Aylan Graffiti Frankfurt
Das Graffiti im Frankfurter Osthafen zeigt den toten Aylan. Bild © picture-alliance/dpa

Ein Kunstwerk im Frankfurter Osthafen geht um die Welt: Bis in die USA zeigen Medien das umstrittene Riesen-Wandgemälde vom toten Flüchtlingsjungen Aylan.

Ein toter Junge liegt auf dem Boden, das Gesicht im Sand: Das 120 Quadratmeter große Streetart-Projekt im Frankfurter Osthafen hat international Aufmerksamkeit erregt. Nicht nur Medien in europäischen Ländern berichten ausführlich über das Kunstwerk.

Auch in der Türkei und in den USA druckten Zeitungen Fotos von dem Riesen-Gemälde ab oder stellten sie ins Internet. So titelte die New York Times in ihrer Online-Ausgabe: Das Bild des drei Jahre alten Aylan Kurdi werfe ein Schlaglicht auf die Notlage der Flüchtlinge in Europa. Ein Foto vom Leichnam des syrischen Kindes, das auf der Flucht im Mittelmeer ertrunken war, hatte vergangenen Herbst weltweit Aufsehen erregt.

Die führende britische Nachrichtenagentur Reuters widmete dem an dieses Foto angelehnten Gemälde am Freitag einen Bericht und eine Bilderserie. Medien in unseren Nachbarländern hatten das Frankfurter Kunstprojekt da schon entdeckt. In den Niederlanden und Frankreich schrieben mehrere Tageszeitungen über das Bild vom ertrunkenen Aylan, und auch in Spanien und Großbritannien war das Werk ein Thema.

Reusachtige graffiti van verdronken peuter Aylan op muur in Frankfurt. https://t.co/IFm2ancXgR

Die meisten Portale schreiben neutral über das Projekt und die Absichten der Macher. Die Onlinezeitung Huffington Post legt Nachdruck darauf, dass das Werk gerade die vielen Pendler zum Nachdenken bewegen soll, die täglich an dem Bild vorbeifahren. Der Autor schreibt, das Bild vom toten Aylan habe überall auf der Welt Herzen erobert und Gedanken verändert.

The huge tribute to Aylan Kurdi hoping to make people think twice about refugees https://t.co/4w1ORUZl4C

Tatsächlich ist das Bild weltweit zu einem Symbol der Flüchtlingskrise geworden. Sogar in Brasilien gibt es ein Graffiti-Kunstwerk von dem berühmten Foto, das im September 2015 am Strand im türkischen Bodrum entstand. Der kleine Aylan, seine Mutter und sein fünfjähriger Bruder waren damals auf dem Weg zur griechischen Insel Kos ertrunken.

Künstler Oğuz Şen ist überrascht vom großen Medieninteresse. Er hat sich schon öfter in Werken mit der Flüchtlingskrise befasst. "In meinen Augen waren die auch immer bestialisch", sagte er am Dienstag zu hessenschau.de. "Darauf hat aber nie jemand reagiert. Wir haben auch jetzt gedacht: Das geht bestimmt unter."

Neue Opfer

Ging es aber nicht - im Gegenteil. "Es gibt Zuspruch, aber auch einen Shitstorm", sagt Şen, der das Bild zusammen mit seinem Künstlerkollegen Justus Becker malte. Fast die Hälfte der Menschen, die im Netz auf sein Gemälde reagieren, lehnen seinen Angaben zufolge das Bild ab - in mehr oder weniger freundlichen Worten.

Şen bekommt aber auch schöne, anrührende Reaktionen. "In einem Café habe ich junge Frauen getroffen, zwischen 18 und 21 Jahre alt. Eine hat gefragt, ob ich der Künstler bin, der das Bild im Osthafen gemalt hat. Dann hat sie Tränen in die Augen bekommen und mir gedankt."

Die beiden Künstler hatten das Bild erst gemalt, nachdem Aylans Vater damit einverstanden war. Was er von dem Gemälde hält, weiß Şen noch nicht.

Das könnte Sie auch interessieren

Zum Seitenanfang