sein Stellvertreter Martin Burlon (parteilos) von einem "feigen Anschlag". Am frühen Montagmorgen hatte die Stadtspitze von der Polizei von den Schüssen auf das Flüchtlingsheim in Dreieich-Dreieichenhain (Offenbach) erfahren.

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Am Vormittag machte sich Burlon in Vertretung des erkrankten Bürgermeisters in der Unterkunft in der Gleisstraße ein eigenes Bild. Erleichtert zeigte er sich, dass der 23 Jahre alte verletzte Bewohner das Krankenhaus schon wieder verlassen konnte. Er war nachts um 2.30 Uhr im Schlaf von einem Schuss am Bein getroffen worden. Seither ermittelt die Polizei in alle Richtungen.

Das beschossene Flüchtlingsheim liegt im Ortsteil Dreieichenhain
Das beschossene Flüchtlingsheim liegt im Ortsteil Dreieichenhain Bild © hessenschau.de

Mehrere Sozialarbeiter der Stadt kümmern sich nun um die psychologische Betreuung der Bewohner, die nach den Schüssen verunsichert sind. Auch Mitarbeiter des Landkreises Offenbach widmen sich dieser Aufgabe.

Anwohner schockiert - Demo angekündigt

Für den Angriff auf das Heim habe es im Vorfeld in Dreieich keinerlei Anzeichen gegeben, sagte Burlon hessenschau.de. Im Gegenteil: Die Akzeptanz der rund 430 Flüchtlinge, die Ende 2015 im Stadtgebiet von Dreieich lebten, sei hoch. "Wir sind stolz und dankbar, hier auch eine sehr große Zahl von ehrenamtlichen Helfern zu haben", sagte Burlon. Dreieich hat rund 40.000 Einwohner.

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Anwohner, die am Morgen in dem angrenzenden Industriegebiet ihre Einkäufe erledigten, zeigten sich schockiert über die Vorgänge in der Nacht. Persönlich fühle er sich zwar nicht bedroht, aber dass auf Flüchtlinge geschossen werde, sei eine "ungeheure Sauerei", sagte der 56-jährige Wolfgang Brügel. "Man denkt, dass so was in so einem kleinen Ort wie Dreieich nicht passieren kann", zeigte sich Anwohnerin Karin Knorz erschrocken. Die Stimmung im Ort sei gut, man sei offen für Flüchtlinge und sie würden integriert, beschreibt die 54-Jährige die Lage in der Gemeinde.

Am Montag versammelten sich rund 250 Einwohner zu einer Mahnwache in der Altstadt von Dreieichenhain. Einige von ihnen zogen am Abend weiter, um an der betroffenen Flüchtlingsunterkunft ihre Solidarität auszudrücken. Für kommenden Samstag soll zudem eine Demonstration gegen Fremdenfeindlichkeit organisiert werden.

Eine von zwölf Sammelunterkünften

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Ermittler stehen vor der von Schüssen getroffenen Fensterfront.

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In dem Haus, das die Stadt Dreieich seit Februar 2015 als Flüchtlingsunterkunft betreibt, leben etwa 30 Asylbewerber. Die Menschen sind dort in zwei Gruppen aufgeteilt: Eine Hälfte – etwa 15 Männer vorwiegend aus Syrien – wohnt und schläft in einem Teil des Hauses, abgetrennt von den anderen Bewohnern. Dies sind vier Familien aus Syrien, Afghanistan, und Eritrea. Etwa fünf bis sieben Kinder leben in der Einrichtung.

Das Gebäude war zuvor sowohl als Gewerbe- als auch als Wohnimmobilie genutzt worden. Es ist eine von zwölf Sammelunterkünften in Dreieich, in denen nach Angaben der Stadt jeweils 15 bis 30 Menschen leben. Rund die Hälfte aller Flüchtlinge in Dreieich wohne in rund 50 kleineren Unterkünften und Wohnungen. Auf diese dezentrale Unterbringung ist die Stadt stolz. Burlons Zwischenfazit: "Bisher haben wir keine Turnhallen belegen müssen."

Jeden Monat 20 bis 30 neue Flüchtlinge

Allerdings erwarte die Stadt auch im neuen Jahr, dass ihr vom Landkreis monatlich etwa 20 bis 30 Flüchtlinge zugewiesen werden, so wie im vergangenen Vierteljahr. Dreieich habe mit dieser Aufgabe "ordentlich zu tun", allerdings gehe es anderen Kommunen auch nicht anders, so Burlon.

Um die bevorstehenden Pflichten zu bewältigen, werde man allerdings auch größere Liegenschaften anmieten müssen, in denen dann über 100 Menschen unterkommen sollen, sagte Bürgermeister Zimmer hessenschau.de. Hier sei der Kreis Offenbach bereits auf der Suche nach geeigneten Immobilien. Ob der Beschuss des Heims in Dreieichenhain darauf Auswirkungen hat, ist unklar.

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