Bildcombi: Ausstellung auf dem Rathenauplatz - zerstörte Porträt-Plastik
Auf dem Rathenauplatz standen zur Eröffnung Skulpturen von 17 jüdischen Sportlern - zwei von ihnen wurden mittlerweile zerstört. Bild © Beveswelt.de

Im Jüdischen Museum ist das Entsetzen groß. Zwei Skulpturen einer Ausstellung in Frankfurt sind zerstört worden. Sie hatten gerade einmal wenige Stunden in der Innenstadt gestanden.

"Der Vorfall ist beunruhigend und für Frankfurt beschämend." Fritz Backhaus, stellvertretender Direktor des Jüdischen Museums Frankfurt, ist entsetzt über die Zerstörung eines Teils der Ausstellung, die am vergangenen Donnerstag eröffnet wurde.

Die Schau "Zwischen Erfolg und Verfolgung" zeigt auf dem Rathenauplatz überlebensgroße Skulpturen von 17 jüdischen Sportlern und informiert über deren Verdienste und Schicksale. Aus den Vereinen ausgeschlossen, emigriert, deportiert und ermordet - Lebenswege, die berühren.

Zwei Nächte - zwei Zerstörungen

Bereits in der Nacht nach der Ausstellung wurde die Skulptur der Leichtathletin Lilli Henoch zerstört. Die Figur von Walther Bensemann, einem der Gründerväter des Eintracht-Frankfurt-Vorläufervereins, folgte in der Nacht von Samstag auf Sonntag.

"Die Ausstellung wurde schon an sechs Stationen gezeigt und nur in einem Fall kam es an einer Figur zu einer Beschädigung. Dass so etwas jetzt bei uns passiert, ist für Frankfurt schon beschämend", betont Backhaus.

Über die Motivation der Täter, die mit großer Gewalt vorgegangen sein müssen, will Backhaus nicht spekulieren. Anzeige sei erstattet. Eine solche Schau, die für den öffentlichen Raum konzipiert und entsprechend stabil ausgeführt sei, könne nicht permanent überwacht werden. "Ich kann nur an Anwohner und Passanten appellieren, mit darauf aufzupassen."

Skulpturen werden nicht ersetzt

Wie hoch der materielle Schaden ist, konnte Backhaus nicht beziffern. Aber im Grunde gehe es auch nicht um den Sachschaden, sondern die damit möglicherweise verbundene Botschaft. Die zerstörten Figuren der Leichtathletin Henoch und des Fußball-Pioniers Bensemann werden nicht ersetzt. Die Statuen seien recht kompliziert herzustellen und könnten nicht einfach erneuert werden.

Die vom Zentrum deutsche Sportgeschichte konzipierte Ausstellung war von Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) eröffnet worden. Feldmann sagte nun laut einer Mitteilung, dass der gewalttätige Akt "nicht dem Geist Frankfurts als einer weltoffenen, toleranten und friedfertigen Stadt" entspreche.

Sendung: hr-iNFO, 19.06.2017, 12.00 Uhr

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