Nachthimmel mit Sternschnuppe und Milchstraße. Gegen den Hintergrund hebt sich die Silhouette einer Wiese mit Baum ab.
Mit ein paar Tricks lassen sich Sternschnuppen auf's Foto bannen. Bild © picture-alliance/dpa

In den kommenden Nächten erreicht der Perseidenregen seinen Höhepunkt. Bis zu 80 Sternschnuppen pro Stunde werden erwartet. Hier sind 7 Expertentipps, wie man die flüchtigen Himmelserscheinungen aufs Foto bannt.

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Sie sind zahlreich, aber sie sind auch schnell: Sternschnuppen sind jeweils nur für Bruchteile von Sekunden zu sehen. Mit mehr als 200.000 Stundenkilometern schießen kosmische Staubteilchen durch die Erdatmosphäre und regen die Luft zum Leuchten an. Um ein gutes Foto der Perseiden zu schießen, die in den kommenden Nächten besonders gut zu sehen sein sollen, ist ein guter Standort wichtig. Aber es ist noch mehr zu beachten. Was, verrät Rainer Schmitz von der Sternwarte Hofheim. Er ist Experte für Astrofotografie.

1. Welche Kameraausrüstung sollte man mitnehmen (Kompakte, oder Spiegelreflex oder geht auch Smartphone?)

Porträt Rainer Schmitz
Rainer Schmitz ist Hobbyastronom und Spezialist für Astrofotografie an der Sternwarte in Hofheim am Taunus Bild © privat

Eine Spiegelreflexkamera ist im Allgemeinen wegen der besseren Einstellbarkeit von deutlichem Vorteil gegenüber anderen Kameraklassen. Wichtig ist die Möglichkeit, lange zu belichten und möglichst viele Bilder mehr oder weniger automatisch hintereinander machen zu können. Hierfür kann ein externer Timer oder ein Fernauslöser verwendet werden. Die Bilder muss man dann einzeln nach Sternschnuppen durchsuchen. Eine Spiegelreflexkamera lässt sich auch einfacher scharf stellen, wobei man hierfür in der Regel die manuelle Fokussierung wählen muss.  

2. Welches Objektiv/welche Brennweite sollte man wählen?

Das Objektiv sollte möglichst weitwinklig sein. Die Idee ist, möglichst viel Himmel auf dem Foto abzubilden, jedes Foto möglichst lange belichten zu können und mit vielen Fotos möglichst die ganze Nacht abzubilden, in der Hoffnung, dass dann auf einigen Fotos Sternschnuppen zu sehen sind. Mit einer Brennweite um 20 mm ist man schon gut gerüstet. Über 50 mm kann ich nicht empfehlen, weil dann der Himmelsausschnitt einfach zu klein wird. Außerdem macht sich bei längeren Brennweiten auch die Erddrehung schneller bemerkbar, was zu Strichspuren der Sterne auf dem Bild führt.

 3. Muss man ein Stativ haben?

Es muss nicht unbedingt ein Stativ sein. Aber wegen der langen Belichtungszeiten darf die Kamera nicht wackeln. Wer kein Stativ hat, kann auch versuchen, die Kamera auf einem Kissen oder einem Sandsack stabil abzulegen.

4. Welche Belichtungszeiten/Blenden sollte man wählen?

Ein Blende von 3,5 oder 4 ist ein guter Startpunkt, ab dem man weiter experimentieren muss. Grundsätzlich sollte man möglichst lange belichten. Allerdings muss man die Belichtungszeit am Aufnahmeort austesten, denn das hängt sehr von der lokalen Lichtverschmutzung ab. Die Belichtungszeit hängt auch von der Brennweite des Objektivs ab. Anfänger sollten als Test zunächst eine Serie mit Belichtungszeiten von 10, 20 und 30 Sekunden machen. Die Sterne am Himmel sollten in hoher Anzahl deutlich sichtbar sein, ohne dass der Himmelshintergrund zu dominant wird.

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5. Wie kann man Bildrauschen reduzieren (ISO)?

Mit einer Anfangseinstellung von 800 ISO wird man meistens ganz gut liegen. Einstellungen darunter erlauben längere Belichtungszeiten, machen die Sternschnuppen im Verhältnis allerdings dunkler. Höhere Einstellungen produzieren verhältnismäßig stark sichtbares Rauschen und führen dazu, dass der Himmel schnell zu hell wird. Manche Kameras haben auch die Möglichkeit, ein so genanntes Dunkelbild zu erstellen, mit dem die Software der Kamera das Rauschen leichter herausrechnen kann.

6. Wie und wohin sollte man die Kamera ausrichten (zu welcher Uhrzeit, Himmelsrichtungen etc.)?

Die Kamera sollte möglichst Richtung Westen, Osten oder in den Zenit ausgerichtet sein. Das ist allerdings auch abhängig von der lokalen Lichtverschmutzung. Am Abend des 12. sollte die Kamera nicht Richtung Nordosten zeigen, da der scheinbare Ursprungsort der Sternschnuppen dort liegt und Sternschnuppen dort nur kurze Spuren erzeugen. Im Laufe der Nacht wandert dieser Punkt dann in den Zenit, so dass man evtl. die Kamera neu ausrichten sollte. Man kann die ganze Nacht über bis zum Sonnenaufgang fotografieren oder beobachten. Die besten Chancen sind sehr früh morgens, quasi bevor es wieder hell wird.

7. Welcher Standort ist der Beste zum Fotografieren (Fremdlicht, Lichtdome)

Grundsätzlich gilt: Je dunkler der Himmel desto besser. Keine noch so teure Ausrüstung kann einen dunklen Himmel ersetzen. Außerdem braucht man möglichst ungehinderten Blick in den Himmel. Nachteilig wäre auch ein Standort, der öfter mal dem Scheinwerferlicht von Fahrzeugen ausgesetzt ist.

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